That Demon Within

Der Dämon in mir. Dante Lam beschwört in seinem neuen, formidablen Actionfilm die Hölle auf Erden.

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Im Actionkino Hongkongs hat man bekanntlich eine Vorliebe dafür, die Handlung auf einen Konflikt zwischen zwei Männern zuzuspitzen. Selten passen die Figuren dabei in ein einfaches Good-Cop-Bad-Cop-Schema. Vielmehr werden sie in melodramatischen Nebenerzählungen zu Opfern unglücklicher Umstände stilisiert. Statt die Unterschiede zwischen den Kontrahenten zu betonen, arbeiten die Filme die Gemeinsamkeiten heraus. Und wenn ein Protagonist hauptsächlich die Spiegelung eines anderen ist, macht es auch keinen großen Unterschied mehr, auf welcher Seite des Gesetzes man sich gerade befindet.

Kein Bösewicht mehr nötig

Gleich zu Beginn von That Demon Within (Mo Jing) gibt es einen Moment, in dem Dante Lam dieses Motiv in einem Bild verdichtet. Darin wird der schneidige Gangster Hon (Nick Cheung) mit dem schweigsamen Polizisten Dave Wong (David Wu) per Überblendung zu einer Person. Nachdem eine Blutspende die beiden einander auch faktisch näherbringt, ist es umso überraschender, wenn der Film sich in der Folge verdächtig wenig für Hon, dafür aber umso mehr Wong interessiert. An der antagonistischen Grundspannung hält Lam zwar fest, vereint sie aber in einer Figur. Statt das Menschliche des vermeintlichen Bösewichts zu betonen, stürzt er sich in die seelischen Abgründe eines Helden, der schon zu Beginn keiner ist. Mit traumatisierten Polizisten kennt sich der Actionregisseur angesichts seiner bereits recht üppigen Filmografie bestens aus. Diesmal wagt er sich in seinen Rückblenden jedoch wirklich in die allerfinstersten Ecken der menschlichen Seele vor, in eine Vergangenheit, in der selbst die Kinder ihre Unschuld schon verloren haben. Kein Wunder also, dass ein Film mit so einer Hauptfigur keinen Bösewicht mehr braucht.

That Demon Within ist ein weiterer Beweis, dass Dante Lam aktuell zu den spannendsten Regisseuren Hongkongs zählt. Gekonnt bewährt sich der Film in verschiedenen Disziplinen des Genrekinos, in Materialschlachten mit pirouettendrehenden Autos ebenso wie mit einer längeren und bodenständigeren Passage, in der Wong in den Hintergrund tritt, um mit präzise gesponnenen Intrigen eine Gangsterbande von innen zu zersetzen. Und wer sich von der Kreativität des Films im Vergleich zu westlichen Genrebeiträgen überzeugen möchte, sollte sich nur einmal die raffinierten Ablenkungsmanöver ansehen, die sich Hon so ausdenkt. Ein Feuerzeug auf einem Heizstrahler oder eine giftige Mischung chemischer Putzmittel bieten genug Zeit, sich über alle Berge davonzumachen.

Die Verdammnis ist nah

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Nicht unbeteiligt an der Eigenart von That Demon Within ist Hauptdarsteller David Wu, der eben keinen sympathischen, fest in seinem Team verankerten Hüter des Gesetzes spielt, sondern einen einsamen, ordnungsbesessenen Sonderling, der seiner chaotischen Lebenswelt mit harten Ordnungsmaßnahmen Struktur verleiht. Nach außen hin gibt Wu die meiste Zeit einen emotionalen Gefrierschrank, dem zwar einige zärtliche Momente mit seiner Oma gegönnt werden, der sich ansonsten aber nur wenig als Sympathieträger eignet. Wie ein einziger, permanent angespannter Muskel stakst Wu durch den Film und darf den Wahnsinn, der in ihm brodelt, nur hin und wieder rauslassen. Wenn es aber so weit ist, brechen alle Dämme. Dann sammeln sich die Schweißperlen auf seiner Stirn, die Augen werden aufgerissen und die Ränder drumherum so schwarz, als hätte man den Somnambulen Cesare aus Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) vor sich.

Nachdem sich Lam mit The Viral Factor (2011) durchaus erfolgreich an einer protzigen Großproduktion versucht hat, die Teile ihres Budgets durch Reisekosten an sonnige Schauplätze im Ausland verpulvert, schlägt er sich diesmal wieder durch Hongkong. Dabei bilden jedoch mehr als der belebte Neondschungel diesmal Wälder, verwilderte Wohnblöcke und dunkle Seitengassen den Schauplatz für eine groteske Höllenfahrt. Passend zur Zwitterrolle der britischen Kronkolonie wirbelt Lam dabei buddhistische und christliche Elemente wild durcheinander, lässt seine Gangster Masken des mythologischen Dämonengotts tragen oder zeigt seinen Helden, wie er sich in seinem noir-mäßig ausgeleuchteten Zimmer den Rücken mit einem Gürtel blutig geißelt. Da ständig etwas in Flammen aufgeht, denkt man es sich schon: Der Ort der ewigen Verdammnis ist nah. Und tatsächlich, wenn Wong sich auf dem Weg seiner Erlösung befindet, beschwört Lam unter hochgepeitschten Synthie-Chorälen die CGI-Hölle auf Erden.

Trailer zu „That Demon Within“


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