Team America: World Police

Die South Park-Schöpfer Trey Parker und Matt Stone beziehen mit dem Puppenfilm Team America: World Police Stellung zu der amerikanischen Außenpolitik: Der Kampf gegen den globalen Terror und Hollywoods Friedensaktivisten sind nur zum Lachen... Ein satirischer Großangriff.

Team America: World Police

Das Team America wird immer dann gerufen, wenn irgendwo Menschen in Angst vor Terrorangriffen durch Muslime oder Kommunisten leben müssen. Doch auch wenn Amerikas Geheimwaffe nicht gerufen wird, greift sie ohne Rücksicht auf Verluste ein, um die Gefahr zu bannen. Die South Park-Schöpfer Trey Parker und Matt Stone parodieren gekonnt die aggressive amerikanische Außenpolitik und gehen dabei fern ab von political correctness an die Grenzen des Machbaren. Das neue Mitglied des Team America ist Broadway-Star Gary Johnston, dessen schauspielerisches Können ihnen helfen soll, ägyptische Terroristen auszuspionieren. Doch auch dieser Einsatz endet wieder in einem Blutbad. Neben dem Eiffelturm und dem Triumphbogen in Paris fallen jetzt auch die Pyramiden der kompromisslosen Vorgehensweise des Einsatzkommandos zum Opfer. Das hat zur Folge, dass sich Dokumentarfilmer Michael Moore und diverse Hollywood-Schauspieler wie Tim Robbins, Sean Penn und ihre Leitfigur Alec Baldwin (hier: „the greatest actor in the world“) mobilisieren. Diese engagieren sich für den koreanischen Diktator Kim Jong Il, den man der geheimen Entwicklung von Massenvernichtungswaffen verdächtigt...

Team America: World Police

Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Trey Parker, der gemeinsam mit Matt Stone auch wieder sämtliche Filmsongs komponierte und im Original der Hälfte der Figuren seine Stimme lieh, bedient sich diesmal keiner Zeichentrick-Figuren, sondern verwendet Marionetten, wie man sie aus der Augsburger Puppenkiste oder der britischen TV-Serie Thunderbirds aus den Sechziger Jahren kennt. Durch diese „Besetzung“ ist es dem Film möglich, eine gewisse Unschuld der Figuren zu suggerieren – wahrscheinlich auch, um sich ein wenig vor der Zensur schützen zu können. Die exzessiven Darstellungen von Sex und vor allem Gewalt und die Vorverurteilung ethnischer Gruppen befinden sich somit in einer Grauzone, in der sie auf diese Weise für den Film erst möglich sind. Beispielsweise erhält so die Tötung realer Personen die karikative Note, die es braucht, wenn UNO-Waffeninspekteur Hans Blix von Kim Jong Il hingerichtet wird.

Um diesem außergewöhnlichen Projekt auch den passenden optischen Rahmen zu geben, stellten die zwei Monty Python-Fans ein für einen Puppenfilm sehr ungewöhnliches Team zusammen. Die Figuren und die überraschend detaillierten Schauplätze im Maßstab 1:3 werden wie eine gigantische Jerry Bruckheimer-Produktion in Szene gesetzt. Kameramann Bill Pope (Matrix, 1999) fotografiert die rasanten Actionszenen, wie man es sonst nur aus den „großen“ Filmen des Genres kennt. Die Zerstörung der jeweiligen Sets in Form von übertriebenen Explosionen tragen die Handschrift von Spezialeffekt-Experte und Oscar-Preisträger Joe Viskocil (Independence Day, 1996), der hier zwar in anderen Relationen arbeiten musste, jedoch seinen hohen Standard maßstabgetreu hält. Auf diese Weise geschieht die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Amerika und vor allem der Bedeutung von Medien und den daraus entstandenen Machtträgern neben der inhaltlichen, auch auf der filmischen und formalen Ebene. Die Kopien der Hollywood-Schauspieler agieren in ihrem gewohnten Rahmen - einer großangelegten Produktion, die den Umfang eines neuen James Bond-Films hat -, in dem sie sich diesmal jedoch nicht selbst die Rollen auswählen konnten.

Team America: World Police

Trey Parker und Matt Stone bewiesen mit ihrer Sitcom That´s My Bush (Hier kommt Bush, 2001) und dem frühen Film Cannibal: The Musical (1995) ihre Liebe zum Extrem. Mit der vor allem aus South Park gewohnten, überzogenen Naivität nähern sie sich wieder einer ernsten und auch schwierigen Thematik, um sie mit dem schlimmst möglichen Ausgang einerseits humorvoll zu relativieren, aber auch gleichzeitig die Wichtigkeit zu verdeutlichen, sich mit ihr auseinander zu setzen. In Team America: World Police sind nahezu alle Muslime potentielle Terroristen, ebenso Kommunist Kim Jong Il. Die Amerikaner hingegen werden als aufgesetzte, gekünstelte Patrioten dargestellt. Dies spiegelt sich hier in den Kriegstreibern und auch in den Befürwortern der friedlichen Lösung in Form der selbstverliebten Schauspieler-Organisation „FAG“ wieder, die in den USA die Ursache von Terrorismus sieht.

Obwohl die martialische Außen- und Kriegspolitik der USA vorgeführt wird, sucht das Kreativ-Duo trotzdem nach Sympathieträgern in den gewollt überzeichneten Symbolfiguren Amerikas und nach Argumenten gegen die anhaltende Kritik gegenüber ihrer Mentalität: Terrorismus lässt sich nicht mit Lichterketten bekämpfen und wenn nicht die Amerikaner aus eigener Überzeugung die menschenverachtenden Terroristen mit ihren eigenen Waffen schlagen würden, wer dann?

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