TDR – The Devil’s Rejects

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Die Fortsetzung des Kultfilms Haus der 1000 Leichen (2003) erreicht zwar nicht die Qualität des Vorgängers, ist aber für Genrefreunde trotz einiger sehr unangenehmer Szenen durchaus empfehlenswert.

TDR – The Devil’s Rejects

Die derzeitige Renaissance des Splattergenres bringt neben vielen – oft überflüssigen – Remakes und Fortsetzungen auch die eine oder andere positive Überraschung. Die vielleicht größte war vor zwei Jahren Haus der 1000 Leichen (House of 1000 Corpses), das Regiedebüt des Punkmusikers Rob Zombie. Anfangs zwiespältig aufgenommen, entwickelte sich der comicartig überzeichnete Splatterstreifen bald zum Kultfilm. Zombie, seines Zeichens Frontmann der Punkband White Zombie, bediente sich in seinem Erstlingswerk zwar hauptsächlich im schier unerschöpflichen Zitatenschatz der amerikanischen Horrorfilmgeschichte. Doch stilistisch ging der Regisseur neue Wege, verwob Material aus alten Klassikern mit verwackelten Homevideos und stilisierten Reminiszenzen an die Vorbilder zu einem in vielerlei Hinsicht wirklich modernen Genrebeitrag, der die Konkurrenz, welche vor allem auf zielgruppenorientierten Hochglanzhorror setzte, alt aussehen ließ.

Die Fortsetzung begeht nicht den Fehler, die gleiche Geschichte noch einmal erzählen zu wollen. Der Regisseur verabschiedet sich vom klassischen „Backwood Slasher“, der vom blutigen Konflikt zwischen brutalen Hinterwäldlern und naiver Großstadtjugend geprägt ist und orientiert sich in seinem neuen Werk stärker an den wilden amerikanischen Western und Road Movies der späten 60er wie The Wild Bunch (1969) oder Bonny and Clyde (1967). Wie diese funktioniert auch TDR – The Devil’s Rejects zum großen Teil über das Zusammentreffen von rauer, urtümlicher Natur und noch raueren Menschen. Um die Wirkung der Originale zu erreichen, versetzt Zombie die Handlung in die 70er Jahre; TDR – The Devil’s Rejects schwelgt in dreckigem Hardrock und zelebriert die Koteletten seiner Protagonisten. Zumindest in ästhetischer Hinsicht ist der Film ein Fest für Nostalgiker.

TDR – The Devil’s Rejects

Zu Beginn stürmt die Polizei die Unterkunft der aus dem Vorgänger bekannten und gefürchteten Familie Firefly. Den Geschwistern Otis (Bill Moseley) und Baby (Robs Frau Sheri Moon Zombie) gelingt die Flucht. Gemeinsam mit ihrem Vater, dem psychopatischen Clown Captain Spoulding (Sid Haig), ziehen sie auf der Suche nach einer sicheren Unterkunft durch die amerikanischen Südstaaten und hinterlassen eine Spur der Verwüstung, verfolgt von Sheriff Wydell (William Forsythe), welcher aus persönlichen Gründen den Killer-Clan ausschalten möchte und dabei auf nichts und niemand Rücksicht nimmt.

Stilistisch geht der Regisseur weniger Risiken ein als in Haus der 1000 Leichen, seine technischen Ambitionen sind hier auf Spielereien mit Standbildern und ungewöhnlicher Kadrierung beschränkt. Dennoch behält er das Markenzeichen des Vorgängers, die immer wieder verblüffende Verbindungen herstellende Intertextualität, bei, diesmal verschlägt es den Film sogar in die Welt der Marx Brothers. Der deutlichste Unterschied zwischen beiden Werken liegt in den Gewaltszenen, die in TDR – The Devil’s Rejects um einiges graphischer ausfallen. Zombies zweiter Versuch richtet sich ausschließlich an Genrefreunde, alle anderen sollten um diesen Streifen, gegen den selbst wenig zimperliche Genrebeiträge wie Land of the Dead (2005) oder Saw (2004) harmlos aussehen, einen großen Bogen machen. Viele Sequenzen sind hart an der Grenze des Erträglichen, vor allem, weil der bitterböse Humor, welcher den Film von der ersten bis zur letzten Minute durchdringt, nicht auflockernd wirkt, sondern im Gegenteil zur oft offen bösartigen Atmosphäre beiträgt.

TDR – The Devil’s Rejects

Dass TDR - The Devil’s Rejects die Qualität des Vorgängers nicht erreicht, liegt neben der manchmal enttäuschend konventionellen Technik daran, dass Zombie das Konzept des ersten Films umkehrt. Wurden im ersten Teil naive Jugendliche der Mittelklasse bei ihrem touristischen Ausflug ins Herzen Amerikas vom Schrecken aus den Untiefen des eigenen Landes überrascht, ziehen diese Horrorkreaturen nun ihrerseits aus, Angst und Schrecken unter ihren Mitmenschen zu verbreiten. Diese Konzeption bietet leider vor allem in der ersten Hälfte des Films Anlass zu selbstzweckhaften Sadismen, die manchmal Erinnerungen wach werden lassen an den unschöneren Zweig des amerikanischen Horrorfilms, welcher in Streifen wie Friday the 13th (1980) sein transgressives Potential vor allem dazu benutzte, jugendlichem Rebellentum mittels reaktionärer Methoden auf den Leib zu rücken. Glücklicherweise entgeht TDR - The Devil’s Rejects dieser Gefahr im zweiten Teil des Films. Die Darstellung des Firefly-Clans oszilliert im weiteren Verlauf ständig zwischen dem absurden Familien-Idyll der Sawyers aus Texas Chainsaw Massacre (1974) und der blutdurchtränkten Outlaw-Romantik der Peckinpah-Werke, der anfangs heldenmütige Sheriff Wydell diskreditiert sich und seine Stellung im Laufe des Films immer mehr selbst. So zeigt er die Ambiguität der amerikanischen Mythenlandschaft auf, welche sowohl Serienkillern als auch rücksichtsloser Selbstjustiz feste Plätze zuweist. Auch wenn Zombie seine skurrilen Figuren oft etwas zu sehr liebt und das Werk deshalb manchmal den Charakter einer Nummernrevue der Perversitäten annimmt, ist TDR – The Devil’s Rejects ein Lichtblick im zunehmend einfallslosen Horrorgenre, gerade weil der Film die Taten seiner Protagonisten nie eindeutig einordnet und deren Beurteilung den Zuschauern überlässt.

Filmkritik von Lukas Foerster

Veröffentlicht am 25.10.2005

Kommentare zu TDR – The Devil’s Rejects

Coal 26.01.2006 14:03

Den Vorgänger hab ich nach ner halben Stunden ausgeschaltet und weggeschmissen...alles aus Angst vor Augenkrebs. Rob Zombie ist diesmal offenbar vom letzten LSD-Trip zurück auf der Erde gelandet. Auch bei TDR braucht man erstmal ne Weile um reinzukommen. Dann gehts aber ab die Post. In kaum einem zweiten Film tut man sich als Zuschauer so schwer, sich für eine Seite zu entscheiden. Genial werden auch die "guten" Seiten der Amok-Family herausgestellt und mit den "schlechten" Seiten des Cops an einander gerieben.
Das Ende ist auch verdammt genial, nicht zuletzt wegen dem sich ständig steigernden Soundtrack, der mit "Free Bird" seinen Höhepunkt findet.

Aylon 18.02.2006 15:16

Wie Coal schon sagte es ist echt mal eine inovation wenn man wärend man den film guckt ungewohnt festellen muss das es einem echt schwer fällt , wenn überhaupt eine "bezugsperson" zu finden bzw einen charakter mit dem man sich identifiziert was eigentlich immer "der gute" ist doch bei siesem film habe ich glaube ich keinen einzigen guten menschen sehen können (auser ein paar opfer und den verkrüppelten bruder den man nur ganz kurz zu gesicht bekommt)
Deswegen finde ich den film eigentlich recht gut...ich muss ihn keine zweites mal sehen aber er ist gut...Das ende habe ich mir aber mehrmals angesehen weil ich die szene in verbindung mit der musik (Lynyrd Skynyrd-Free Bird) sehr gemocht habe

Cash 27.03.2006 16:58

Ich fand den Film viel besser als Teil 1.Der Soundtrack ist einfach genial und die Sprüche sind sehr witzig.An manchen Stellen hat der Film sogar etwas von einer Komödie.

www.Frogbogdosenband.de 08.05.2006 16:08

Der Film ist für mich eine tolle Überraschung gewesen und ich muss wirklich ein ganz großes Lob an Rob Zombie aussprechen! Weiter so! ein genialer Film dem leider viel zu wenig aufmerksamkeit geschenkt wird!

So und jetzt kauft alle die dvd! Ihr werdet es nicht bereuen!!!!!! www.frogbogdosenband.de

Black Rock Queen 19.07.2006 08:13

Dieser Film ist ein "Leckerbissen", dieser schön schwarze und bitterböse Humor ist so genial an diesem Film. Ich hab zuerst den zweiten Teil gesehn und wollte danach unbedingt den 1. sehen.. naja finde das The Devils Reject einfach nur kultig ist und wer solche "Splatter" mag für den ist es einfach muss!!!
Besonders an Herz gewachsen ist mir Baby, ihre verspielte, süße Art halt das "Engelchen der Mother Firefly" das ist so gut und dann auch wieder die abgrundtief böse "Bitch".. Ich liebe diesen Film..

Und ich muss zugeben, ich dachte echt, das Rob es fertig bringt die "Bösen" des Films entkommen zu lassen.. War fast etwas traurig über das Ende...
Hoffe das die Infos stimmen und TDR 3 rauskommen soll.. der wird dann Pflicht zum gucken...

Also mein Fazit: Nette Famile zum "liebhaben und drücken"die Fireflys *muahahah

greetz

Black Rock Queen 19.07.2006 08:20

achja hat jmd für mich mal eine Liste der Soundtracks aus Haus der 1000 Leichen und The Devils reject?

Die Musik hätte ich echt mal gerne daheim, die ist nur geil!

Dann bitte die Liste an Svenja.Kolk@hhse.de senden
thx
*bites ;)

g 17.08.2006 23:07

der film is DER HAMMMER !!!!

haus der 1000 leichen ist auch der hammmmer


bin sehr süchtig nach den film ! ^^

The devil´s right Hand 19.10.2006 15:14

ob nun der house of thousand corpes oder the devil´s reject´s - keine frage, jeder der auf rob zombie und sein krankes hirn steht,muss diese filme gesehen haben, ich liebe sie genau wie die soundtracks dazu! noch mehr solcher filme und die welt wäre komplett geil!

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Film-Angaben

Titel: TDR – The Devil’s Rejects

Originaltitel: The Devil’s Rejects

USA, Deutschland 2005

Laufzeit: 109 Minuten

 

Regie: Rob Zombie

Drehbuch: Rob Zombie

Produktion: Mike Elliot, Andy Gould, Michael Ohoven, Marco Mehlitz, Rob Zombie

Darsteller: Sid Haig, Bill Moseley, Sheri Moon Zombie, William Forsythe, Leslie Easterbrook

 

Kinostart: 01.12.2005

 

DVD-Angaben

Titel: The Devil´s Rejects

Vertrieb: Sunfilm

Bild: 1,85:1, 16:9

Sprache(n): Deutsch (DD 6.1 EX, DTS 6.1 ES), Englisch (DD 6.1 EX)

Untertitel: Deutsch

Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe

Spieldauer: 106 Minuten

 

Extras: Originaltrailer deutsch & englisch; Audiokommentar von Regisseur Rob Zombie; Audiokommentar der Hauptdarsteller

 

Verleih ab: 10.03.2006

Verkauf ab: 07.04.2006

 

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Fotos: © Tiberius Film

 

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