Tal der Wölfe - Irak

Glaubt man den alarmierenden Pressestimmen und Politikeraussagen, läuft in vielen Deutschen Kinos derzeit ein radikal islamistischer Film, der eine Gefahr für den inneren Frieden der Republik darstelle. Ob Stoiber und Co damit wirklich Tal der Wölfe – Irak meinen?

Tal der Wölfe - Irak

Zumindest die Ausgangssituation basiert auf einem tatsächlichen Ereignis: Am 03.07.2003 nahmen amerikanische Soldaten im Nordirak türkische Soldaten und Militärbeamte fest, angeblich, weil diese planten, kurdische Einrichtungen anzugreifen. Was Teile der türkischen Öffentlichkeit besonders erzürnte, war die Tatsache, dass die Gefangenen mit über den Kopf gezogenen Stofftüten abgeführt wurden.

Tal der Wölfe – Irak (Kurtlar vadisi – Irak) erzählt auf Basis dieser Geschehnisse eine fiktive Geschichte. Einer der gedemütigten Soldaten schildert Polat Alemdar (Necati Şaşmaz), der früher Mitglied einer Eliteeinheit der Armee war, die Ereignisse, bevor er aus Scham Selbstmord begeht. Der Patriot Alemdar macht sich mit einigen Gesinnungsgenossen auf in den Irak und stellt sich dem amerikanischen Kommandant Sam William Marshall (Gary Busey), der mit rabiaten Mitteln gegen alle Iraker vorgeht.

Tal der Wölfe - Irak

Der Film basiert auf der Fernsehserie Kurtlar vadisi, die mit nationalistischen Untertönen die politischen Geschehnisse in der Türkei der letzten Jahrzehnte fiktionalisierte, überaus erfolgreich war und durch Cameoauftritte von Andy Garcia und Sharon Stone glänzte. Die Herkunft aus dem Fernsehen merkt man Tal der Wölfe – Irak deutlich an. Das Erzähltempo ist gemächlich, die Handlung wird vor allem durch extrem lange Dialogpassagen vorangetrieben. Die Inszenierung ist bis auf einige Farbspielereien äußerst konventionell, die Ausstattung bestenfalls auf B-Movie Niveau. In der Tat erinnert Serdar Akars Streifen, immerhin der teuerste türkische Film aller Zeiten, an die glorreichen Tage des amerikanischen Actionfilms in den Achtziger Jahren, als Sylvester Stallone, Chuck Norris und andere muskelbepackte Helden die Welt beziehungsweise die USA ein ums andere Mal vor Verrückten jeglicher Couleur retten mussten. Auch in Amerika werden weiterhin solche Filme produziert, allerdings verschwinden sie meist direkt in den Videotheken. Außerdem sind diese Werke üblicherweise um einiges rasanter geschnitten und deutlich kürzer, als der mit 122 Minuten viel zu lange Tal der Wölfe – Irak.

Im Grunde findet nicht viel mehr statt als eine Verschiebung: die Bösen der Rambo- und Missing in Action-Filme sind hier die Helden, die Amerikaner finden sich in der ungewohnten Schurkenrolle wieder. An der Diktion hat sich nicht viel geändert. Bushs Truppen bestehen aus tätowierten, Muscleshirt-tragenden Angebern, deren Grausamkeit sich bereits durch ihren Gesichtsausdruck erschließt. So bricht ein Hauptvorwurf, der gegen den Film erhoben wird, schon bei oberflächlicher Betrachtung in sich zusammen: Antiamerikanisch ist der Film nur in dem Maße, wie Rambo 2 – Der Auftrag (Rambo: First Blood Part 2, 1985) antivietnamesisch oder James Bond 007 jagt Dr. No (Dr. No, 1962) antijapanisch ist. Rassistische Stereotype sind im populären Kino seit jeher an der Tagesordnung.

Tal der Wölfe - Irak

Ideologisch ist Tal der Wölfe – Irak sicherlich oft fragwürdig. In Hinsicht auf die Darstellung der amerikanischen Truppen allerdings kann man dem Film nicht viel vorwerfen. In einem Land, das Fahrenheit 9/11 (2004) als Abrechnung mit der Bush-Administration feiert, sollte ein Film, der zwar ebenso platt argumentiert wie Michael Moores Kampfdokumentation, jedoch immerhin nicht den Anspruch erhebt, historisch korrekte Aussagen zu treffen, eigentlich auf breite Gegenliebe stoßen. Die diesbezüglichen Angriffe weiter Teile der Öffentlichkeit wirken deshalb extrem scheinheilig und verweisen auf die unausgesprochene Forderung, die Deutungshoheit über die Zeitgeschichte in europäischen und amerikanischen Händen zu belassen. Und an den Bildern von Folterungen in den Kriegsgefangenenlagern kann angesichts aktueller Pressemeldungen tatsächlich niemand mehr etwas aussetzen.

Etwas berechtigter erscheint der Vorwurf des Antisemitismus. In einer Nebenhandlung wird erzählt, wie ein jüdischer Arzt (Gary Busey) Organe von gefangenen Terrorismusverdächtigen entnimmt und ans Ausland, vorrangig an Israel verkauft. Diese Episode nimmt zwar nicht allzu viel Platz im gesamten Film ein, wird jedoch durch den Rest der Handlung in keiner Weise gerechtfertigt und nie relativiert. Dennoch lässt sich auch in diesen Szenen aus dem Film kein Aufruf zum Kampf der Kulturen extrahieren. Trotz einiger dezidiert antiwestlicher Anklänge vertritt Tal der Wölfe – Irak nie radikalislamische Positionen. So verurteilt der religiöse Beistand der türkischen Kämpfer Abdurrahman Halis Kerkuki (Ghassan Massoud) Selbstmordanschläge und verhindert die Hinrichtung eines entführten Journalisten. Problematischer erscheinen die Positionen des Films zur Kurdenfrage. Hier bleibt der Film dem nationalistischen Grundton der Fernsehserie treu, die Forderungen der kurdischen Bevölkerung werden deutlich in kausalen Zusammenhang mit amerikanischem Imperialismus dargestellt. Wenn Tal der Wölfe – Irak ein Propagandafilm ist, dann nur insoweit, wie er recht deutlich nationalistische Positionen in innertürkischen Fragen einnimmt.

Die aktuellen Diskussionen um den Streifen in Deutschland jedoch scheinen eindeutig in völliger Unkenntnis des Filmes entstanden zu sein. Anders ist nicht zu erklären, dass ein ausgesprochen uneffektives – und im Vergleich mit anderen aktuellen Filmen auch in Sachen Gewaltdarstellung sehr zurückhaltendes – B-Movie, zum Feuilletonthema werden konnte und von Politikern verschiedenster Parteien zur Gefahr für das zivilisierte Abendland hochstilisiert wird.

 

Kommentare


KaraoglanBozkurt

Peter ich bin überrascht und finde deine Kritik relativ neutral im Gegansatz zu Artikeln vom Spiegel oder zu Aussagen von intoleranten, kulturel-sozialistischen Politikern im Bezug auf diesen Anti-Kriegs-Film.
Anschauen! Eigene Meinung bilden!


Wolf

Wer ist Peter?


king-ibo (Polat Alemdar)

Alsooo....
Ich würde saagen
TAL der WÖLFE IRAK (Kurtlar Vadisi Irak)erzählt von Wahrheiten und ist ein Antwort für die Muhammed(A.S.)-Karikaturen. Wenn man bei diesen Karikaturen sagt, dass es ein "Pressefreiheit" gibt, müsste es eigentlich auch bei "Tal der Wölfe Irak" eine geben. by Ibrahim A.


Mesut

ich stimme zu ibrahim wenn es so eine Pressefreiheit gibt ist dieses film ein antwort auf die Muhammed(S.A) karikaturen!!!PIS AMERIKALILAR


Alexander von Loviaguin /Budapest

Ich finde es nicht gerechtfertigt, daß diese Film
Tal der Wölfe/Irak bei uns nicht gespielt wird. Für unsere jugendlichen -die Tag und Nacht nur a blöde Rambo-filme anklemmen - wäre diese
Film ein gute Lehrstück was bedeutet wenn ein Regime eine andere angreift und glaubt Gerechtigkeit damit in das angegriffene Land einzuführen wo mit gefälschte Argumente und skrupelloses Machtgefühl eindrängt.
Ich arbeitzete in Bagdad wäghrend ders Irak-Irankriges und habe gesehen mit welche Rüstungsmtertial damals die Gringos die Irakis gegen Iran geholfen haben.
Grausamkeit bringt nur Grausamkeit. Na ja, Wie manns nimmt;Die Gringos haben das Öl von Irak gratis, solange sie noch da sind!Aber hoffentlich
nocht lange!


mcs

(szene im hotel) ... an den restlichen zwei pfeilern haben wir keine sprengsätze angebracht..aus humanitären gründen ...
muhaha


Wolfsblut

Ich den Film 2mal angeschaut und würde noch einmal ansehen.
Der Film ist nicht gross zu unterscheiden zwischen Realität und FILM eben.Ich hatte sogar die Szene wo die Amis bei einer Hochzeitsfeier das Kind und dann die anderen erschossen haben alles miterlebt .Wie ich sagte REAL.


Walter bornholdt

Ein Film der Emotionen schürt, berechtigt, und der auch durch die Arbeit des Sheikh die Dinge immer wieder klar stellt. Aber die Amis sind nun mal die Bösen und in Deren Filmen sind das immer die Anderen. Ich habe den Film im Januar gleich mehrfach gekauft. Auch zum Weitergeben!


Denizaltici

Herr peter förster ich beglückwünsche sie zu ihrer bildung,ihr kritik ist gerecht neutral,parteilos,und beispiellos.Jeder szenen dieser filme kann man die realen runterladen,und wer meint das man die amerikanischen soldaten wie rambos dargestellt hat,da sag ich nur :black water "security unternehmen"es ist fast ein doku mit handlung.


Algäuer

Hallo es ist doch nur ein Film!! Warum diese Aufregung überhaubt? Was mich inter. ist das man dieses Film auf gewissen seiten leider nicht anschauen kann. Seltsam ist das nur dieses Film nicht Läuft wobei alle andere Filme ohne Probleme laufen. Wollen hier einige Personen alles drauf setzen das es vergessen wird. mfg


Snickerman

Ich bin entsetzt.
Weniger über den Film-
Belangloser Propagandaschrott halt, Müll bleibt Müll, auch wenn er mal "andersrum" gezeigt wird, Stereotypen sind eh langweilig.

Aber was hier an Kommentaren losgelassen wird, ist unterste Schublade, dass da die deutsche Sprache eine kaum beherrschte Fremdsprache ist, ist dabei noch das wenigste.
Aber diese antiamerikanische Hetze und diese dreisten Lügen... nein, ich habe keine Angst vor dem Film, aber vor diesen viertelinformierten Zuschauern, die das ganze für einen Doku-Streifen halten, da fürchte ich mich allerdings!

Und manche Kommentare gehören gelöscht.






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