Taffe Mädels

Sandra Bullock und Melissa McCarthy schießen dem Patriarchat in die Eier.

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Wenn zwei Polizisten mit den Gefühlen eines Verdächtigen spielen, der eine etwas Zuckerbrot reicht und der andere darauf die Peitsche knallen lässt, nennt man das good cop/bad cop: eine erprobte Verhörmethode, deren Name längst zum geflügelten Wort geworden ist. Die Polizeikomödie Taffe Mädels (The Heat) handelt von zwei Frauen, die diese Rollen nicht nur kurzfristig einnehmen, sondern zur Lebensphilosophie machen. Auf der einen Seite haben wir es mit der linientreuen und überkorrekten FBI-Agentin Ashburn (Sandra Bullock) zu tun, auf der anderen mit der zutiefst unkorrekten Straßenpolizistin Mullins (Melissa McCarthy), bei der nicht nur das Mundwerk, sondern auch die Fäuste locker sitzen. Als sich die beiden miteinander arrangieren müssen, um einen Drogenbaron zu schnappen, ist das Kräftemessen schnell entschieden. Bevor das Verhör überhaupt losgeht, bekommt der Befragte ein Telefonbuch in die Fresse. Das Sympathische an Taffe Mädels ist, dass er sich nicht mit dem aufhält, was in der Realität akzeptabel ist, sondern sich ganz auf die Seite des bad cops schlägt. Diese Entscheidung folgt einer einfachen Logik, die leider von zu wenigen Komödien in dieser Konsequenz umgesetzt wird: Sich an die Regeln zu halten ist nicht lustig, sie zu brechen dagegen schon.

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Mit seinem letzten Film Brautalarm (Bridesmaids, 2011); hat Paul Feig offiziell eine neue Ära in der Hollywoodkomödie eingeleitet. Plötzlich hatten auch Frauen ein Recht darauf, sich eklig und vulgär zu benehmen. Auch wenn bei all der Freude an diesem überfälligen Tabubruch klar war, dass der Film nicht ganz so aufgeklärt war, wie er verkauft wurde. Denn die, die sich richtig danebenbenehmen durfte, war eben auch die Einzige in der Brautjungfern-Clique, die keinem herkömmlichen Schönheitsideal entsprach. Und was bringt die Freiheit, in ein Waschbecken zu kacken, wenn man letztlich doch wieder nur von denselben stereotypen Liebesgeschichten gefesselt wird?

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Diesmal hat Feig keine Romantic Comedy gedreht, sondern eine Komödie, die mit Elementen des Polizeifilms angereichert ist. Die Hinwendung zum ansonsten männlich dominiertem Genrekino tut dem Film gut. Für die Protagonistinnen bedeutet das nämlich, vom Drehbuch nicht auf Teufel komm raus unter die Haube gebracht zu werden. Genau genommen kommen die beiden mit ihrem Umfeld auf Kriegsfuß stehenden Anti-Heldinnen erst gar nicht in Versuchung. Da gibt es schon mal einen schüchternen Flirt mit dem Untergebenen, die meiste Zeit wird das Frauen permanent unterstellte Bedürfnis nach klischeehafter Romantik aber links liegen gelassen. Die Mädels nehmen sich einfach die Privilegien der Männer heraus: die Unabhängigkeit etwa und die Befreiung vom Diktat der Schönheit. So trifft gerade nicht die gertenschlanke Ashburn, sondern die dicke und ungepflegte Mullins immer wieder auf Verehrer, die sie dann rüde mit genau jenen Sprüchen abspeist, die sonst nur emotional erhabene Männer zu ihren doof verliebten Frauchen sagen.

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Im Vergleich zu seinem Vorgänger wirkt Taffe Mädels insgesamt runder und auch noch ein wenig gelungener. Nicht nur, weil er seinen Figuren mehr zutraut, sondern auch, weil er unheimlich lustig ist, und das über die nicht unproblematische Laufzeit von zwei Stunden. Der Genreplot ist angemessen dünn, um gebührend Raum für das komische Talent von Bullock und, mehr noch, McCarthy zu lassen. Wenn man den Humor auf einen gemeinsamen Nenner bringen müsste, dann wäre es die unflätige Beleidigung, die der Film auf vielfältige Arten kultiviert. Mullins disst alles und jeden, der ihr in die Quere kommt. Sobald sie den Mund aufmacht, bricht eine Suada an Obszönitäten hervor, bei der jeder Satz wie ein gut platzierter Faustschlag sitzt. Die ewige Figur der Dreckschleuder könnte McCarthy bei ihrer zukünftigen Rollenwahl einmal zum Verhängnis werden. Momentan gibt es aber nur wenige Komiker, die es, so wie sie, schaffen, die verbale Entgleisung zur Kunstform zu erheben.

Trailer zu „Taffe Mädels“


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Kommentare


Judith Basad

Im letzten Abschnitt: KomikerIN, bitte! Wenn es schon, um die emanzipierte Darstellung von Frauen geht.


Frédéric

Gemeint ist, dass sie in dem Bereich zu den besten gehört - und zwar aller Geschlechter. Daher die männliche Form.






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