Surrogates - Mein Zweites Ich

Kaum noch Kriminalität, und Sex ist so sicher wie virtuell. Unter ihrer glatten Oberfläche hat die Idealwelt in Jonathan Mostows Surrogates einige Risse.

Surrogates

Das sind selbst für einen Actionfilm unheimliche Szenen: Ein Auto rast entfesselt durch die Straßen, reißt menschliche Körper mit sich, Metall verformt sich, Leiber werden zerdrückt. Und die Passanten reagieren kaum, blicken allenfalls mit leerem Gesichtsausdruck der Verwüstung hinterher.

Es fließt aber auch kein Blut, wenn doch, so ist es grün. In der Welt von Surrogates – Mein zweites Ich (Surrogates) ist die reale, physische Welt virtuell geworden. Die Menschen bleiben daheim in bequemen Liegesesseln und steuern über direkt in Funksignale umgesetzte Gehirnwellen einen künstlichen Körper aus der Ferne. Die frühen Heilsversprechungen der Propheten virtueller Realität werden so alltägliche Praxis: Gelähmte können mittels ihrer „Surries“ wieder laufen, und der schnelle Sex in der Seitengasse wird nicht nur möglich, sondern auch folgenlos und sicher.

Surrogates

Die gesellschaftlichen Folgen, die die Erfindung solcher robotischer Ersatzkörper haben kann, deutet zunächst der im Stil eines halbdokumentarischen Werbefilms gehaltene Vorspann an: Jünger und schöner auszusehen ist kein Problem, und auch Diskriminierungen haben sich angeblich schnell erledigt, wenn man nicht mehr weiß, ob sich hinter der jungen weißen Schönheit nicht womöglich der reale Körper eines älteren Herren verbirgt.

Man könnte nun bedauernd feststellen, dass John D. Brancato und Michael Ferris in ihrem Drehbuch nicht mehr aus dem Stoff gemacht haben, denn in der Tat böte die Rahmenhandlung genug Material, um daraus etwa eine hochinteressante, thematisch ausfransende Fernsehserie zu stricken. Die beiden Autoren bleiben allerdings nahe an der Comicvorlage von Robert Venditti und Brett Wedele, haben diese an vielen und meist den richtigen Stellen gestrafft, zurechtgezurrt und leicht verändert, um daraus einen gut funktionierenden, aber eben aus der Masse keineswegs hervorstechenden Actionkrimi zu machen.

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Nach dem Vorspann beginnt es deshalb genregerecht mit einem Mord: Ein Mann tötet ein knutschendes Pärchen; bei dem Überfall werden aber durch den Einsatz einer speziellen Waffe nicht nur die beiden Surrogates zerstört, sondern auch deren Besitzer gewissermaßen ferngesteuert umgebracht. Das dürfte technisch eigentlich nicht möglich sein, und so machen sich die FBI-Agenten Greer (Bruce Willis) und Peters (Radha Mitchell) mit großer Eile auf die Suche nach dem Täter und seiner Waffe.

Regisseur Jonathan Mostow widersteht der Versuchung, den Schwerpunkt seiner Inszenierung auf Actionszenen zu legen, auch wenn er reichlich Gelegenheit dazu hätte, wieder, wie in seinem letzten Kinofilm, Terminator 3 – Rebellion der Maschinen (Terminator 3: Rise of the Machines, 2003), Maschinenmenschen mit Wucht aufeinanderprallen zu lassen. Statt in Form von Arnold Schwarzenegger und Kristanna Loken kämen sie diesmal in digital verjüngter Gestalt von Willis, Mitchell und ihren diversen Antagonisten daher.

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Aber Szenen wie die eingangs beschriebene bleiben eher die Ausnahme; die Handlung konzentriert sich auf das Whodunnit. Für dessen Auflösung kann der Film allerdings leider nur wenig Interesse wecken, dafür bleiben die einzelnen Figuren zu stereotyp und die Brisanz der Ermittlungen bis kurz vor Schluss zu vage.

Mostow bemüht sich, die erzählerische Grundprämisse von Surrogates in einen gesellschaftlichen Kontext zu bringen, und nimmt sich deshalb insbesondere für eine Nebenhandlung um Greers Frau Maggie (Rosamund Pike), die ihr Zimmer schon seit langem nur noch virtuell verlassen hat, viel Zeit. Gerade im Vergleich zum Comic ist dieser Aspekt deutlich besser in die Rahmenhandlung integriert und dynamischer erzählt.

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Hingegen wirken Greers Orientierungsschwierigkeiten und Erfahrungen, als er seine Ermittlungen ohne seinen Surrogate fortsetzt, nie vollkommen überzeugend. Das ist nicht so sehr ein Problem des Darstellers, obgleich Willis hier hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und allzu reserviert spielt, sondern eher der Inszenierung. Es bleibt allein der Eindruck, dass Greer von der Vielzahl an Sinneseindrücken überfordert sei – die Motivation für manche seiner Handlungen im letzten Drittel des Films wird damit aber nie schlüssig.

Das Potenzial des Films, das immer wieder in einzelnen Szenen hervorblitzt, aber nie genutzt wird, ist so sein eigentliches Problem. Sei es Kritik an kapitalistischen Vermarktungsmechanismen oder an den Möglichkeiten des Überwachungsstaates: Mehr Komplexität hätte dem Film vor allem deshalb gut getan, weil man mit den Sorgen und Zweifeln einer komplexer denkenden Hauptfigur auch vielschichtiger mitfiebern könnte.

Trailer zu „Surrogates - Mein Zweites Ich“


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Kommentare


unit_zero

Bruce Willis Fans werden auf ihre Kosten kommen.
Warum werden in letzter Zeit so viele Filme gedreht wo man andere Steuert.

Avatar: Mensch steuert Alien
Surrogates: Mensch steuert Roboter
Gamer: Mensch steuert Mensch






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