Superhero Movie
Nach Katastrophen-, Horror- und Agentenfilm gerät nun auch das Superhelden-Genre in die Finger von David Zucker. Die von dem Comedy-Veteranen produzierte Parodie setzt wie immer auf derbe Zoten und brachiale Anspielungen.
Z-A-Z. Diese drei Buchstaben haben seit mittlerweile drei Jahrzehnten unzählige Lachkrämpfe und Zwerchfellattacken zu verantworten. Das Komödien-Trio Jerry Zucker, Jim Abrahams und David Zucker ist so etwas wie die pubertäre Antwort der USA auf Monty Python. Bei Klassikern wie Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (Airplane!, 1980), Die nackte Kanone (The Naked Gun, 1988) und der Sketch-Parade Kentucky Fried Movie (The Kentucky Fried Movie, 1977) hatten die drei immer auf die eine oder andere Art ihre Finger im Spiel. In ihren Filmen war nie Platz für Subtilität oder gar leise Ironie. Z-A-Z arbeiteten stets mit dem Holzhammer, und das – zumindest gemessen an den Einspielergebnissen – sehr erfolgreich.
In den letzten Jahren trennten sich die Wege der Comedy-Rüpel. Während Jerry 2001 Rat Race drehte, inszenierte sein Bruder David Teil 3 und 4 der populären Scary Movie-Reihe (2003 und 2006), für die er sich neben Jim Abrahams unter anderem Craig Mazin als Co-Autor ins Team holte. Zusammen mit Mazin entwickelte Zucker die Idee zu Superhero Movie, einer Spoof-Komödie, die als Parodie auf die Superhelden-Filme von Marvel und DC funktionieren soll. Vor allem Spider-Man alias Peter Parker bekommt darin sein Fett weg.
Wie dieser ist nämlich auch Rick Riker (Drake Bell) im wahren Leben ein bemitleidenswerter Versager. Erst als ihn eine genmanipulierte Libelle sticht und er sich daraufhin in Dragonfly verwandelt – ein Superheld in grünem Strampelanzug und zwei Antennen auf dem Kopf –, mutiert Rick zum selbstbewussten jungen Mann. Sogar die hübsche Jill Johnson (Sara Paxton), der Prototyp des All American Girl, interessiert sich plötzlich für ihn. Doch was wäre Spider-Man ohne Doc Ock, Batman ohne den Joker und die Fantastic Four ohne den Silver Surfer? Dragonflys Gegenspieler nennt sich „The Hourglass“ (Christopher McDonald). Hinter der martialischen Maskerade verbirgt sich der Onkel von Ricks Nebenbuhler Lance (Ryan Hansen), selbstredend ein irrer Wissenschaftler, dessen Wahnsinn vor nichts und niemandem Halt macht.
Spoofs, also Parodien beliebter Genres, gehören zu den Konstanten in David Zuckers Arbeit als Filmschaffender. Das fängt an bei Die nackte Kanone, einer liebevollen Hommage an den Polizeikrimi alter Schule, geht weiter mit Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, der die Katastrophenfilme der Siebziger aufs Korn nimmt, und endet bei der Scary Movie-Reihe, die das Kunststück vollbrachte, mit Scream (1996) einen Horrorfilm zu persiflieren, der schon seinerseits als Parodie gedacht war. Obwohl die Originale dabei genüsslich durch den Kakao gezogen werden, lassen die Macher an ihrer Liebe zu ihnen nie einen Zweifel aufkommen.
Auch in Superhero Movie ist dieses Gefühl omnipräsent. Wer derart akribisch ganze Szenenfolgen aus Spider-Man übernimmt, nur um sie dann in derben Zoten und purer Anarchie auflösen zu können, dem muss Peter Parkers Geschichte eine Menge bedeuten. Dazu baute Regisseur und Autor Mazin auch kleine Abstecher in die Welt der X-Men und Fantastic Four ein. In einer Rückblende, die ein traumatisches Ereignis aus Ricks Kindheit zeigt, karikiert der Film zudem sehr explizit Christopher Nolans Batman Begins (2005).
Superhero Movie ist das Paradebeispiel eines Films, an dem die Kritik kaum ein gutes Haar lassen wird, der aber sein Zielpublikum dennoch zufrieden stellen dürfte, weil er genau das liefert, was man von ihm erwartet: Schmerzfreier Slapstick, zahlreiche Anspielungen und Fäkalhumor in Spielfilmlänge. Jede zweite Pointe zielt unter die Gürtellinie, wobei Zucker-Veteran Leslie Nielsen für die meisten der sexuell konnotierten Gags zuständig ist. Hier wird auf nichts und niemand Rücksicht genommen. Selbst über Behinderte – in Person des streitbaren Physik-Genies Stephen Hawking (Robert Joy) – oder den Dalai Lama darf ausgiebig gelacht werden. Genau für diese konsequente Abkehr vom guten Geschmack werden Zuckers Filme wahlweise geliebt oder gehasst.
Filmkritik von Marcus Wessel
Veröffentlicht am 18.06.2008
Kommentare zu Superhero Movie
Bruce Lee 03.09.2009 21:19
Dieser Film ist genau so verblödet wie Scary Movie 4. Klar Story hört sich witzig an und der Trailer tuts auch. Aber wenn mann sich den Film anschaut fragt mann sich wann ist er endlich vorbei. In diesen Film fliegen oder laufen die leute einamal zu oft gegen die wand. Und die darsteller versuchen Aufgezwungen Witzig zu wirken. Wieviele von diesen Schlechten durch den kakao gezogenen Filmen müssen noch raus kommen.
Ein grossen Bogen um diesen Film machen oder guckt in euch an und bildet eure eigene Meinung
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Superhero Movie. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Superhero Movie
USA 2008
Laufzeit: 86 Minuten
Regie: Craig Mazin
Drehbuch: Craig Mazin
Produktion: David Zucker, Craig Mazin, Robert K. Weiss
Bildgestaltung: Thomas E. Ackerman
Montage: Craig Herring
Musik: James L. Venable
Darsteller: Drake Bell, Sara Paxton, Leslie Nielsen, Christopher McDonald, Kevin Hart
Kinostart: 24.07.2008
DVD-Angaben
Titel: Superhero Movie
Vertrieb: Senator
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 83 Minuten
Extras: Alternatives Ende, Interviews, Deleted Scenes, The Art of Spoofing, Kinotrailer
Verleih ab: 17.12.2008
Verkauf ab: 12.01.2009
Copyright Superhero Movie
Fotos: © Senator
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - schon jetzt mit Trailern und Vorab-Infos zu den Filmen! www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Aktuelle Filme
The Firm
R: Alan Clarke
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
Boardwalk Empire
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Neu im Kino
02.02.2012
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Moneyball
R: Bennett Miller
26.01.2012
Michael
R: Markus Schleinzer
26.01.2012
Ein riskanter Plan
R: Asger Leth
Arirang - Bekenntnisse eines Filmemachers
R: Kim Ki-duk
The Artist
R: Michel Hazanavicius
Drive
R: Nicolas Winding Refn
Demnächst im Kino
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Aktuell im TV
Motel
Mi 08.02, 22:10 Uhr, Kabel Eins
Waltz with Bashir
Nacht von Mi auf Do, 08.02-09.02., 02:00 Uhr, arte
Berlin is in Germany
Do 09.02, 20:45 Uhr, kultur (ZDF digital)
Metropolis - restaurierte Fassung
Do 09.02, 21:00 Uhr, 3sat
Spur der Steine
Fr 10.02, 22:25 Uhr, 3sat

















1 Kommentar