Superbad

Männliche Teenager auf der Suche nach Sex. Superbad gelingt das Kunststück, diesem scheinbar zu Tode gefilmten Thema zumindest stellenweise neue Aspekte zu entlocken.

Superbad

Wenige Bereiche des amerikanischen Alltagslebens sind so sehr Teil eines globalisierten Zeichenuniversums geworden wie die Highschool. Unzählige Filme und Fernsehserien behandeln – im Grunde bereits seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, doch mir besonderer Häufigkeit in den letzten vier Jahrzehnten, seit die Kulturindustrie die Jugendlichen als eine ihrer Hauptzielgruppen erschlossen hat – die Eigenheiten des amerikanischen Schulsystems, sowie die sie umgebenden soziologischen Sphären. Wer mit der Welt der Proms und deren Schönheitsköniginnen aufgewachsen ist und in zahllosen Varianten den Kampf der Nerds gegen die Sportler verfolgt hat, der mag leicht dem Glauben verfallen, er wisse – auch wenn er niemals auch nur einen Fuß in die USA gesetzt hat – über die Highschool besser Bescheid als sogar über die heimischen Gymnasien, Haupt- und Realschulen.

Doch diese scheinbar grenzenlose Verfügbarkeit der Bilder und zu Klischees geronnenen Vorstellungen, die sich mit der Highschool verbinden, wird inzwischen ausgerechnet der Filmform zum Problem, welches dieselben am beharrlichsten in die Welt gesetzt hat: Der amerikanischen Teenie-Komödie. Denn dieser fällt es heutzutage alles andere als leicht, im amerikanischen Schulsystem etwas anderes zu finden als Zitate und Klischees aus anderen Teenie-Komödien. Da bedarf es schon einem so radikal absonderlichen Film wie Napoleon Dynamite (2004), um dem zwischen pubertärem Gross-Out Humor und verkitschten Mädchenfantasien gefangenen Genre neues Leben einzuhauchen.

Auch der in den USA ungemein erfolgreiche Superbad weißt einen gewissen Abstand zu American Pie (1999) und Konsorten auf, auch wenn diese Differenz weitaus geringer ausfällt als im Falle von Napoleon Dynamite. Auf den ersten Blick gehorcht der Film den Regeln des Genres fast in vollem Umfang.

Superbad

 Die Protagonisten des Films Seth (Jonah Hill), Evan (Michael Cera) und Fogell (Christopher Mintz-Plasse) sind Highschool-Loser durch und durch, von Fogells Metallica-T-Shirt bis zu jämmerlichen Flirtversuchen und peinlichen Alkoholexzessen. Das Leben der drei dreht sich – auch dies nichts Neues im Teenie-Genre – ausschließlich um Sex. Bereits der erste Dialog des Films handelt von Seths favorisierter pornografischer Website und bis hinein in den Abspann macht der Film klar, was seiner Meinung nach im Kopf zumindest der männlichen Schüler hauptsächlich vor sich geht. Genauer gesagt geht es in Superbad jedoch meistens um den Sex der Anderen. Und um den Sex, den man selber nicht hat, aber haben möchte. Als Seth von der Highschoolqueen Jules auf eine Party eingeladen wird und ihm eine nicht näher definierte Gegenleistung für eine Alkohollieferung versprochen wird, scheint Geschlechtsverkehr doch noch in den Bereich des Möglichen zu rücken. Denn Fogell ist im Besitz eines gefälschten Ausweises. Diesem zufolge ist er 25 Jahre alt und hört auf den Namen McLovin.

Superbad ist ein Produkt der derzeit extrem produktiven Apatow-Connection. Der Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Judd Apatow war in unterschiedlichen Funktionen für einige der besten amerikanischen Komödien der letzten Jahre zuständig. Die Inszenierung überließ er in diesem Fall Greg Mottola, welcher bereits an der von ihm produzierten Fernsehserie American Campus – Reif für die Uni? (Undeclared, 2001 – 2002) mitarbeitete. Auch zahlreiche andere Beteiligte sind alte Bekannte. Seth Rogen, unlängst in der Hauptrolle des vorzüglichen Beim ersten Mal  (Knocked Up, 2006) zu sehen, ist Co-Autor des Drehbuchs sowie in einer Nebenrolle als äußerst unkonventioneller Polizist zu bewundern und Hauptdarsteller Jonah Hill gehört seit Jahren zu den Apatow-Regulars.

Ein so gut eingespieltes Team ist jedoch auch in der Lage, Neuzugänge perfekt zu integrieren. Michael Cera war bislang vor allem als überangepasster Mustersohn George Michael in der großartigen, hierzulande leider immer noch nicht ausgestrahlten Comedyserie Arrested Development (2003 - 2006) bekannt und schließt in Superbad in mancher Hinsicht an diese Figur an. Und Christopher Mintz-Plasse ist in seiner ersten Filmrolle überhaupt eine der großen Entdeckungen des bisherigen Kinojahres. Die Besetzung stimmt und ebenso das gesamte Produktionsdesign. Eine besondere Erwähnung verdient der Soundtrack, der von stimmungsvollem Seventies-Soul getragen wird.

Superbad

 Wie alle Apatow-Filme zeichnet sich Superbad nicht nur durch die Liebe zum Detail, sondern auch durch ein besonderes Verhältnis zu seinen Figuren aus. Auch Mottola begnügt sich nicht damit, Seth, Evan und Fogell als Nerd-Abziehbilder lächerlich zu machen, sondern nimmt sie mit all ihren Schwächen ernst. Die Figuren in Superbad behalten stets ihre Würde, in ihren wenigen souveränen Momenten ebenso wie in den vielen peinlichen. Sogar Fogell, ein Außenseiter selbst unter Außenseitern, darf sich unter tätiger Mithilfe eines Polizistengespanns von seiner Rolle als Übernerd ein wenig emanzipieren.

Wenn Superbad doch nicht ganz so gelungen ist wie Beim ersten Mal oder Jungfrau (40), männlich, sucht (The 40 Year Old Virgin, 2004), dann deshalb, weil Mottola den Klischees und vor allem den Erzählkonventionen des Genres manchmal noch etwas zuviel Tribut zollt. So bleiben die Frauenfiguren, wie so oft in Teeniefilmen, entsetzlich blass und auch die Beziehungen zwischen den drei Hauptfiguren verlaufen lange Zeit nach sattsam bekannten Mustern. Doch auch in dieser Hinsicht hat der Film noch einen Trumpf in der Hinterhand. Im letzten Filmabschnitt deutet Superbad eine Liebesgeschichte der besonderen Art an, die sich in einem großartigen Blickwechsel zwischen Evan und Seth auf einer Rolltreppe manifestiert. Nicht nur diese Szene macht deutlich, dass noch lange nicht alle Geschichten aus dem Highschoolleben erzählt sind.

Trailer zu „Superbad“


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