Sugar – Kritik

Sugar erzählt von Cliff, der an seinem achtzehnten Geburtstag auf den Stricher Butch trifft, von dem er sofort fasziniert ist. Mit leichter Hand inszeniert John Palmer fast nebensächlich das Erwachsenwerden eines jungen Mannes im Strichermilieu, schafft es dabei aber nicht die anfängliche Stärke seines Films bis zum Ende durchzuhalten.

Sugar

Sugar hält sich nicht lange mit Einführungen und Erklärungen auf und zieht den Zuschauer genauso schnell und faszinierend in die Welt der Stricherszene wie Cliff (Andre Noble), seinen Protagonisten. Der versucht an seinem achtzehnten Geburtstag erste sexuelle Erfahrungen zu machen und lernt dabei Butch (Brendan Fehr) kennen, von dem er sofort angezogen ist. Mit Handkamera und schnell geschnittenen Bildern zeigt uns Regisseur John Palmer - Sugar ist dreißig Jahre nach seinem Spielfilmdebüt Me erst sein zweites Werk - ein Milieu, dem er einen ungewohnten Glamour verleiht, dabei aber trotzdem versucht die brutale Unmittelbarkeit der Straße zu vermitteln. Cliffs bürgerlicher Alltagswelt mit seiner alleinerziehenden Mutter und der frühreifen Schwester setzt Palmer eine nächtliche Traumwelt entgegen, die hauptsächlich durch den exzessiven Gebrauch diverser Rauschmittel entsteht und sexuelle Ausschweifungen beinhaltet. Die anfängliche Euphorie und Faszination Cliffs für die selbstbewussten und schönen Stricher im geheimnisvollen Reich der Nacht wird aber schnell durch die ernüchternde Realität verdrängt, in der sich der Angebetete als egoistischer Junkie entpuppt.

Sugar

Für die Vorlage des Films wurden mehrere Kurzgeschichten des kanadischen Filmemachers Bruce LaBruce verwendet, dessen letzter Spielfilm, der RAF-Porno The Rasperry Reich 2004 auf der Berlinale und anschließend im Kino lief. LaBruce, so etwas wie eine Ikone des schwulen Undergrounds, gab in den achtziger Jahren das Magazin J.D. heraus, das sich besonders durch seine punkige Ästhetik auszeichnete und indem auch die Geschichten, die Sugar zu Grunde liegen erstmalig erschienen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Erwachsenwerden Cliffs und trotz des tragischen Potentials der Handlung, inszeniert Palmer dies auf eine leichte und humorvolle Art und Weise. Die Storyelemente wirken zwar teilweise so verbraucht wie die drogensüchtigen Stricher im Film, aber Sugar zieht viel zu schnell an einem vorüber, als das es auffallen würde. Zumindest bis zum letzten Drittel des Films. Danach verheddert sich Sugar dermaßen in seiner schnellen Szenenabfolge, dass die restliche Handlung nicht mehr nachvollziehbar ist. Das Sprunghafte und Flüchtige, was den Film zunächst interessant gemacht hat, wird gegen Ende zu einer Art Unentschlossenheit, wie man die Geschichte jetzt enden lassen könnte. Um die Handlung, die davor auf noch keinen konkreten Klimax hinsteuert, abzuschließen, muss der Geliebte sterben und der Protagonist ein neuer Mensch werden, was sich sehr unharmonisch in den restlichen Film einfügt. Sugar bedient sich einer unfertigen und schmutzigen Ästhetik, die ebenso wie die einzelnen Szenen, die sich fragmentarisch aneinanderreihen, keine Anforderungen an eine konventionelle Dramaturgie stellen, aber nachdem den ganzen Film über die dramatischen Höhepunkte nicht als solche inszeniert werden, wirkt die aufgezwungene Wandlung von Cliffs Charakter am Ende aufgesetzt.

Sugar

Cliff ist der Prototyp des naiven, unverdorbenen Jungen, dessen wohlbehütete Herkunft in Kontrast zu dem gefährlichen Straßenleben gesetzt wird. Seine Unerfahrenheit und kindliche Ausstrahlung wird in jeder Szene erneut unterstrichen. Dadurch, dass Cliff die dunkle Seite der menschlichen Seele, wie sie durch Prostitution, Drogen und Tod verkörpert wird, kennen lernt, wird ihm buchstäblich die Unschuld geraubt und der neu gewonnene Erfahrungswert macht aus dem leicht zu beindruckenden Kind einen gereiften und gewissenlosen Aufreißer, der dann auch demonstrativ das von der Mutter geschenkte Skateboard wegwirft. Diese enorme Wandlung erfolgt so plötzlich, dass sie weder glaubwürdig noch der anfänglich sehr freien Dramaturgie angemessen wirkt. Sugar mangelt es letztendlich an der Konsequenz seinen Stil den ganzen Film über durchzuziehen und die anfängliche Stärke wird durch ein aufgezwungenes Finale der narrativen Stränge zerstört.

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