Sucker Punch

„Alles, was man für einen Film braucht, sind ein Mädchen und eine Kanone“, hat Jean-Luc Godard einmal gesagt. Zack Snyder hat diesen Ratschlag beherzigt.

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Ein „Sucker Punch“ ist ein hinterrücks ausgeführter Schlag in die Magengrube, der den unvorbereiteten Gegner überrumpelt. Dies ist Zack Snyders gleichnamiger Film keineswegs. Erstens sind große Teile des Drehbuchs vorhersehbar, und zweitens zielt die Kombination von leicht bekleideten Frauen und gigantischen Action-Szenarien eher auf Körperpartien unter- als oberhalb der Gürtellinie.

Der Film beginnt vielversprechend: Die Vorgeschichte wird – statt über Dialoge oder Schrifttafeln – rein in Bildern erzählt. Im Stil eines Musikvideos, das oft Gebrauch von der Zeitlupe macht und auf ausgewaschene, grünstichige Bilder setzt, zeigt die Eingangssequenz, wie eine noch namenlose junge Frau (Emily Browning) den frühen Tod ihrer Mutter miterlebt und vom bösartigen Stiefvater in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen wird. Bei dessen Anblick erklingt ein Cover des Eurythmics-Songs „Sweet Dreams“, in dem es heißt: „Some of them want to abuse you“. Als die Protagonistin in die Anstalt geführt wird, fragt ein Pixies-Cover: „Where is my mind?“

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Eben jener Geist droht rasch zu erlöschen, da der Protagonistin – passend zur 1950er-Jahre-Welt des Films – eine Lobotomie bevorsteht. Die einzige Möglichkeit, selbst weiterhin die Kontrolle zu behalten, besteht für die junge Frau in der Flucht vor der Realität in die Imagination. Hier bestimmt das Bewusstsein das Sein – nicht andersherum. Nahezu alles Folgende spielt sich allein im Kopf der Hauptfigur ab. Allerdings nutzt Snyder (300 (2007), Watchmen – Die Wächter (2009)) diese dramatische Ausgangssituation nicht etwa für eine Untersuchung der faszinierenden Potenziale der Psyche, sondern lediglich als Sprungbrett für orgiastische Action-Sequenzen.

Auf der ersten imaginativen Ebene verwandelt sich die Klinik in ein Bordell, die Patientinnen werden zu Prostituierten. Erst diese Ebene leitet die üppigen Kampfszenen ein und verbindet sie (ziemlich lose) miteinander. Diese Bilderstrecken, die sich assoziativ im Fundus jüngerer Genrebeiträge bedienen, machen den Kern von Sucker Punch aus. Hier verbinden sich Historie und High Tech, wenn fünf Frauen – begleitet von harter Rockmusik – mit futuristischer Ausstattung Aufgaben in geschichtlich wirkenden Umgebungen lösen müssen, wie man es aus Videospielen kennt.

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Im Zentrum steht dabei die Suche nach fünf Dingen, die „Baby Doll“ – so wird die Protagonistin im Bordell und auf dem Schlachtfeld genannt – brauchen wird, um aus der Psychiatrie zu fliehen: eine Karte des Gebäudes, Feuer, ein Messer, einen Schlüssel und eine fünfte Sache, deren Identität sich ihr erst später offenbaren wird. Ihre Versuche, dieser Gegenstände in der Realität habhaft zu werden, übersetzt der Film wiederum in abenteuerliche CGI-Episoden. Stets tanzt Baby Doll dabei, um die Psychiatrie-Angestellten abzulenken, und stets markieren Kamerafahrten rund um ihren Kopf die Grenze zwischen Realität und Vorstellung.

Ein Gegenstück der Karte muss deutschen Zombie-Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg entwendet werden – der deutsche General wirkt wie eine Mischung aus Darth Vader und Freddy Krueger –, fürs Feuer müssen Baby Doll und ihre Freundinnen in einer mittelalterlichen Burg ein Drachenbaby töten, der Suche nach dem Messer entspricht das Entschärfen einer Bombe in einem Zugwaggon. Der Schlüssel lässt sich später ergattern, ohne ein weiteres Fantasy-Level zu durchleben.

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Das freut auch den Zuschauer, denn so spektakulär die animierten Kampfszenen auch sein mögen: Angesichts ihrer monotonen Wiederholungen stellt sich rasch Langeweile ein. Doch es hapert in diesen Momenten nicht nur an dramaturgischer Entwicklung, sondern auch an einer Einbindung der Episoden ins Gesamtkonzept. Viele Details aus den Fantasiewelten haben nur einen entfernten Bezug zu den realen Situationen, obwohl sie diese doch widerspiegeln sollen. Warum zum Beispiel würde jemand in ein imaginäres Bordell fliehen, um dort Trost gegen die harsche Realität der stationären Psychiatrie zu finden? Und wieso hat die sonst so weiblich gezeichnete Baby Doll (blonde Zöpfe, Schulmädchenuniform, trauriges Unschuldsgesicht) so dezidiert männliche Fantasien voller halbnackter Frauen, die mit phallischen Waffen hantieren?

Die unzweckmäßig knappe Bekleidung der Frauen und die nerdigen CGI-Szenarien entlarven den Film als erotisiertes Action-Spektakel mit Objektifizierungs-Tendenz. Der Bordellchef bezeichnet die ausnahmslos diminutiv benannten Frauen (Baby Doll, Sweet Pea, Blondie) als seine „Spielsachen“ – und wenn eine Nahaufnahme vermeintlich auf das von Baby Doll ergriffene Schwert zufährt, hält die Kamera nicht zufällig auf Höhe ihrer nackten Schenkel an, über denen lediglich ein kaum als „Rock“ zu bezeichnender Stofffetzen die Scham bedeckt.

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Auch die männlichen Darsteller wurden offensichtlich ihrer Physiognomie nach gecastet, wirken sie doch allesamt wie eindimensionale Typisierungen, denen man ihren Charakter bereits am Körperumfang, dem Bartstil oder der Zigarre ansieht.

Erst kurz vor Schluss kehrt der Film in die lange Zeit vernachlässigte Psychiatrie-Realität zurück, in der Baby Doll dasselbe Schicksal droht wie Jack Nicholsons Figur in Einer flog über das Kuckucksnest (One Flew Over the Cuckoo's Nest, 1975). Sucker Punch teilt zwar die Ausgangssituation des Klassikers von Milos Forman, interessiert sich aber nicht für unmenschliche Institutionen und operativ erzwungene Anpassung, sondern ist ausschließlich darum bemüht, männliche Fantasien im Stadium des Imaginativen zu erfüllen und so einen Fluchtpunkt gegenüber der Realität zu bieten, in der halbnackte Frauen selten im Zusammenhang mit ejakulierenden Maschinengewehren oder penetrierenden Schwertern auftreten.

Trailer zu „Sucker Punch“


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Kommentare


Frettchen

Gestern habe ich den Film im Rahmen einer Vorpremiere mir anschauen dürfen. Der gesamte Film wirkt auf dem Zuschauer sehr plump zusammengeworfen und vermisst die Bezüge zu der Haupthandlung.
Kurz erwähnt möchte ich versuchen eine Interpretation der nicht so offensichtlichen Feinheiten der Überladenen Fantasy-Welt in der dritten Ebene zu erläutern. Sie wird durch Handlungen aus großen Kriegen zusammengehalten, die in Ihren Erscheinungsbild so ausgesucht worden, dass sie jeden Zuschauer bekannt vorkommen sollten:
- Die einfache Samurai-Welt versucht der Protagonistin einen Einstieg in die Kampfhandlung zu liefern.
-Zweitens die Zeit des Ersten Weltkrieges, der den Geschichtsbücher für die Alliierten gut verlief und auch so für die Filmfiguren ausgeht. Technik und Komplexität erreicht hier anderen, höheren Level.
-In der Dritten Welt wird der Bezug zum Zweiten Weltkrieg gesucht. Man verwendet hierfür den allzu typischen B17 Bomber. Das Feuer des Drachens steht für das des Feuerzeug. Das Ziel wird Erreicht.
-Die Letzte Fantasy Ebene greift das Thema des Vietnamkrieges mit dem all zu Typischen Einsatz-Hubschrauber(Bell UH). So wie die USA, tragen auch die Fünf Mädels in dieser Episode Verluste davon. Der Rasende Zug mit der Bombe dringt in die Stadt so wie der Messer in die Bauchhöhle von "Rocket".
Ich möchte hierbei erwähnen, dass es sich hier um ein Interpretationsversuch handelt der helfen kann die Handlung besser zu Verstehen. Von den Filmemachern eingebaute Zeitabfolge der Handlung muss und wird nicht immer mit dem Ereignissen übereinstimmen.


Fanatika

Zack Snyders ist und war für mich persönlich schon immer mehr Künstler, vor diesem Hintergrund war der Film einfach genial. Mal abgesehen von den Effekten und den Schnitten war es ein Geniestreich einfach auf SO eine Idee zu kommen. Im Film vielleicht etwas unausgegoren und sehr in die welt des Geek abgedriftet würde sich aus dem Drehbuch eine Menge machen lassen. Dennoch fand ich allein die Komplexität der drei Handlungsebenen mehr als man von einem Hollywoodschinken zu erwarten hat. Genau deswegen liebe ich Zack Snyders und in diesen Dingen unterschiedet er sich vollkommen von dem Kommerzzeug, das Hollywood da abliefert. Wems nicht gefällt, der wird nicht gezwungen es sich anzusehen- Information ist alles. Immerhin tue ich mir ja auch kein Udo Jürgens Konzert an ohne mich vorher darüber zu informieren, ob mir die Musik überhaupt zusagt.


Jonny

meiner meinung nach ist die rezession noch zu gut ausgefallen.....und ich hab mich nach dem trailer echt auf den film gefeut
mir kommt es vor als hätte er das drehbuch aus all seinen lieblingsfilmen und computerspielen zusammengeschnitten zwei mal umgerührt und fertsch
man kann echt in so gut wie jeder szene ein film erkennen den es genau so schon gab.....bei "white rabbit" hat die grapefuit/badewanne/höhepunkt und das radio gefehlt ok....
hätte man uwe boll das budget zur verfügung gestellt wäre genau der film raus gekommen
hätt ich mir für die 10 eus lieber zwei kästen öttinger gekauft


Körnerpicker

Bis auf einige rasend schnelle Aufnahmen mit Luftschiffen, Flugzeugen und Hubschrauber, mit betörender Musik untermalt (Lennons "Tomorrow Never Knows" hätte man nicht besser und treffender covern können) war der Film überwiegend Grotten schlecht! Schade drum, weil doch mit einigen guten Ansätzen und psychadelischen Wahrheiten versehen!


Deepsight

Einer der besten Filme, die ich seid Jahren gesehen habe. Natürlich erhebt ein solcher Film nicht den Anspruch eine logische Story zu haben oder politisch korrekt zu sein. Ich finde es sehr schade, dass viele Leute offensichtlich zu wenig Fantasie besitzen um einen solchen Film einfach auf sich wirken zu lassen. Man muss nicht jede Szene zerflücken und sich fragen, "warum passiert dies jetzt, dass macht doch keinen Sinn".
Die spießige Herangehensweise, die viele Kritiker dieses Filmes offensichtich benutzen, ist hier fehl am Platz, man muss sich zurücklehnen, Bild und Ton geniessen und das Zusammenspiel von allen möglichen Elementen geniessen. Wer dass nicht kann, bleibt auf ewig in seiner eigenen, kleinen, beschränkten Weltanschauung gefangen.


Körnerpicker

@Deepsight
Versteh Dich schon, Du setzt den kleinen anarchistischen Ansatz über die künstlerische Qualität des Films? Zugegeben können "blöde Menschen" relativ wenig damit anfangen, was offensichtlich mit der Verschachtelung der Handlung "gewollt" ist. Irrtum! Es fehlt nicht an der Tiefe, dies scheint gelungen, ja, Bravo! Leider ebend zu schlecht erzählt und zu offenkundig "geklaut" (wobei dahinter evtl. auch eine Absicht steckte) Jedenfalls bin ich unzufrieden, ohne nun den ganzen Fim verreißen zu wollen!


Marco

Sucker Punch ist einer der besten Filme den ich je gesehen habe. Die verwirredne Umsetzung fesselt. Ich habe ihn mir gerade angesehen, war erst verwirrt aber letztendlich hat sich alles gefügt. Ich muss sagen, dass es gut ist, dass sich diese Verwirrung einstellt, da so die entscheinden Botschaften (am Anfang, sowie Ende des Filmes) von ihren Wrkungen abgegrenzt, unterstrichen bzw. hervorgehoben und in Szene gesetzt werden.
Dieser Film ist Kunst, Gänsehaut und Spannung pur.


Bianca

Ich kann nur dem letzten Kommentar zustimmen. Ich fand den Film total genial. Ich hatte eigentlich nichts gutes von dem Film erwartet, da ich auf den Vorschaubildern nur halbnackte Mädls gesehen habe. Aber ich kann jetzt verstehen, warum sie so freizügig herumlaufen - in anderen "Superhelden"filmen sind die Hauptdarsteller doch auch immer sehr sexy und freizügig angezogen, allein wenn ich an Milla in Resident Evil denke.

Gerade wenn man sich in imaginäre Welten zurückzieht, will man toll und sexy aussehen, stark und unschlagbar sein.

Gerade der Hintergrund hat mir gut gefallen, da es um Missbrauch geht. Ich finde es genial wie er eine der Fassetten des Fliehens vor der Realität zeigt.


DasPing

Den Film gestern gesehen und sehr gemischte Gefühle. Mir Gefällt die Grundidee und auch einige Dinge waren durchaus spannend. Ich würde ins Detail gehen, möchte aber nicht spoilern - darum eine grobe Übersicht:

Positiv:
- Interessante Grundhandlung
- Einführung
- Stellenweiße logische Momente (verdacht des Bordellbetreibers)
- Abwechslungsreiche Szenarien
- Nette Kameraführung

Negativ:
- Die Hauptdarstellerin. Scheint als hätte sie nur einen Gesichtsausdruck.
- Stellenweiße trotz der zahlreichen Kampfszenen zum Gähnen langweilig - oder gerade deswegen. In der Regel werden zahlreiche Gegnerhorden niedergemetzelt. Einen richtig schönen Kampf gibt es eigentlich nur als die Protagonistin ihre Waffe erhält.


Blofeld

Der letzte Teil der Kritik ist total daneben. Halbnackt ist etwas anderes (selbst im Bordell sind die Frauen hier ziemlich bedeckt) und der Autor wurde wohl von einer anderen Art Film zu diesen Zeilen inspiriert?

Warum sagt niemand, dass die Frauen in ihrem Kampf-Outfit einfach Klasse aussehen? Ob es zweckmäßig ist ist doch egal, der Teil spielt in der Fantasie und dort ist alles möglich.

Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen.


Rike

Ich verstehe nicht, warum in der Kritik hinterfragt wird, wie man sich in eine Bordellfantasiewelt zurückziehen kann. Rührt jene Realität nicht daher, dass in der tatsächlichen Realität der Pfleger in der Psychiatrie sein eigenes kleines Bordell aufbaut und die Patienten vergewaltigt bzw. von dem gesamten Personal vergewaltigen lässt? Man denke an Ambers Stammfreier, den Bürgermeister, der in der Anstalt die Türen öffnet..
Für mich ist die Wahl des Bordells insofern sehr schlüssig und gut gewählt.


Sandy

Erst gestern habe ich mir den Film angeschaut,weil ich vom Trailer her echt interessiert war. Aber nach paar Minuten dachte ich,wo bin ich den hier gelandet? Es war der 1. Film seit langem,bei dem ich echt überlegt habe einfach mittendrin raus zu gehen.Die Story schwächelt ganz schön. Ist an und für sich wahrscheinlich eine Gute Geschichte,aber da hatte einer keine Ahnung sie umzusetzen. Die Schauspieler fand ich größtenteils auch unter aller Kanone. Die Hauptdarstellerin hat ja mal null Gesichtsausdruck o.ä. sie sieht einfach aus wie in völlig fehlplaziertes Plastikpüpchen. Der Film ist für mich einfach nur ein verdammt schlechtes Computerspiel o.ä. Absolut nicht zu empfehlen und sein Geld nicht wert!


DADA

Snyder war schon immer interessiert am Über-Menschen, Reinheit und archaischem Kriegertum. Das macht ihn - mag sein, dass unfreiwillig - zum Faschisten.
Mangelnde Fähigkeit zur Imagination besorgt den Rest. Furchtbare Filme.


Mia

Hinterlässt gemischte Gefühle. Die Idee an sich und vor allem die Kameraführung in Kombination mit der Musik gefallen mir gut, die Kampfszenen sind aber leider nicht fantasievoll sondern nur überzogen. Hätte lieber schöne Schwertkampfszenen gesehen als überdimensionale "Leucht-samurai". Die Hauptfigur bleibt einem den ganzen Film über erstaunlich egal, da sie mehr schiesst als redet, mich hätte die Psycho-ebene mehr interessiert. Das kann erschreckender und spannender sein als reihenweise Soldaten niederzumetzeln. Fazit: er hat sich stets bemüht...


Duni

wie geht der film eigentlich aus?
ich habe das kino vorzeitig verlassen ... und das zum ersten mal in meinem leben!

die grundstory fand ich im prinzip eigentlich ganz spannend ... und bis zur ersten tanz bzw. kampfszene war der film ja auch recht ansehbar ... aber hey^^ so ein schrott will sich doch wohl kein mensch freiwillig reinziehen?!?! mit fantasy hat das auch nicht mehr viel zu tun! und die dialoge sind ja wohl mehr als plump! man kann sich nicht mit den darstellerinnen identifizieren ... somit ist es einfach das alte prinzip in meinen augen: paar heiße mädels mit ein paar waffen! aber darüber hinaus geht eben nichts ...
ganz einfach einer der schlechtesten filme die ich je gesehen habe!

um über den film zu lachen, kann man ihn sich ansehen ... aber ernstnehmen?!? nein danke!


TheCritic

Ich habe leider keinen Trailer gesehen von diesem Film, selbst wenn hätt ich ihn trotzdem gesehen. Eine Freundin verglich diesen Film mit "Sixth Sense" und "The Others" weil angeblich ein unglaublicher Flick die Story zum Schluss aufheizt. Ich weiss nicht welchen Film sie gesehen hat aber Sucker Punch erinnert mich eher an eine Videogame-Verfilmung mit einem starken Drang nach sexueller Gewalt und der Suggestion wo Frauen alles über sich ergehen lassen sollen bis sie in einer wirren Fantasywelt, in der sie sich teilweise in eine weitere NOCH verwirrtere Fantasywelt flüchten können, eine Lösung finden. Ähm puh...

Nun zum eigentlichen Vergleich. "Sixth Sense" und "The Others"... auf keinen Fall. Dieser Film hat nicht annähernd die Qualität mit solchen Grössen verglichen zu werden. Selbst nach dem letzten Wort in diesem Film hoffte ich noch immer auf eine Zwischenszene wo dann doch noch die grossartige Wende in der Geschichte kommt. Der Beginn des Abspanns beendete meine Hoffnungen. Eigentlich hab ich den Flick nach ca 30 Minuten raus, denn wenn man sich in eine Fantasywelt flüchtet und von dort in eine andere zu gelangen, ist es für den Zuschauer sehr einfach. Und sollte ich unrecht haben dann konnte ich die "Wende" einfach nicht erkennen und somit ist, zumindest für mich, der Film nicht nur uninteressant sondern raubt jede Lust auf andere vergleichbare Filme die vielleicht besser wären.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich durch den unpassenden Vergleich einer Freundin viel Hoffnung auf einen grossartigen Film hatte... leider war der Film für mich grossteils eine herbe Enttäuschung.

Und damit ich zukünftigen Sehern nicht die Laune an den Film nehme:
Wer auf Anime-Action (aber nicht in Anime), jungen hübschen Darstellerinnen in engen Outfits und kurzen Röcken (eigentlich mehr "breiter Gürtel") steht, kommt sicher auf seine Kosten. Obwohl man mit solchen Erwartungen wohl doch lieber auf die DVD von "Chicago" zurückgreifen sollte. Der ist qualitativ immerhin in den obersten Reihen.


Punctus

Dieser Film ist leider von vorn bis hinten mißlungen. Sieht man einmal davon ab, daß es reine Sympathiesache ist, ob es einem gefällt, daß da ein Mädchen mit halboffenem Mund eineinhalb Stunden verzweifelt oder traurig anglotzt, als ob es gleich den 179. Bl*wjob abekeln müßte, ist das ganze beim Versuch, unglaublich cool und modern zu sein, voll auf die Nase gefallen und meistens nur fade und lächerlich. "Geklaut" ist der ganze Film im Prinzip bei "Brazil". Diesen Klassiker modernen Kinos aus den Mitt-Achtzigern würde ich hier jedem einmal anraten, sich zu Gemüte zu führen. Einen Hinweis darauf gibt Snyder selbst relativ am Anfang mit dem ersten der drei Samurai-Krieger.

Während aber in "Brazil" wahnsinnige Ideen sinnvoll ineinander verwoben werden, gerät "Sucker Punch" nach kurzer Zeit zum mißglückten Videospiel im Coop-Modus. Selbstverständlich gefällt dem Jungmännlichen Publikum die Ansammlung leicht bekleideter, verletzlicher Tanzelfchen, die in der Traumwelt mit Schießeisen herumrennen und alles platt machen.
Doch weitere Hintersinnigkeiten, außer daß kleine Mädchen äßuerlich schwach und innerlich stark sind, muß man leider vergeblich suchen, selbst wenn man östliche Weisheitsansätze, also etwas wie "Die Fünf Wege zum tatsächlichen Ende" herbiegt, macht das noch immer keinen rechten Sinn.

Erst bei einer kleinen Recherche zum Thema Lobotomie bin ich halbwegs fündig geworden, denn der Film ist offensichtlich von der Geschichte eines zwölfjährigen Jungen aus den USA, den seine Stiefmutter loswerden wollte und deshalb lobotobieren ließ, abgeleitet. Das war Anfang der 60er, wobei diese paramedizinische Verstümmelungstechnik bis dahin weltweit schon an etwa 100000 Menschen angewandt worden war, bevor man endlich das Mittel Thorazin fand (Artikel ist auf der Geo-Seite zu finden).

Lobotomie ist eins der dunkelsten Kapitel moderner Medizingeschichte, und wurde tatsächlich mit einem wie im Film gezeigten Instrument, das im Prinzip nichts anderes als ein Cocktail-Eispickel ist, durchgeführt. Die genaue Beschreibung des Vorgangs zu lesen ist grausamer als ein Horrofilm, zumal der Erfinder dieser sog. "orbitalen" Lobotiomie die Patienten zuvor mit Elektroschocks ins Koma versetzte.

Nun wird aber "Sucker Punch" auch auf dieser Ebene der Thematik nicht gerecht. Im Grunde ist es nichts anderes als einer dieser vielen unseligen Football-Mannschafts-Filme, bei dem einfach Variablen wie Spielfeld und Teamgeist usw. neu belegt werden. Am Ende ist die Mannschaft geopfert, um einen hinter die Linie zu bringen, und einer bleibt am Feld liegen.

Schubladendenken ? Aber ja, gewiß, "Sucker Punch" besteht ja auch von Anfang bis Ende aus lauter Schubladen. Und war die Cinematographie bei "300" noch neu und unverbraucht, und vor allem als Gegensatz zur Handlungszeit des Films besonders reizvoll, löst sie nun zumindest bei mir nicht mehr mal ein lahmes Schulterzucken aus.

Was ich mir im Kino bei "Sucker Punch" schließlich am meisten gewünscht habe, war ein Vorlaufknopf, um die danebengeratenen Dialogszenen und die endlos wiederholten Frontalen der Baby Doll zu überspringen.

Selten hat mich ein Film derart genervt. Naja, vielleicht "Jennifers Body".


Ectavia

Um einen differenzierten Beitrag zu leisten, muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass für tatsächlich psychisch Kranke, die erwiesenermaßen eine schwere Psychose oder anderweitig ähnlich zu behandelnde psychische Störung haben, soll die Lobotomie gegenüber der medikamentösen Behandlung, die mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden ist, der weniger massive Eingriff ist. Durch ihren massiven Missbrauch ist diese Behandlungsmethode aber in den Verruf gekommen.

Und eben um Missbrauch geht es auch in Sucker Punch: Missbrauch durch den Stiefvater, Missbrauch durch das Personal der Anstalt und auch um den Missbrauch chirurgischer Mittel. Wie der Titel schon sagt, wird die Protagonistin übel physisch sowie psychisch zugerichtet.

Dabei wird sie ihrer innewohnenden Unschuld beraubt, die durch ihr kindliches Aussehen zusätzlich untermalt wird. So wird analog auch das Kindliche sexualisiert. Überhaupt wird die Sexualisierung eher als stilistisches Mittel eingesetzt, um die Dramaturgie innerhalb der Missbrauchsrolle (einer objektivierten Real Doll) aufrechtzuerhalten.

Die Kampfszenen, die über den eigentlichen Missbrauch hinweg blenden, machen diese Thematik überhaupt erst erträglich. Gleichzeitig aber nehmen sie diesem Thema auch den Ernst. Leichtbekleidet fügt sich die in ihren Phantasiewelten aufbegehrende Heldin am Ende ihrem Schicksal. Nichts lässt darauf schließen, dass sie ihre Opferrolle internalisiert hat und daher nicht anders kann, als sich für eine andere zu opfern. Sinn macht es keinen. Dieser letzte Akt der Aufopferung ist zumindest aber nobel. Und gerade weil der Film mit diesem Klischee einer sich aufopfernden Frau (und damit einer weitverbreiteten männlichen Wunschvorstellung) endet, macht es ihn so trivial.

Mir jedenfalls gefällt die Fülle ambivalenter Gefühle, die der Film bei seinen Zuschauern auslöst. Aber um mich auf eine Seite zu schlagen: Gute Filme guckt man sich gerne noch ein weiteres Mal an. Bei diesem ist 1 x mal vollkommen ausreichend.


Roxalana

Hm.

Ich muss erst einmal der Kommentatorin direkt vor mir zustimmen: Noch einmal muss und möchte ich diesen Film nicht sehen.

Ich bin ein Mädchen und ich mag Actionfilme. Ich mag auch durchaus "sinnlose" Actionfilme, in welchen es um die Action geht und die Story mehr ein Alibi ist.

Das Problem bei Sucker Punch ist, dass es nicht nur einen Handlungsstrang gibt, sondern drei. Aber keiner ist konsequent ausgeführt. Es sind Handlungsstränge, von denen behauptet wird, dass sie wichtig und sinnvoll sind. Sind sie aber nicht.

Also Action um der Action willen: Ja. Gerne.
Aber bitte ohne Pseudohandlung.

Der Film wäre gut gewesen, hätten sich die Mädchen aus dem Bordell freigekämpft. Meinetwegen gegen Zombies. Oder aus der Irrenanstalt. Oder es wäre ein modernes Kriegsepos, mit Waffen und Geballer ohne Ende. Aber alle drei Element in eine Story zu quetschen und damit zu behaupten, es wäre eine Story und nicht nur ein Kampfepos ... ist unausgegoren, zu viel dies Guten und Etikettenschwindel.

Es ist ein Möchtegern - Film. Er möchte zeitgleich ein Actionblockbaster sein und vermutlich die psychologische Raffinesse und Eindringlichkeit von "Pans Labyrinth" erreichen.

Aber weil zu viel gewollt ist funktioniert das vorne und hinten nicht. Schade.


Nicolas

Ein peinlicher und komplett platter Film. Zack Schneider ist zwar super aber offensichtlich nur wenn er die Ideen anderer verfilmt (300 (comik) Watschmen (auch Comik) Dawn of the Dead (remake)). Aber bei diesem Film hatt er wohl versucht an alle vorhergegangenen Erfolge auf einmal einzugehen und heraus gekommen ist ein Mischmasch aus schlechten Dialogen so übertriebenem Zeitlupeneinzatz das er fast schon Comidiantisch wirkt und Zombie Nazies ich bitte euch ZOMBIE NAZIES.Und der einzige noch verblibene reiz des Films sind Frauen in Strabse aber da schau ich mir lieber nen Porno an als mich durch diese scheise zu quälen. Also Zack ich geb dir noch eine chance.


Frank_E_Meyer

Ich hab den Film gerade gesehen und hab ihn genossen! Reines Augenkino wo der klare Verstand endlich mal abgeschaltet bleiben kann. Der Film verlangt gar nicht das man einen Sinn darin sieht und der Regisseur (und ich auch) lacht sich wahrscheinlich ins Fäustchen wenn er sieht wie alle Welt krampfhaft versuchen irgendeinen Sinn, eine Botschaft oder was auch immer darin zu erkennen. Ereifert euch also ruhig weiter über dieses "böse, billige,Comicmärchen", ich finde das fast so Amüsant und kurzweilig wie diese Perle der Filmgeschichte selber. :)


Boxer

Also meiner Meinung nach ist Sucker Punch einer der besten Filme aller Zeiten. Und ich kann leider nicht nach voll ziehen das manche Leute hier keine Handlung sehen oder eine schlecht verbundene. Diese Film steckt so voller dunkler Charaktere und tiefgründigen Gedanken das er mich sehr beeindruckt hat. Ok das kann auch daran liegen des er genau meinen Gedankengängen entspricht, kranke Fantasie halt. So und alle die mir jetzt sagen wollen wie blöd oder dumm ich doch bin, kann ich nur sagen: Filme sind eine Form der Kunst und Kunst war schon immer Interpretationssache. Einigen gefällt dieser Film andere würden ihn am liebsten ungeschen machen. Und wer mich jetzt in die Psychiatrie schicken will meiner Fantasie wegen kann ich nur sagen: da war ich schon ^^. Also liebe Leute echauffiert euch ruhig an meinem Komentar oder lästert über mich, ist mir egal. Mein abschliessendes Statement ist: Sucker Punch hat das Potenzial zum Kultfilm. Und ich bleibe dabei, einer der besten Filme aller Zeiten!


Kumkwat

Also, ich für meinen Teil war nach dem Film schwer verwirrt. Aber ich denke mal das war die Absicht davon.

Erstmal bin ich ein Mädchen und stehe auch total auf Actionthriller und die leicht bekleideten Mädchen in der Vorschau, waren einer der Gründe warum ich mir den Film ansehen wollte. Ich will damit sagen, der Film ist nicht zwangsläufig ein Fetisch-Film für Kerle.

Was mir nur nicht gefallen hat, war dass Snyder versucht hat aus drei Filmen einen zu machen. Diese Traum im Traum Ebene funktioniert nur bei Inception und schon da musste ich hier und da stocken.

Ich finde er hätte entweder die Grundtsory der Psychatrie oder die des Bordells nehmen sollen und dann die Actionszenen dazu. Denn die waren nun wirklich mal der Wahnsinn. Hier wird häufig bemängelt, dass sie trotz all der hervorragenden Animation langweilig gewesen wären. So was ist natürlich immer von Person zu Person unterschiedlich, aber "langweilig" würde ich es nun wirklich nicht bezeichnen, aber vielleicht bin das auch nur ich.

Sowohl die Idee der Psychatrie. als auch die des Bordells waren interessante Ansätze, wurden nur leider mittelmäßig ausgebaut.

Und NATÜRLICH würde keine Frau mit Selbstachtung ernsthaft in solchen Outfits kämpfen, aber es war ja auch nur eine Fantasie. Und in der Fantasie ist bekanntermaßen alles erlaubt. Ist doch klar dass, sie sich perfekt und stark vorstellt. Und genauso ihre Komplizinnen. Denn man kann durchaus sexy sein, ohne sich damit als Frischfleisch anzubiedern.

Der Einstieg der wie ein Musikvideo inszeniert war, habe ich als großes Plus empfunden und hat uns viel Einführungs Bla bla erspart. Und auch der Videospiel-Charakter war etwas was ich als positiv empfunden habe. Es müssen nicht immer Männer sein die es mit nur einen kleinen Pistole schaffen sich immer wieder aus ausweglosen Situationen zu kämpfen. Gebt ein paar Mädchen coole Outfits und schwere Waffen und man kann sich trotzdem amüsieren.

Nur die Dialoge waren etwas, bei dem ich mir kontinuierlich an den Kopf greifen wollte. So was plattes hab ich seit Eragon nicht mehr gehört.

Sucker Punch ist mit Sicherheit nicht DAS Filmspektakel auf das wir alle gewartet haben, aber zum mal gucken ist er okay.

Fazit: Idee = gut, Ausführung = mangelhaft


Mattes

Habe den Film mit meiner Frau gesehen, nicht daß noch einer sagt, daß SuckerPunch nur ein Männer-Film ist. Habe nicht alles verstanden, meine Frau auch nicht. Aber so großes Kino, so bombastische Bilder mit der richtigen Musik untermalt sieht man nicht oft. Ich habe 300 geliebt und SuckerPunch werde ich sicher noch ein paar Mal anschauen. Nicht, um ihn endlich zu verstehen, nein, einfach um in den Bildern zu versinken und mit der Musik das ganze wie ein Gemälde zu bewundern. Perfekt!


Onkel Axel

Der Film ist ja nun auch auf DVD raus, und ich habe ihn mir trotz teilweise der teilweise heftiger Kritik angeschaut, da mir 300 sehr gefallen hat...
Ich denke viele Menschen haben den Film einfach nicht verstanden und/oder sich von den leicht bekleideten Mädels und der Action einlullen lassen. Wenn man aber ein bissel aufpasst, sieht man etwa das als Storry (meine Meinung):

1.) Die ersten Minuten des Films die die Geschichte von Baby Doll sein soll, spielt sich in den Gedanken von Sweet Pea ab. Sie befindet sich auf der Bühne in der Anstalt. Man sieht die Ähnlichkeit zwischen Baby Dolls Zimmer (aus der Einleitung) und Sweat Peas Bühne.
In Wirklichkeit fängt der Film hier erst an. Baby Dolls Zimmer aus der Einleitung ist also das Zimmer von Sweat Pea.

2.)Sweet Pea ist der Erzäher an manchen Stellen.

3.) Im Bordell (min12) sieht man nach BD gespielter Lobotomi, dass Baby Doll in Wirklichkeit Sweet Pea mit einer Perücke ist, die sie wie Baby Doll aussehen lässt.
Man könnte also vermuten, dass es Sweat Pea ist, die in Wirklichkeit lobotomisiert werden soll.

4.) Und jetzt kommt (für mich) der Knaller: Es geht garnicht um Baby Doll, die existiert eigenlich garnicht!
Damit Sweat Peas Genesung funktioniert und die Flucht gelingt, muss sie sich ihren Problemen und Ängsten stellen und sie besiegen.
Die anderen Mädchen sind nur Symbole dafür.
Baby Doll stellt die Schuld dar, weil sie ihre Schwester nicht retten konte.
Rocket ist die Vorstellung ihrer Schwester.
Blondie stellt ihren Mangel an Selbstvertrauen dar.
Amber steht für ihren geistigen Widerstand und ihre Angst...

Erst wenn sie sich ihren inneren Ängsten gestellt hat, kann die Flucht gelingen.
Also doch ein cleverer, tiefgründiger Film ;)


schuschu

Also mit der Interpretation von Onkel Axel ist der Film ja großartig! :D
Habe am Schluss sogar geweint *lach*

Also.. jaa.. bin ein Mädchen haha
Ich finde diese kurzen Rocke und so ganz schick, durch die gleichzeitige BordellGeschichte aber zu übertrieben und naja, eine Fantasiewelt mit halbnackter Frauen sollte eigtl reichen ;-)
Mir hätte es definitiv gereicht.

Ansonsten fand ich den Film auch garnicht mal so schlecht, vllt werde ich ihn mir auch nochmal anschauen und auf die Dinge, die Onkel Axel angespielt hat, achten


Dave

EINFACH GENIAL

Der film hat alles was man zu einem Kultfilm braucht.

300 ist mir zu langweilig, die ganze zeit das gleiche gemetzel...

Inception, geht schön in die tiefe, ist aber zu Unkreativ zu Farblos.

Der film erinnert irgendwie an "Leon der Profi" nicht nur die Sounds von Björk, sondern auch das Baby Doll wie Mathilda alles verliert, und sich in einer Aussichtslosen situation an ihrem "feind" recht wenn auch hier anders.

Der film lässt relativ viel auslegungsraum für interpretationen und zeigt einem eine seltene poetische tiefe.

Der Film fällt für mich in die selbe Kultschiene wie Pulp Fiction, Sin City, Leon der Profi, oder Fightclub.






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