Suburban Gothic

Nach einem beeindruckenden Horror-Debüt wechselt Richard Bates Jr. in seinem zweiten Film das Genre – und fällt mit seiner Komödie mitten in den Sophomore Slump.

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Nicht-Wissen kann manchmal eine Gnade sein. Das zeigte sich schon bei einem anderen Beitrag zum Fantasy Filmfest 2014: Quentin Dupieux’ Wrong Cops (2014) ist eine unterhaltsame absurde Komödie. Einzige Bedingung: Der Zuschauer darf Dupieux’ vorherige Filme Rubber (2010) und Wrong (2012) nicht kennen. Wer diese zwei kleinen Geniestreiche hingegen gesehen hat, auf den wirkt Wrong Cops wie aufgewärmter Kaffee. Mit Suburban Gothic (2014) von Richard Bates Jr. verhält es sich ganz ähnlich: Die schrille Komödie ist zwar inhaltlich ein Leichtgewicht, amüsiert jedoch mühelos über die gesamte Spielzeit – zumindest, wenn man es überkandidelt mag. Enttäuschend aber ist der Film vor allem dann, wenn man Bates’ Debüt Excision (2012) gesehen hat – eine starke Mischung aus hartem Horror, pechschwarzem Humor und berührendem emotionalem Tiefgang, gekrönt von surrealer Optik und einer perfekt getimten Abblende zum Schluss.

Horror-Elemente tauchen zwar auch in Suburban Gothic auf, nur stehen sie diesmal ganz im Dienste des Zwerchfells, während graue Zellen, die als „Angstzentrum“ bekannte Amygdala und das für Skopophilie – die Lust am Betrachten – zuständige Hirnareal vor sich hin dösen dürfen.

Hipster vs. Kleinstadt

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Im Zentrum des Films steht Raymond (Matthew Gray Gubler), ein eben mit dem BWL-Studium fertig gewordener Hipster, der keinen Job findet und notgedrungen zurück zu seinen Eltern in Smalltown, USA zieht. Dort trifft er auf lauter Karikaturen: den hypermaskulinen Vater, der seinen metrosexuellen Sohn am liebsten in die geschlossene Anstalt stecken würde; seine vor lauter Liebe nahezu platzende Mutter; ein paar am Leben gescheiterte Bullys aus Highschool-Zeiten sowie einen schwulen, von der Familie verstoßenen Cousin (Jack Plotnick aus Wrong). Und nicht zu vergessen: Becca (Kat Dennings), ganz in Schwarz gekleidetes „bad girl“ und „love interest“.

Kaum ist Raymond in seinem Jugendzimmer angekommen, kehren auch noch die Geister seiner Kindheit zurück. Schon als kleiner Junge hatte er einen direkten Draht zur Spektralwelt. Als er nun aufhört, seine Psychopharmaka zu nehmen, dringen die Gespenster erneut an die Oberfläche: Im Garten seiner Eltern wird ein Kindersarg entdeckt, bald darauf verfolgt ein dunkler Nebel Raymond. In Visionen und Flashbacks wird ihm die Leidensgeschichte eines kleinen Mädchens offenbart, das – in Unfrieden ruhend – durch das Haus seiner Eltern spukt. Bekanntermaßen lassen sich solche Plagegeister nur durch ein ordentliches Begräbnis besänftigen, worum sich freilich Raymond und Becca kümmern müssen.

Künstlich vs. Kunst

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Ob man die ausgestellte Künstlichkeit dieses Films lustig findet, ist eine Frage des individuellen Humors. Zehennägel, die sich wie Klaviertasten bewegen, sind zumindest ein origineller Einfall. Von Spermawitzen kann man das hingegen nicht mehr behaupten. Und auch das Dauerfeuer launig-schlagfertiger one-liner (man stelle sich einen um das Zehnfache potenzierten typischen Ellen-Page-Charakter vor) kann irgendwann nerven. Das Gleiche gilt für das betonte Overacting der Darsteller und erst recht für das zuckrig-klebrige Ende. Bemühte Reverenzen an Akte X (1993–2002) und The Sixth Sense (1999) wirken deplatziert – so was hätte man eher in einem Erstlingswerk erwartet, das bei Bates aber erstaunlich stilsicher ausfiel.

Auch visuell ist Suburban Gothic ein Rückschritt für den Regisseur. Hatte er in Excision noch mit wenig Budget opulente Bilderwelten entworfen, so wirken die Aufnahmen diesmal seltsam flach, fast wie in einer Soap fehlt es ihnen an Raumtiefe. Zwar gibt es ein paar schöne Montagesequenzen, in denen die Kamera nach links fährt, Wände durchschreitet, verschiedene Szenen mit versteckten Schnitten verbindet und so den diegetischen Raum fiktiv restrukturiert. So innovativ, dass man diesen Einfall gleich mehrfach wiederholen müsste, ist das Ganze aber auch wieder nicht.

Suburban Gothic ist reines Film-Fast-Food, das man ebenso schnell verdaut wie gegessen hat. Ganz fraglos besitzt ein solches Kino seine Berechtigung. Nur hat Bates mit Excision bereits bewiesen, dass er aus Genrematerial mehr machen kann als seichtes Entertainment. Das erhöht die Erwartungshaltung und macht aus dieser an sich passablen Komödie eine Enttäuschung.

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