Stirb Langsam 4.0

Len Wiseman setzt nach zwölf Jahren die Stirb Langsam-Reihe mit Bruce Willis fort und inszeniert eine flotte Actionjagd, die zwar inhaltlich wenige Überraschungen, aber dennoch gute Unterhaltung bietet.

Stirb Langsam 4.0

Es gibt überraschende Neuigkeiten von John McClane (Bruce Willis): Er hat sich offenbar das Rauchen abgewöhnt. Wie er das geschafft hat angesichts dessen, dass sich seine Frau hat scheiden lassen, seine mittlerweile erwachsene und ihrem Vater an Dickköpfigkeit ebenbürtige Tochter (Mary Elizabeth Winstead) kaum ein Wort mit ihm wechseln mag und seine Arbeit im vierten Stirb Langsam-Film auch nicht eben angenehmer wird, bleibt ein Rätsel, das wohl der Political Correctness geschuldet ist: Hollywoods Helden rauchen eben nicht mehr.

McClane, wohl einer der coolsten Cops der Filmgeschichte, ist nach langer Absenz wieder auf der Leinwand zu sehen. Stirb Langsam (Die Hard) setzte 1988 den Actionfilm auf neue Füße und den muskelbepackten Helden des damaligen Actionkinos, vor allem also Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, eine neue Figur entgegen: den Helden wider Willen, fluchend, ironisch und dreckig, aber zäh.

Stirb Langsam 4.0

John McTiernans äußerst verdichtetes „Action-Kammer-Spiel“ Stirb Langsam, dessen Handlung sich auf wenige Stunden und die Räumlichkeiten eines einzigen Hochhauses beschränkte, verhalf auch seinem Hauptdarsteller Willis zum endgültigen Durchbruch. Die Fortsetzungen Stirb Langsam 2 (Die Hard 2, 1990) und Stirb Langsam – Jetzt erst recht (Die Hard with a Vengeance, 1995) waren sogar erfolgreicher als der erste Film, dehnten aber den Handlungsraum des Helden immer weiter aus, zunächst auf einen Flughafen, schließlich auf ganz New York City.

Stirb Langsam 4.0 (Live Free or Die Hard) setzt diese Ausweitung konsequent fort. Nun jagen McClane und sein Kompagnon wider Willen aus New York nach Washington und dann durch einige weitere Bundesstaaten der Ostküste. Das wird zwar rasch unübersichtlich, letztlich spielt es aber auch keine große Rolle, wie sich die Orte im geographischen Raum verteilen: Im virtuellen Raum sind sie wichtige Knotenpunkte.

Stirb Langsam 4.0

Dass ausgerechnet der so dezidiert unintellektuelle Handarbeiter McClane einen Angriff auf die wahre, verborgene Infrastruktur Amerikas – jene der Computernetzwerke und Datenbanken – abwehren muss, ist natürlich nicht ohne Ironie; das begrenzte komische Potential dieser doch eher wenig originellen Gegenüberstellung versucht Drehbuchautor Mark Bomback glücklicherweise nur selten auszutesten.

Damit McClane nicht so ahnungslos in der ihm fremden Datenwelt herumstolpert, gibt der Film ihm das von Justin Long gespielte Computergenie Matt an die Seite, der von McClane vor einer Schar Auftragskiller gerettet wird. Ab diesem Punkt gibt es, und da ist der Film so spektakulär wie geradlinig, nur wenige Actionpausen; ab und an sieht man leuchtende Buchstaben über Bildschirme flirren, aber die bösen Hacker erwehren sich des Cops aus New York dann doch vor allem unter Einsatz klassischer Waffen und reichlich Körperkraft, was von Regisseur Len Wiseman (Underworld, 2003; Underworld: Evolution, 2006) mit schnellen Schnitten, aber nie hektisch inszeniert wird. Und wie schon in Ghetto Gangz (Banlieue 13, 2004) und Casino Royale (2006) ist auch in Stirb Langsam 4.0 das aus den französischen Vorstädten stammende Parkour zu bewundern, dessen Akteure sich behände wie Eichkätzchen von Feuerleiter zu Autodach schwingen.

Stirb Langsam 4.0

Der Angegriffene wehrt sich seinerseits nicht weniger analog und auf gelegentlich sehr kreative Weise. Die zahlreichen Methoden, einen Hubschrauber aus dem Gleichgewicht und womöglich ganz aus der Luft zu holen, die uns das Actionkino und nicht zuletzt auch die Stirb Langsam-Reihe bisher beschert haben, erweitert Stirb Langsam 4.0 dabei um zwei weitere, immerhin ziemlich originelle. Hydranten eignen sich eben nicht nur zur Feuerbekämpfung.

So wenig sich Stirb Langsam 4.0 mit Exposition und Charakterzeichnung aufhält, so wenig hält es allerdings im Verlauf des Films noch echte Überraschungen bereit. John McClane erreicht schon sehr rasch seinen typisch hohen Zerschrammtheitspegel, und während in den Vorgängerfilmen die Handlung immer neue Wendungen nahm, beschränkt sich der Wandel hier auf Ortswechsel und entsprechend anders organisierte Schusswechsel.

Stirb Langsam 4.0

Was diesen Film also am Laufen hält und verhindert, dass er trotz seiner 129 Minuten Länge nicht allzu große Längen enthält, lässt sich vor allem mit einem Wort umschreiben: Action. Und natürlich berührt er jenes Gefühl der Verletzbarkeit, dass anscheinend nach „9/11“ ein amerikanisches Grundgefühl geworden ist – nicht umsonst tauchen immer wieder Vertreter des im übrigen hier weitgehend unfähigen Department of Homeland Security auf.

Glücklicherweise verzichtet Wiseman aber darauf – obwohl die Handlung am amerikanischen Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, spielt – den Film trotz aller Bedrohungsrhetorik als patriotische Tour de force à la Independence Day (1999) anzulegen. Das wäre doch sehr uncool und unironisch gewesen, und so gar nicht wie John McClane.

Kommentare


Walter Sobchak

Ser größte Schrott den ich - nach the village und vidocq - jemals gesehn habe. Unerträglich. Da schau ich lieber weiterhin Teil 1-3.


Michael M.

Ich fand den Film auch scheisse.Man sollte sein Geld fürs Kino einklagen.So viele Handlungsfehler habe ich keinem Film zuvor gesehen.Als bestes Beispiel ist hier das Ende zu nennen, wo er (McLane) mit einem LKW seine entführte Tochter verfolgt.Er schiebt mit dem LKW mehrere Auto an die Seite rammt sogar eine Säule der Brücke, doch in der Nächsten Scene ist davon am LKW nichts mehr zu sehen.Es gibt unzählige solche Fehler im Film die ihn einfach unglaub würdig machen.Stirb Langsam bleibt daher für eine Trilogie mit einer unbedeutenen Fortsetzung.


Peter Herber

Stirb langsam 4.0 hing lange Zeit in der Warteschleife. Das größte Problem war dabei wohl das Drehbuch, denn das Prinzip des Helden wider Willens wurde nach dem Erfolg der ersten Teile oft kopiert. Nun ist es also nach über 10 Jahren gelungen John Mclane wieder in einen Einsatz zu schreiben. Doch was Len Wiseman da präsentiert ist leider eine Kopie einer Kopie einer Kopie. Wo die anderen drei Teile mit überraschenden Wendungen und abwechslungsreichen Gegnern auftrumpfen konnte, versucht "live free and die hard" die doch recht flache Story durch möglichst viele Ortswechsel in die Länge zu ziehen. Farblose Gegner und Logiklöcher allenthalben inklusive.(Allein der Anfang (!SPOILER!: Wenn die Terroristen sich die Mühe machen und Sprengsätze in die Rechner einbauen und dann sowieso vor der Tür warten, warum nehmen sie dann nicht gleich Fernzündern wenn die Hacker nicht mehr gebraucht werden, anstatt darauf zu warten, dass selbige sich selbst in die Luft jagen). Die Aktion kommt dabei nie zu kurz, doch zum Ende hin wird es immer unglaubwürdiger. So wirkt der Showdown eher wie aus Mission Impossible als aus Stirb langsam. Der einzige der bleibt ist John Mclane. Seine Sprüche und seine rohe direkte Gewalt. Bleibt zu hoffen, dass John McTiernan bei Teil 5 nicht wieder gerichtlich verhindert ist, und (wieder) mit seiner besten Genre-Figur ein Comeback feiert. Das wird zumindest kein Standard-Action-Werk wie Stirb langsam 4.0.


Coldkaffee

Ich weiß garnicht was die Leute hier alle haben, ich finde das Stirb Langsam 4.0 der beste Action Film ist der seit einigen Jahren ins Kino gekommen ist. Es gibt keinen Film der so ohne Pause knallt wie dieser, scheiß auf Handlungsfehler, einfach hinsetzen die Action und John´s Sprüche genießen! Super Film bitte mach Teil 5!






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