Stimmen aus dem Wald

Mehr als 100.000 Menschen wurden zwischen 1941 und 1944 in einem kleinen Dorf in der Nähe der litauischen Hauptstadt Vilnius umgebracht. In Stimmen aus dem Wald können einige der wenigen Überlebenden von diesen Massakern berichten. Die Bewohner des Dorfes, die zu jener Zeit dort lebten, wussten aber immer, was im Wald vor sich ging; der Film dokumentiert auch ihre Rechtfertigungsversuche und Schuldzuweisungen.

Stimmen aus dem Wald

In Ponar, einem kleinen Dorf zehn Kilometer westlich von Vilnius, der Hauptstadt Litauens, wurden zwischen 1941 und 1944 mehr als 100.000 Menschen umgebracht, 70.000 von ihnen waren Juden. Ein Einwohner Ponars, Kazimierz Sakowicz, beschloss heimlich alles aufzuschreiben, was er hörte und sah. Insgesamt dokumentierte er in seinem Tagebuch 835 Tage des Genozids.

Ausgehend von diesen Aufzeichnungen berichtet Stimmen aus dem Wald von Menschen, die in unmittelbarer Nähe eines Massenhinrichtungsplatzes lebten. Die Autoren Limor Pinhasov und Yaron Kaftori folgen in ihrem Film, der 2003 beim Internationalen Filmfestival in Jerusalem uraufgeführt wurde und ein Jahr später auch im Forum der Berlinale lief, ganz der Dokumentarmethode, die auch Claude Lanzmann in Shoah (1985) verwendete. Sie zeigen unter Verzicht auf Archivmaterial oder gar nachgestellten Szenen die Orte des Verbrechens in ihrem heutigen Aussehen. Sie interviewten einige der wenigen Überlebenden an diesen Orten und haben die Bewohner der umliegenden Dörfer befragt, die schon 1941-43 dort lebten. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur, wie unterschiedlich die schrecklichen Vorkommnisse wahrgenommen wurden, sondern wie heute niemand die Verantwortung für das Geschehene übernehmen will und jeder die Schuld bei den Anderen sucht.

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