Step Up 3D

Nach bewährtem Muster, ergänzt mit der sehr gut zum Genre des Tanzfilms passenden 3-D-Technik, geht die Step-Up-Reihe (Teil 1, Teil 2) in die dritte Runde.

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Es gibt, ungefähr am Ende des zweiten Drittels von Step Up 3D, eine Szene, die einen versöhnt mit diesem ansonsten so ärgerlich glatten und belanglosen Film. Zu einer alten Melodie („I Won’t Dance“, aus dem Astaire/Rogers-Vehikel Roberta von 1935) steckt man plötzlich mittendrin in einer reizenden Hommage an die Musical-Ära Hollywoods. Die Nummer ist sogar im Stil von damals gedreht, nämlich als eine einzige lange Kamerafahrt. Die führt eine Straße in New York entlang, deren Kulisse (Bürgersteig, Treppen, Laterne) und Requisiten (Mülleimerdeckel, Sofa) in den Tanz einbezogen werden.

Es ist auch die einzige Szene, in der der Tanz etwas erzählt: nämlich von der Freundschaft zwischen Moose (Adam G. Sevani) und Camille (Alyson Stoner), die im dritten Teil der Step-Up-Reihe von Baltimore nach New York gezogen sind, um zu studieren (die Geschichten und Figuren der einzelnen drei Teile haben fast nichts miteinander zu tun). Es gibt noch eine weniger gelungene Tango-Szene, die ebenfalls versucht, aus dem Schema auszubrechen, aber alle anderen Nummern des Films laufen nach immer dem gleichen Muster ab. Sie sind visuell beeindruckende, aber leere Spektakel, die in regelmäßigen Abständen immerhin Erholung von der himmelschreiend banalen Handlung bieten.

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Neben zwei parallel laufenden Liebesgeschichten, die jeweils eine andere Altersgruppe im Publikum ansprechen sollen, besteht die Geschichte von Step Up 3D hauptsächlich aus dem Abhaken von möglichst vielem, was ein junges Publikum heutzutage so interessieren könnte: Ein wenig Turnschuh-Fetischismus, ein wenig Parkour-Akrobatik, ein wenig YouTube-Generation (einer der Charaktere dreht einen Dokumentarfilm).

Die in Teenager-Filmen immergleiche Botschaft spricht auch hier von der Überwindung sozialer Schranken und ruft dazu auf, für seine Leidenschaft zu kämpfen – wirkt aber sehr hohl, wenn man sieht, wie wenig Widerstand die mehrfach begabten Protagonisten überwinden müssen. Du weißt nicht, ob du Physik studieren sollst, wie deine Eltern es wollen, oder Tanz, wie du es willst? Macht nichts, dann schreibe dich einfach in beiden Fächern ein!

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Regisseur Jon M. Chu hat auch den zweiten Step Up-Film gedreht (Step Up 2: The Streets, 2008); er etabliert sich gerade in Hollywood als Musik- und Tanzfilmspezialist. Seine Inszenierung ist geradezu erholsam klassisch. Chu lässt sich nicht – was beim Thema des Films zu erwarten wäre – von den desorientierenden Schnittfolgen der auf jugendlich getrimmten MTV-Videos inspirieren, sondern vielmehr von alten Vorbildern aus jener Ära, der er die eingangs erwähnte liebenswerte Hommage widmet. Auch die 3-D-Technik lenkt nicht ab, sondern wirkt schon nach kurzer Zeit wie ein natürlicher Bestandteil. Die Street-Dance-Battles mit all ihrem angeberischen Gestus und den mit viel zu viel Hokuspokus ausgestatteten Choreografien sind stets entspannt zu verfolgen, wenn auch arg redundant.

Wobei die Redundanz vor allem daher rührt, dass Step Up 3D noch nicht einmal den Versuch unternimmt, diese Szenen in die Handlung einzubauen. Sie sind nur einzelne Runden in einem „World Jam“ genannten Wettbewerb. In jeder Runde wird ein bisschen variiert, aber im Grunde ist es einfach mehrmals dieselbe Szene. In der Erinnerung bleibt eine frühe Choreografie mit staubigen Bauarbeitern und eine mit viel Wasser, in der der erst 17-jährige Adam G. Sevani, der die Hauptfigur Moose spielt, ein wenig aussieht wie Michael Jackson.

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Dazu muss man sagen, dass Sevani ansonsten überhaupt nicht aussieht wie irgendjemand anders und sich deshalb vom Rest der Besetzung angenehm abhebt (zusammen mit Alyson Stoner, deren Camille über weite Strecken des Films leider vergessen wird). Interesse daran, aus seinem seichten Moose einen wirklichen Charakter zu machen, hatte aber bei der Produktion von Step Up 3D offensichtlich niemand.

Trailer zu „Step Up 3D“


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