Stealth – Unter dem Radar

Für anspruchsvolles Kino ist Regisseur Rob Cohen (Triple X, 2002) nicht bekannt. Mit Stealth – Unter dem Radar hat er sich nun an ein Thema herangewagt, von dem er besser die Finger gelassen hätte: künstliche Intelligenz.

Stealth - Unter dem Radar

Ben Gannon (Josh Lucas), Kara Wade (Jessica Biel) und Henry Purcell (Jamie Foxx) sind drei Elitepiloten der US-Navy, die Einsätze mit hochmodernen Tarnkappenbombern (Stealth Bomber) fliegen. Ihr neuer Auftrag: Sie sollen einen Stealth Bomber, der über eine hochentwickelte künstliche Intelligenz verfügt, auf seinen Einsatz vorbereiten. Jedoch geraten bei E.D.I. – so der Name der sprechenden, Musik herunterladenden (!) Superwaffe – schon bald einige Schaltkreise durcheinander und er beginnt, eigenmächtig Ziele anzugreifen und arme Zivilisten ins Nirvana zu bomben. Der Rest der Story erklärt sich von selbst: E.D.I. aufhalten, unschuldige Menschen retten, USA und Ende gut.

Stealth – Unter dem Radar erfüllt alle gängigen Klischees anspruchslosen Hollywood-Action-Kinos. Das sieht man vor allem an den völlig flachen, stereotypen Charakteren: Gannon ist das harte Alpha-Männchen mit weichem Kern, Wade die coole Kampfbraut und Purcell der Komiker vom Dienst. Warum ausgerechnet Oscar-Gewinner Jamie Foxx sich nach schauspielerisch und inhaltlich anspruchsvollen Rollen in Filmen wie Ray (2004) und Collateral (2004) für eine Rolle hergibt, die unterschwellig die rassistische Vorstellung vom immer fröhlichen, promiskuitiven Afroamerikaner reproduziert, ist dabei besonders rätselhaft. Ebenfalls mit von der Partie sind in Cohens Machwerk Vertreter der Schubladen „skrupelloser Vorgesetzter“, dargestellt von Sam Shepard, und „genialer, weltfremder Wissenschaftler“ (Richard Roxburgh). Letzterer hört – wie könnte es auch anders sein? – auf den klangvollen Namen „Dr. Orbit“.

Stealth - Unter dem Radar

Handwerklich bietet Stealth solide, wenn auch gewohnte Kost: Neben den zumeist nett, wenn auch nicht allzu realistisch anmutenden Computer-animierten Flugsequenzen sind Genre-typische Explosionen und Schusswechsel – inklusive Zeitlupe à la John Woo – mit namenlosen bösen Buben en masse zu sehen. Dass die menschlichen Gegenspieler beim finalen Gefecht aus dem kommunistischen Nordkorea stammen, das der US-Regierung schon lange ein Dorn im Auge ist, ist vermutlich kein Zufall. Eine romantische Nebenhandlung darf natürlich ebenfalls nicht fehlen, jedoch ist diese dermaßen plakativ in die hohle Story eingebaut, dass sie genauso gut fehlen könnte.

Dass der amerikanische Hurra-Patriotismus in dem Film oft allzu pathetisch und durchwegs positiv besetzt daher kommt, sollte nicht weiter verwundern, denn für die Dreharbeiten stellte das amerikanische Verteidigungsministerium den Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ zur Verfügung. Natürlich sind Kooperationen zwischen Hollywood und dem US-Militär nichts grundsätzlich Neues (siehe Spielbergs Krieg der Welten), doch Stealth könnte man, die nötige Prise Zynismus vorausgesetzt, durchaus als Propagandafilm für die „preemptive strike“-Politik der Bush-Regierung interpretieren. Wenn man diesen Gedankengang fortführt, könnte der Film nicht nur als indirektes Bekenntnis zur Legitimität der „Weltpolizei“ USA, sondern auch als Rekrutierungsstreifen für das amerikanische Militär gedeutet werden. So betrachtet macht nämlich Sinn, was handlungstechnisch irrelevant bleibt: Nämlich dass das Heldentrio nach Feierabend in äußerst schicken Nachtclubs verkehrt, die beiden Herren in der Flieger-Clique regelmäßig gutaussehende, namenlos bleibende Damen abschleppen und der fröhliche Fliegerverein etwa in der Mitte des Films auf einen voll bezahlten Traumurlaub nach Thailand geschickt wird. Andererseits könnte das überflüssige Feriensegment auch einzig und allein dem Zweck dienen, Jessica Biel im Bikini herumalbern zu sehen.

Stealth - Unter dem Radar

Die Dialoge in Stealth fügen sich nahtlos ins weitgehend intelligenzfreie Gesamtkonzept ein, was teilweise auch an der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche liegen könnte. Allerdings muss man der deutschen Synchronisation zugestehen, dass sie für den einen oder anderen Lacher sorgt. Beispielsweise, wenn E.D.I. sich einem Befehl Gannons widersetzt: „Blechbüchse wird nicht abbrechen. Blechbüchse setzt Angriff fort.“ Unfreiwillig komisch ist auch Dr. Orbits Beschreibung von der Lernfähigkeit des sprechenden Wunderflugzeugs: „E.D.I.s Verstand kennt keine Grenzen, er lernt von Adolf Hitler genauso wie von Captain Kirk, das ist für ihn Jacke wie Hose!“

Alles in allem ist Stealth ein völlig überflüssiger Actionstreifen nach 08/15-Machart, bei dem vor allem der Intelligenzquotient der Zuschauer Unter dem Radar fliegen wird. Wer aber Triple X (2002) oder The Fast and the Furious (2001) schon mochte, könnte an diesem Film seine Freude haben, denn Cohens Hang zu dumpf-brachialer, opulent in Szene gesetzter Action findet sich hier wieder. Und wer auf grottenschlechte Filme mit unfreiwillig hohem Trash-Faktor steht, was ja durchaus seinen ganz eigenen Reiz haben kann, sollte Stealth ebenfalls eine Chance geben.

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Kommentare


Aylon

Ich werde mir den schrott erst gar nciht ansehen!


Skilled_sniper

Als Kenner der Militärtechnik musste ich noch im Kinosaal zynisches Grinsen und Flüche gegenüber dem Regisseur unterdrücken. Noch nie habe ich in einem Film so viel Lügen, Erniedrigung, offenen Hass, Idiotie und Unreife gesehen.

Drei angeblich elitäre US-Piloten, die im besten Falle pubertierenden Kindern gleichkommen, wärmen die Sitze neuester hyperschallschneller Jagdbomber, die sogar F-22 weit hinter sich lassen. Im Handeln einer künstlichen Intilligenz, dessen Entwickler sich in seiner Freizeit offenbar gerne mit Gruppensex beschäftigt, taucht ein Fehler auf und schon beginnt das Desaster. Bei Einsätzen der glorreichen vier kommen beim Zuschaur Anfälle von Ironie hoch, wenn ein Gebäude mitten in einer südostasiatischen Metropole einfach so zerstört wird, weil da Terroristen drin sind. Eine Pilotin wird von einem Dragunow-Gewehr angeschossen,überlebt(!) und schafft es aus eigener Kraft über halb Nordkorea hinweg(!) nach Süden zu laufen, ein nordvietnamesischer Soldat stirbt jämmerlich im Stacheldraht. Dies alles wird vom Chef der USS Abraham Lincoln beobachtet, der nur darauf wartet sich eine Kugel durch den Schädel zu jagen. Die Höhe der Ironie ist allerding der Luftkampf zwischen russischen und amerikanischen Maschinen.
Su-37 - die wendigsten Jagdbomber der Welt werden wie fette Gänse abgeschlachtet.
Fazit:
Der Film muss gesehen werden - seine Debilität lässt sich in Worten kaum erfassen.






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