Stay

Mit sehr stilisierten Bildern erzählt Stay die Geschichte des Psychiaters Sam Foster, dessen Leben durch einen neuen Patienten aus der Bahn geworfen wird. Der Mysterythriller definiert sich vor allem über seine Technik.

Stay

Die Weiterentwicklung der Filmtechnik hatte stets auch ästhetische Konsequenzen. Der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm beendete avantgardistische Montagekonzepte zumindest im Mainstreamkino, die flächendeckende Einführung des Farbfilms in den 50er Jahren sorgte dafür, dass vor allem in Hollywood Stoffe mit hohem Schauwert, wie etwa Historienfilme, an Popularität gewannen. Die digitale Revolution seit Beginn des letzten Jahrzehnts brachte dem Kinopublikum bislang vor allem einen beispiellosen Special Effects Overkill und damit verbunden die Renaissance fantastischer Genres wie des Superheldenfilms. Langsam werden die Auswirkungen der neuen Technik jedoch auch in den Bereichen des Kinos spürbar, in welchen Special Effects im klassischen Sinne eine viel geringere Rolle spielen. Stay, eine Mischform aus Melodram und Mysterythriller, kann hierfür als Beispiel dienen.

Der in Deutschland geborene Marc Forster, hierzulande vor allem durch den Film Monster’s Ball (2001), der Halle Berry einen Oscar einbrachte, bekannt geworden, erzählt in seinem neuen Werk Stay die Geschichte des Psychiaters Sam Foster (Ewan McGregor). Dieser übernimmt von einer Kollegin den nach einem Unfall an Amnesie leidenden Kunststudenten Henry Letham (Ryan Gosling) als Patient, der ihm gegenüber seltsame Prophezeiungen ausspricht, die sich allesamt erfüllen. Als Letham schließlich seinen eigenen Selbstmord ankündigt, beginnt Foster die Geschichte seines Patienten genauer zu untersuchen. Er gerät dabei unter immer stärkeren psychischen Druck und gefährdet auch die Beziehung zu seiner ebenfalls mental instabil erscheinenden Frau Lila (Naomi Watts).

Stay

Auf der Handlungsebene ist Stay ein Mysterythriller, der mit ähnlichen Motiven spielt wie M. Night Shyamalans The Sixth Sense (1999) und zahlreiche andere Filme, die nach dessen überraschenden Erfolg erschienen. Forster adressiert Themen wie Gedankenübertragung und Spiritismus, der Zuschauer muss sich stets die Frage stellen, ob die Bilder die Realität der Protagonisten darstellen oder deren Träume, und, soviel sei verraten, das Ende stellt noch einmal den gesamten, überaus komplexen Plot auf den Kopf. Was Stay jedoch von anderen Genrebeiträgen abhebt, ist sein außergewöhnlicher visueller Stil.

Von Anfang an fällt auf, dass Forster seine Geschichte fast ausschließlich in Groß- und Nahaufnahmen erzählt, die Kamera ist stets nah an den Figuren und bleibt auf ihre Gesichter fixiert, während der Hintergrund durch den Einsatz von Weichzeichnern verschwimmt. Fast nie verschafft die Regie dem Zuschauer einen Überblick über den gesamten Handlungsraum, verweigert ihm oft jegliche Orientierung, auch die Wechsel zwischen den unterschiedlichen Örtlichkeiten erschließen sich meist nicht sofort, sondern müssen aus dem Kontext rekonstruiert werden. Die Montage in Stay gehorcht nicht immer der klassischen Logik des Erzählkinos, welches auf dem Prinzip der Einheit von Zeit und Raum beruht, sondern verbindet unterschiedliche Zeit- und Realitätsebenen auf assoziative Weise. Außerdem sorgen immer wieder ungewöhnliche Kamerapositionen, etwa direkt über den Figuren, dafür, dass die Räumlichkeiten, in denen Sam Foster das Geheimnis seines seltsamen Patienten zu lösen versucht, jegliche Tiefe zu verlieren scheinen, was die Orientierung zusätzlich erschwert. Stellenweise lösen sich die Aufnahmen fast in abstrakten Mustern auf.

Stay

Mit zunehmendem Fortgang der Handlung werden obige Techniken augenfälliger. Das letzte Drittel des Films erinnert an einen Fiebertraum, die Orientierungslosigkeit der Hauptfigur wird auf stilistischer Ebene durch hektischer werdende Kamerabewegungen und teilweise unmotiviert erscheinende Zeit- und Raumsprünge fast im Sekundentakt dargestellt. Die Gesetze der Physik scheinen außer Kraft gesetzt. Immer deutlicher wird der Einsatz digitaler Verfahren bei der Bildbearbeitung. Die realen Kulissen treten im Verlauf des Films zunehmend in den Hintergrund und werden von atmosphärischen Licht- und Farbeffekten dominiert, die den gesamten Bildraum mit zusätzlichen Texturen überschreiben.

Stay ist ein Film, der sich vor allem über seine Technik definiert und als solcher ist er durchaus interessant. Wo Peter Jacksons King Kong (2005) und zahllose andere Blockbuster digitale Verfahren dazu einsetzen, den Zuschauer mit spektakulären Effekten, die sich vor allem durch ihre pure Quantität auszeichnen, zu überwältigen, gelingt es Marc Forster, die neuen Produktionsmöglichkeiten für eine in sich schlüssige Ästhetik nutzbar zu machen – nur gelingt ihm dabei kein wirklich guter Film.

Die zu wenig ausgearbeiteten und teilweise stark stereotypen Charaktere tragen die Thrillerhandlung nicht wirklich, von den Schauspielern in den Hauptrollen überzeugt nur Naomi Watts. Vor allem Ewan McGregor als Sam Foster bleibt bis zum Ende blass, bietet dem Zuschauer keinen Halt. Auch die mystisch esoterischen Elemente der Handlung erscheinen teilweise etwas beliebig und distanzieren den Zuschauer noch weiter von der Geschichte und den Charakteren. Weil Forster die stilistische Extravaganz seines Werkes nicht mit angemessenen Inhalten füllen kann, wirkt der Film so stellenweise extrem manieristisch, die Technik wird, und hier ähnelt der Film vielen aktuellen Blockbustern, zum Selbstzweck. Stay ist letztlich nur als Beitrag zur Entwicklung einer digitalen Ästhetik gelungen.

Kommentare


Malone

Wieder ein wirrer Psychoquark. Wo ist die Kunst, einfach nett anzuschauende, pseudomysteriöse Szenen aneinanderzuklatschen und nachher alles auf eine Phantasie oder Wahnsinn zurückzuführen? Bitte, verschont uns in Zukunft mit dieser Masche, die sich in der Filmbranche offenbar mangels Ideen wie die Pest ausgebreitet hat. Unverständlich, wie Kritiker auch nach der x-ten sinnlosen Psychocollage noch in Begeisterungsstürme ausbrechen können.


Jasmina

Ganz meine Meinung!! Ich habe auch keine Lust für einen Film meine Zeit zu verschwenden ohne dann zu wissen was das ganze für einen Sinn haben sollte. Der Student soll sich den ganzen Film in den "sterbenden" Sekunden nur eingebildet haben? Nur Unsinn?
der Film ist UNSINN!


Michaela

Zusammengefasst lautet der Film: Typ hat Verkehrsunfall und denkt sich vor dem Tod noch schnell nen Scheiss zusammen.

Einer der langweiligsten Filme, die je gedreht wurden.


Rainer

Naja, eigentlich schwer zu übersehen, dass der Film aus Sicht des Psychiaters, und nicht aus Sicht des Studenten gezeigt wird! So gesehen die Darstellung von 2 Menschen (seine Frau Lyla auch!), die ein traumatisches Erlebnis (Unfall und Tod) nicht voll verarbeitet haben - Stichwort posttraumatische Belastungsstörung! Insofern eine durchaus "realistische" Geschichte.


Sam

Im Gegensatz zu dem Autor der Kritik und (fast) aller Kommentatoren, muss ich sagen, dass mich der Film sehr überzeugt hat.
Allein schon filmtechnisch gesehen ist der Film sehr detailliert und symbolreich konzipiert. Man findet nahezu alle Elemente, die ein "fesselndes Leinwanderlebnis" ausmachen.
Natürlich ist die Geschichte aus Henrys Sicht beschrieben und ich würde nicht: "in den paar Sekunden, bevor er stirbt, bildet er sich so eine Psychoscheiße ein" sagen, sondern eher: Henry schafft sich eine neue Realität, die aus Zeit und Raum gerissen ist und in der er gefangen ist (wieso hat das niemand bemerkt?), deswegen sein Selbstmord - als Flucht.
Natürlich ist der Film weit interpretierbar. Man kann ihn auf psychologischer Ebene, spiritueller, oder "krampfhaft-logischer" Ebene betrachten.
Religiös gesehen befindet sich Henry im Fegefeuer und leidet, weil er glaubt die Schuld zu haben (Er sagt ja auch: "Vielleicht ist das hier ja auch die Hölle"). Seine Psyche ist durchweg einfach nur interessant und faszinierend. Die oben genannte Szene in der Bar ist der reinste Seelenstriptease (deswegen: Stripteasebar?): In seinem Gesicht kann man bis zur Seele sehen, und was diese beinhaltet, kann man auf den Bildschirmen hinter ihm betrachten: schlichtweg GENIAL.
Ich muss auch dazu sagen, dass ich mir den Film zwei Mal angesehen habe und er dann -für mich- Sinn gemacht hat. Das Puzzle fügte sich zusammen.

Der Film hat mich gefangen, sowie Henrys Realität ihn gefangen hat. Ein ganz toller Film: Danke dafür.


Stefan Schuster

Ich habe von Stay, als er im Kino anlief, nicht viel mitbekommen. Erst eine Freundin hat mich auf den Film gebracht und ich muss sagen: Wahnsinn!!!
Endlich wieder mal ein Film bei dem man nicht schon von Anfang an weis wie er ausgehen wird. Stay ist einer von den Filmen, bei denen man sich auch noch nachdem man ihn gesehen hat, mit der Handlung auseinander setzen muss.
Doch anscheinend(wie ich aus den ersten paar Kommentaren entnehme) sind solche Filme für manch Leute zu anstrengend! Man müsste ihn sich ein zweites Mal ansehen oder im nachhinein darüber nachdenken um ihn zu verstehen - ach, wie schlimm - da ist es doch einfacher sich mit seichter Unterhaltung berieseln zu lassen! Wie auch immer, jedem das seine!
Ich kann diesen Film nur jedem empfehlen der Filme "erleben" möchte und auch noch lange Zeit später etwas davon haben möchte!


Ann

Die Auflösung der Geschichte ist leider geklaut ("Lulu on the Bridge", "Mullholland Drive"). Mir war das schon vor der Hälfte des Films klar, hab aber trotzdem gehofft, daß ich mich irre. Sie hätten sich schon mehr Mühe machen müssen. Perfekte Technik reicht nicht aus für einen guten Film.


Sven

Manuela hat die Handlung auf den Punkt gebracht, weiss auch nicht, warum man den Film mehrmals dazu sehen muss. Finde den Film so gesehen logisch, im Gegensatz zu z.B. Lynch´s Mulholland Drive, der niemals wirklich "verstanden" werden kann - dies ist typisch für Lynch, was die Filme aber auch sehr interesant macht. Mulholland Drive löst sich auch nicht auf, allein von daher sind die Parallelen nur begrenzt vorhanden.

Finde Stay aber alles andere als langweilig, vor allem die Qualität der audiovisuellen Darstellung setzt Maßstäbe!


audra

Tut mir leid,aber ich hab nichts verstanden,kann mir mal jemand erklären was jetzt sache ist und wie man den film verstehen soll


lolita

wäre sehr erfreut wennn mir jemand den sinn dieses filmes erklären könnte. habe ihn leider überhaupt nicht verstanden obwohl ich ihn sehr interessant finde. bitte um antwort als e-mail.
vielen dank

gruss lolita


Andrea

Für mich ist der Film einfach nur genial. Traurig die Kommentare einiger Zuschauer, deren Emotionalität wohl noch in den Kinderschuhen steckt. Man muss schon eine gewisse mentale Reife aufbringen, um sich vom Film berühren zu lassen. Wer hier unbeeindruckt von "Scheiß" redet, verdient mein ganzes Mitgefühl!


Dr. Knyrfi

Ich habe es wirklich versucht, aber ich finde einfach keinen Ansatz für eine Interpretation.
Bitte helft mir. Jeder der kann!!!


schradi96

HILFE!!!! Bitte erklär mir jemand diesen Film! Ich würde mich über jede E-Mail freuen!


feinmechaniker

im grunde kann ich der ausgangskritik von foerster nur zustimmen (bis auf die techn. details, welche sich meiner kenntnis entziehen) und daraus kann man sehr gut die naiven fragen nach dem sinn dieses films ableiten. man kann durchaus behaupten, dem zuschauer spielraum für die eigenen gedanken und schlüsse zu lassen, aber es müsste ein ausreichend grosser raum erst einmal geschaffen werden...
letztenendes ist ein wirklich gutes stück handwerkskunst, denn der plot bzw. der versuchte sinn dahinter ist zu oft verarbeitet worden.


Aly81

Sehr geil!!
habe den ganzen film über gegrübelt. und war sehr (positiv) überrascht,dass es eine logische erklärung für dieses verwirrspiel der sinne gab. der tietel passt auch (zum verlauf und zum schluss).
geniale optiken
einfach nur Super!!
(hast recht andrea)


Dan

Sorry, aber du hast keine Ahnung. Der Film ist jawohl große Klasse. Vom Tiefgang verschreckt worden? Traurig. Hier geht es nicht um Technik...


Aly81

Sorry, wenn Du meinen Bezug auf Andrea gelesen hättest würdest du wissen, dass es mir nicht nur um Technik ging. Aber es ist doch schön, dass es noch mehr Menschen so sehen.
Danke.


anderer meinung

Ich denke doch dass der Film, bei allen Effekten die er zur Unterstützung verwendet, doch auch eine tiefgründige Geschichte erzählt und nicht in der Technik versinkt. Stay ist für mich einer jener komplexeren Filme und ich bin froh dass es das unter den ganzen mainstream filmen noch gibt...


Kingson

Hallo hab mir den Film 2 mal angeschaut, aber ich steig eifach nicht durch. Kann mir jemand helfen... würd mich echt freuen.


peter

Der Film ist visuell einfach genial. Die Story ist verworren und versucht zu visualisieren wie ein geistig verwirrter seine letzten Atemzüge erlebt. Es ist toll, dass Marc Forster den Mut hat einen Film zu machen, welcher nicht von A bis Z voraussehbar ist, wie sonst in Hollywod üblich. Weiter so!


michaelgl87

Der Film hat mir gezeigt das man keine Vorurteile haben darf. Der Film hat mich einfach nur umgehauen. Die visuelle Darstellung war echt stark. Aber Inhaltsmäßig bin ich einfach nur auf den Holzweg geblieben. Ich werde mir den Film auf jeden Fall nochmal anschauen.


fee

a ich finde auch, daß der film sehr viele fragen aufwirft und vor allem kann man viel interpretieren. mir hat der film gut gefallen und ich glaube nicht, dass man den clou schon bei der hälfte erkennen kann denn ich finde der clou spielt sich individuell ab und unabhänging von der grundidee des regisseurs. er regt zum nachdenken an über das dasein über sein oder nicht sein über leben und tod ja und sogar über religion. ich finde der film ist viel tiefgründiger als sich vielleicht viele vorstellen und ich glaube, dass ist auch das was forster damit bezwecken wollte. was ist real was ist traum oder fiktion diese frage stellt sich glaube ich jeder irgendwann mal.


Pyccak1987

Also ích fand den film einer der ungewöhnlichsten den ich je gesehen habe.. bei den Film habe ich sooo viele Gedanken entwickelt wie noch bei kein anderen Film.. zwischendurch habe ich schon spekuliert ob der Psychiater und der Patient ein und die selbe Person sind .. aber dann wurd ich doch immer wieder von dem Gedanken weggezogen weil es vieles kein Sinn ergab und am Ende saß ich auch da und wusste nicht ganz was da geschehen ist.. doch nach längerem überlegen hab ich mir ein Interprätation des Films überlegt.. es ist eine Theorie des Geschehens kurz vor dem Tod... und ich finde sehr gut umgesetzt.. ob man die Theorie teilt oder nicht .. es ist ein sehr intilligenter Film.. und die Aussage einiger Bewerter dass es ein Schwachsiniger Film sein soll ist nicht nachvollziehbar.. die jenigen sollen einfach weiter die Scheiss Mainstream Hollywood mit Happyend angucken und gar nicht auf solche Kritik Seiten gehen und Leuten die Ansicht von guten Filmen zu verderben... so!


Paige

Ich liebe diesen Film und für mich ist dieser Film ein Stück Kunst. Etwas, das man nicht alzu oft zu Gesicht bekommt.
Ich sehe es da so wie Pyccak1987. Der Film hebt sich von der Masse ab und wer meint dieser Film sei absoluter Mist hat ihn wahrscheinlich nicht richtig verstanden. Er ist psychologisch und auch künstlerisch richtig gut durchdacht und in jeder Szene stecken in jeglicher Art irgendwelche Symbole oder Schlüssel, die einen so richtig in die Welt von Henry reinziehen. Für mich ist der Film ein echtes Meisterwerk und kann in so viele verschiedene Richtungen interpretiert werden wie bei keinem anderen Film, den ich bisher gesehen habe. Nun ja, aber wer halt eher auf diese klischebehafteten Filme steht, die jedes Jahr so ins Kino kommen... Der wird diesem Film einfach nichts abgewinnen. Schade eigentlich.
Ach und noch was: Die Schauspieler -allen vorran Ryan Gosling- leisten faszinierende Arbeit.
Und wer sich gerne mit Philosophie, Kunst und/oder Psychologie beschäftigt sollte diesen Film auf jeden Fall gesehen haben.


petras

man muss schon sehr jung, unerfahren oder schlichtweg unterintelligent sein,um diesen primitiven Esotherikmurks gut zu finden.

Man schaue sich den 007 Film von diesem unerträglichen Pretender Regisseur an und weiß, mit wen man es zu tun hat. Oberamtliches Hauptschulzertifikat. Sorry, aber bei solchen Filmen kommt mir Zensur in den Kopf.


fini

also wenn ich mir die kommentare hier so durch lese hmm naja auf jeden fall ist das einer der besten filme die ich je gesehen habe, ich habe ihn mir zwar ein paar mal ansehen müssen bis ich alles verstanden habe aber der schluss ist echt klasse und ich denke wer diesen film für blödsinn hält hat keine ahnung aber bitte geschmäcker sind verschieden


Pygman

also wenn ich mir die Kommentare so durchlese, dann scheint der Film doch das geschafft zu haben, was man heutzutage angeblich braucht um erfolgreich und sympathisch zu sein: Die Eigenschaft zu polarisieren ;)

Ich habe den Film auch zweimal angesehen und fand mich anschließend vieler spannender Gedanken bestätigt - das an sich hätte mir schon gereicht, viel mehr kann man kaum von Filmen erwarten.

Esoterik ist meiner Meinung nach ein viel zu weiter Begriff um den Film darauf zu reduzieren - wie schon von anderen beschrieben: man kann es auch Psychologie, Philosophie und Kust nennen - ich denke vor allem Kunst...


Poseidon

Ich habe den Film richtig verstanden: Was bis zum Autounfall auf der Brücke geschah, war das Nahtoterlebnis welches sich im Kopf von Henry abspielte. Die Protagonisten
in Henrys Mix aus Nahtoterlebnis und möglicher psychischer Vorschädigung, waren alle am Unfallort beteiligten Personen. Sam ( Psychiater ) war ebenfalls in diesen Unfall verwickelt.
Die Freundin und Eltern im Auto von Henry waren sofort tot, haben in seinem Nahtoterlebnis jedoch trotzdem eine Rolle gespielt. Sam und dessen Freundin sind in der Realität
nie zusammen gewesen, dies war ein Konstrukt von Henrys Fantasie kurz vor seinem Tot. Wie auch alle anderen vor dem Autounfall gezeigten Geschichten, sind sie bloss Bestandteil
dieser Mischung aus Nahtoterlebnis und eventueller Vorschädigung der Psyche von Henry. Die psychische Störung von Henry wird nirgends explizit erwähnt und ist somit spekulativ.
Was aber sicher ist, wie erwähnt, ist, dass Henry während er im Sterben lag sich alle sich an der Unfallstelle befindenden Personen miteingestrickt hat in seine kurz vor dem Tot eintretenden Eindrücke.
Einfacher formuliert: Bis auf den Autounfall auf der Brücke, hat sich nichts vom Rest des Films in der Realität abgespielt, sondern ist nur ein Konstrukt aus Henrys Nahtoterlebnis mit den dazugehörenden
umstehenden Menschen des Unfallortes.


Bong

Also ein Thriller ist es nicht - müsste eigentlich unter Fantasy geführt werden! Wer noch auf Inhalt Wert legt brauch sich das Filmchen nicht ansehen! Wer hübsche Bilder mag guckt sich das Filmchen an!


Chris

Die Umsetzung der Fantasie des in den Tod gleitenden Henry, die er aus seinen letzten Wahrnehmungen und früheren Erinnerungen zusammensetzt, verbindet eine gelungene assoziative Ästhetik und das beklemmende Leitmotiv des Schuldgefühls.

Die Qualität des Films wird daran erkennbar, dass diese Schuld Henry's nicht nur das Interesse weckt zu erkennen, worin diese besteht, sondern dass man sie als Zuschauer nachempfinden kann, dass sie tatsächlich berührt, und das obwohl sie nicht einmal im Film selbst wirklich existiert. Dass das so ist, liegt vor allem an einem überzeugenden Ryan Gosling, an den filigranen, manchmal fast poetischen Dialogen und an einer sehr soliden Regie, aber auch an exzellenter Schnitt- und Kameratechnik. Die digitalen Effekte tragen ihr Scherflein bei, man sollte sich von ihnen aber nicht zu sehr ablenken lassen (wie die Kritik oben es offenbar getan hat). Insgesamt liegt der Film in jeder Hinsicht deutlich über dem Kino-Durchschnitt.

Es lohnt sich, stay mehrfach zu sehen, um die zahlreichen Symbole und Anspielungen entschlüsseln zu können - erst dann entfaltet der Film seine eigentliche Wirkung. Hier wie auch anderswo gilt letztlich: Wer die Augen öffnet, wird auch etwas sehen.


kringelblume

Einer dieser Filme, die niemand kennt, aber die so berührend und bildgewaltig sind, dass man sie nie wieder vergisst. Hollywood ist also keineswegs tot, nur dass, was dort an der Oberfläche (bzw. bei uns im Multiplex-Kino) schwimmt...

Wie hat jemand so schön gesagt: Das einzig Verwirrende an Stay ist die endlose Flut negativer Kritiken. Dabei findet sich immer eins von 4 folgenden Mustern:

Variante 1: Film wurden nicht verstanden ("Psychoquatsch"). Muss man nichts zu sagen...
Variante 2: Der Film erschöpft sich in seiner opulenten Technik / Ästhetik und entfaltet keine Dramatik (s. die Kritik hier von Hr. Förster). Evtl. spielt hier Variante 1 mit rein, anders kann ich mir eigentlich nicht erklären, wie "Stay" den Zuschauer unberührt lassen kann. Die emotionale Wucht, die Bild, Ton und Regie entfalten, findet man in der Filmwelt nicht alle Tage. Vielleicht liegt das negative Echo gerade der professionellen Kritiker daran, dass ihre analytische Distanz das "Berührt werden" verhindert, weil man sich in diesen Fiebertraum einfach fallen lassen muss.
Variante 3: Den "Gag", dass die Handlung nur ein Traum des Protagonisten ist, gab es ja schon in anderen Filmen (Sixth Sense, Jakobs Ladder etc.), also ist der Film nur ein müder Abklatsch. Genauso sinnvoll wäre es zu sagen, Romeo und Julia sei schlecht, weil es dramatische Ränke-Liebesgeschichten auch schon vorher zur Genüge gab. Muss ein Film denn immer gleich alles neu erfinden?
Variante 4: "Ich habe bereits nach 5 Minuten durchschaut, dass alles nur ein Traum ist - voll langweilig". Ein bisschen ähnlich wie Variante 3, nur noch gewürzt mit einem intellektuellen Überheblichkeitsgestus. Dass - wie viele Kommentare zeigen - sich die Kraft des Films gerade beim mehrmaligen Anschauen entfaltet, also wenn der Überraschungseffekt schon lang verflogen ist, zeigt ja, dass die Stärken von Stay ganz woanders liegen, nämlich in der audiovisuellen Umsetzung des Filmkonzepts.

In meinen Augen ist "Stay" ein typisches Beispiel dafür, dass große Filme, Romane, Theaterstücke etc. sich oftmals dadurch auszeichnen, dass sie es schaffen, eine - bei Licht betrachtet gewöhnliche - Geschichte auf fesselnde Art und Weise neu zu erzählen. Die Handlung ist genau genommen nur Mittel zum Zweck, der eigentliche Inhalt sind die schauspielerischen Darstellungen, die assoziativen Szenenwechsel, die Dialoge, die Vertonung der dargestellten Emotionen durch den Soundtrack etc. Insofern ist der Film tatsächlich "formalistisch", aber welcher Literatur-Nobelpreisträger hat die Auszeichnung denn für die Handlung seiner Romane erhalten, anstatt für seine Sprachgewalt? Natürlich kann eine klischeehafte Handlung alles zunichte machen, aber die findet man hier nicht vor. Der Plot ist zwar nicht innovativ, aber auch nicht von Klischees überladen. Er ist einfach da und dient als Fundament für das eigentliche Filmerlebnis.

Wenn man das nicht sehen will und nur Neuigkeit als sehenswert betrachtet und sich darin gefällt, alles schlecht zu reden - von mir aus. Ich und alle anderen genießen derweil dieses Filmkunstwerk ;)


Ludi

Wunderschön..






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