Status Yo! – Kritik

In seinem Kinodebüt, einem musikalischen Episodenfilm, begibt sich Till Hastreiter 24 Stunden in die Berliner HipHop Szene und vermittelt einen authentischen und undistanzierten Einblick in das Lebensgefühl einer der wichtigsten gegenwärtigen Jugendkulturen.

Status Yo!

Der Mainstream HipHop hat in seinen Musikvideos eine Ikonographie etabliert, die sich auf eine einfache Formel reduzieren lässt: Die Zurschaustellung des eigenen Erfolgs durch Diamanten, Nobelkarossen und spärlich bekleideten Frauen. Viele der amerikanischen Rapper inszenieren sich als erfolgreiche Gangsterbosse, die aus dem Ghetto aufgestiegen sind und nun mit ihren Dollars protzen können. Es ist die große Geste der Selbstinszenierung, die im HipHop eine Rolle zu spielen scheint. Das wird ebenfalls in Status Yo! deutlich, wenn auch auf ganz andere Weise, denn der Film begibt sich in das reale HipHop-Milieu Berlins.

Till Hastreiters Film ist dokumentarische Fiktion einer Jugendbewegung, die inzwischen für einige Herangewachsene zum Lebensentwurf geworden ist. Die Protagonisten spielen sich selber, die Geschichten wurden zusammen mit den Darstellern entwickelt. Zugunsten glaubhafter Unmittelbarkeit mussten Abstriche im Dramaturgischen gemacht werden. Denn wie der Regisseur im Interview mit critic.de schildert, wurde dann, wenn sich einer der Darsteller nicht mit der Handlung identifizieren konnte, die Geschichte geändert, um dichter an die Realität des Protagonisten zu kommen. Durch diese Herangehensweise profitiert der Film einerseits von einem Grundvertrauen zwischen Darstellern und Regie. Anderseits zeigt er nebenbei die der Szene zugrunde liegenden sozial-performativen Mechanismen auf.

Status Yo!

Die Figuren sind schon da, als der Film beginnt. Keine langwierige Exposition, kein Herantasten an die Geschichten. Die Kamera steigt rasant in Situationen ein, folgt ihnen eine Weile und kurz bevor man sich vollkommen auf eine Episode oder eine Figur eingelassen hat, wechselt die Perspektive schon wieder. Aus diesen schnellen, atmosphärischen Eindrücken kristallisieren sich erst nach und nach Handlungsstränge heraus. Da sind Yaneq und Jamie, die innerhalb eines Tages einen Jam ganz ohne Geld organisieren. Saession flieht vor Geldeintreibern und gleichzeitig droht seiner Freundin Yesim, von ihrem Bruder in die Türkei verschleppt zu werden. Sera steht auf der Straße, weil sein Dealer seine Wohnung verpfändet hat. Der wortwitzige Vern versucht als selbsternannter Manager das ultimative Booking für die B-Boys an Land zu ziehen. Und der Sprayer Dany folgt seinem Traum vom „weißen Zug“, den er komplett besprühen will.

Letztendlich kämpfen alle Figuren um Anerkennung ihres Lebensstils und man bekommt den Eindruck, der alltägliche Kampf drehe sich nur darum, womit man den nächsten Joint finanziert, wie man mit der Musik zu Erfolg kommt und was man sich für Träume erfüllen würde, wenn man schließlich erfolgreich wäre. Ungewollt haftet den Selbstinszenierungen etwas Stereotypes an. Denn obwohl die Protagonisten „sich selbst“ spielen, erscheinen die vermeintlich realitätsnahen Handlungen insgesamt doch als Wiederholungen von Klischees, wie sie originär in den ersten HipHop-Filmen Wild Style (1982) oder Beat Street (1984) vorkamen. Man hat weniger das Gefühl, nah an den Menschen selbst, als an dessen Selbstentwurf herangeführt zu werden. Aber diese Selbstentwürfe sind glücklicherweise oft mit einer guten Portion Selbstironie gepaart.

Status Yo!

Neben den Geschichten über das ethnische Zusammenleben in der Stadt, über das Bangen um Jobs und Wohnung und über den Traum vom ganz großen Erfolg, machen die rhythmische Komposition und die tatsächliche Nähe zum Lebensgefühl HipHop den Film sehenswert. Stilistisch lebt der Film vom gekonnten Timing im Schnitt und einer Kameraführung, die undistanziert die Energie der Darsteller einfängt. Die authentische Grundhaltung, die der Film vorgibt, wird zudem gemixt mit Zitaten aus den medialen Kontexten dieser Kultur: Augenfällig sind Referenzen zu Old School HipHop Filmen, die Anfang der Achtziger erstmalig den eigenen audiovisuellen Stil von HipHop einfingen und der Musik sowie dem dazugehörigem Lebensgefühl ein Gesicht gegeben haben, bevor es Musikfernsehen gab. Und natürlich geht es in Status Yo! um Musik- und Breakdance-Performances, ums Scratchen und ums Rappen. Hinzu kommt ironisch gebrochenes Gangstergehabe, humorvolle Drogenrauschinszenierungen und eine herausragende Kampfszene mit Anleihen aus Kung-Fu Filmen. Das Aufgreifen dieser medialen Welten in Korrespondenz mit den realitätsnahen Handlungssträngen fügt sich filmisch zu einer kohärenten Gesamtkomposition, die weiter in die Szene hineingeht, als es eine distanzierte, der Szene außenstehende, dokumentarische Beobachtung könnte. Dabei herausgekommen ist weniger ein konzeptionell überhöhter Film als die fiktionalisierte Realität des Lebensgefühls HipHops in Berlin.

 

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Kommentare


horst

der größte scheiß, den ich je gesehen habe. wenn das den status quo der deutschen hip-hop-szene wiederspiegeln soll, dann ist diese tot, bzw. nichts weiter als ein armer haufen lächerlicher versager.


walter kreibe

Dieser Film ist ein meisterwerk!!!! hab ihn gerade zum achten mal gesehen, das ist wirklich nah an dem was geht....

Weiter so!!!

P.S. Die Musik ist der Hammer, auch der Score!!!

Respekt an den Komponisten B.Side

Walter Kreibe Berlin


isDochWurscht

einfach nur geil der film






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