Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

Vergesst die Prequels: J.J. Abrams sucht in Raumschiffwracks die Seele der Original-Trilogie und findet Lukes altes Laserschwert wieder.

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Während uns die Bewohner der Star-Wars-Welt beim interstellaren Reisen weit voraus sind, hinken sie in Sachen Geschichtsschreibung arg hinterher. Sogar Großereignisse wie ein die Galaxis erschütternder Bürgerkrieg sind dort schon eine Generation später nur noch eine im Wüstensand verschüttete Legende. So müssen sich Rey (Daisy Ridley) und Finn (John Boyega) in Star Wars: Episode VIIDas Erwachen der Macht auf die Erinnerungen des ergrauten Han Solo (Harrison Ford) ebenso verlassen wie, im allerersten Film, Luke Skywalker auf die des alten Obi Wan. Doch anders als das Kinopublikum anno ’77 kennen wir heute die alten Zeiten, von denen Solo spricht. Wo die Original-Trilogie (1977–1983) in den Köpfen ihrer Zuschauer eine mythische Vorgeschichte evozierte – und die Prequel-Trilogie (1999–2005) diese Vorgeschichte nachträglich zu einer geschichtslosen Gegenwart verflachte –, da kann die neue Trilogie nun erstmals an eine uns schon vertraute Star-Wars-Vergangenheit anknüpfen, und das ist die Basis, von der aus J.J. Abrams’ Film operiert.

Eine sichere Basis, zum einen: Es gibt wohl keine Sequenz in Das Erwachen der Macht, die nicht von dem Wissen durchtränkt ist, welche Köder sie ihrem wissenden Publikum hinzuwerfen braucht – ob Flüge mit dem schrottreifen „Millennium Falcon“, eine mit hässlichen Aliens bevölkerte Spelunke oder ein einschlägiger Wortwechsel zwischen Han und Leia (Carrie Fisher). Eine Herkulesaufgabe, zum anderen: Denn eben dieses Publikum möchte ja zugleich mit unerwartetem Neuem, oder wenigstens anders erwartetem Altem, überrumpelt werden.

A New Hope re-imagined

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Im Plotgerüst findet man solche Momente kaum. Es ist so stark an den Ur-Star Wars angelehnt, dass man ebenso von einem Re-Imagining wie von einer Fortsetzung sprechen kann. Das Imperium heißt jetzt First Order und die Rebellen Resistance, doch auch dieses Mal beginnt alles mit einem Droiden, der wegen einer in ihm gespeicherten Information gejagt wird. Auch er strandet auf einem Wüstenplaneten und gerät in Besitz eines Greenhorns – einer Schrottplünderin mit ungewisser Herkunft –; auch diese rauft sich mit einem versprengten Helden von zweifelhaftem Ruf – einem desertierten Stormtrooper – zusammen, auch ihnen ist ein schwarzer Lord mit faschistischer Streitmacht auf den Fersen – ein Darth-Vader-Fanboy namens Kylo Ren (Adam Driver), der seine Maske nicht aus Atemnot, sondern aus Stylegründen trägt –, und auch dieses Mal endet alles in einer Schlacht um eine Todesstern-ähnliche Superwaffe.

Anders als im Original ist diese Handlung kaum von eigener Spannung, sondern mehr ein Hintergrund für die „epischen“ Momente, nach denen sich das Publikum sehnt. Und was er für diese benötigt, findet Abrams in den 30 Jahren, die seit dem Ende der Originaltrilogie vergangen sind: Alle Geheimnisse, die es in den neuen Filmen zu lüften gilt, dürften in dieser Zwischenzeit wurzeln. Rey findet das verlorene Familienlichtschwert der Skywalkers, und als sie es berührt, sucht sie eine schreckliche Vision heim. Zu einem Frieden hat die Sippe, so viel sei verraten, in den drei Dekaden nicht gefunden.

Brot und Blutspuren

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Sowohl in der Bildgestaltung wie bei den Figuren geht der Film auf größtmögliche Distanz zu den missratenen Prequels. Der kurze Blick, den wir auf eine der Welten der „neuen Republik“ erhaschen können – einen Wolkenkratzer-Planeten bei Nacht –, bleibt der einzige, der an die glattpolierten CGI-Schauplätze von Episode I–III erinnert. Nach wenigen Sekunden fällt das Setting der Vernichtung anheim; wer will, mag das als Statement verstehen. Für den Rest der Spielzeit kehrt Episode VII der Zivilisation den Rücken und wendet sich Abenteuer-Planeten zu (in der Reihenfolge: Wüste, Wald, Eis); die Raumschiffe sehen so abgeranzt aus wie von Abrams versprochen, das Production Design hat sogar noch mal 30 Jahre ohne Putzkolonne und Wartungsdienst draufgelegt.

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In diesen Kulissen bewegen sich statt steifen Aristokraten wieder Figuren aus Fleisch und Blut. Erst sehen wir in einer extremen Totale Reys winzigen Körper vorm gigantischen Triebwerk eines im Wüstensand versunkenen Sternzerstörers, danach zeigt ein Close-up, wie sie lechzend die letzten Tropfen aus einer Wasserflasche presst. Durstige und hungrige Menschen sind in Star Wars ein ungewohnter Anblick, einmal backt Rey in ihrem Verschlag sogar ein Brot. Auch die Blutspuren auf Finns Helm sind die ersten sichtbaren der Star Wars-Geschichte. Crashende Raumschiffe und gebeutelte Körper haben wieder physische Wucht, die Kriegsszenen besonders am Anfang des Films einen durchaus grimmigen Ton. Für die ausgleichende Niedlichkeit ist in Das Erwachen der Macht der charmante Kugelroboter BB-8 fast im Alleingang zuständig.

Emotionale Einschläge

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Den Trilogien-übergreifenden Sympathie-Contest gewinnt die angenehm selbstbestimmte und selbstgewisse Rey gegen den naiven Luke und den nörgligen Anakin allemal. Sie wie die anderen „Neuen“ – Finn, Kylo und der Resistance-Pilot Poe (Oscar Isaac) – sind keine bloßen Behauptungen wie fast das gesamte Prequel-Personal, sie bekommen überzeugende character arcs, und auch ihre Zusammenführung mit den alten Helden ergibt sich mehr oder weniger glaubhaft. Han Solos trockener Sarkasmus prägt die Stimmung dieses Ensembles, das eigentlich bis in die Nebenfiguren rund läuft – mit dem vorerst eher lachhaften „Supreme Leader“-Alien der First Order als einzigem Ausreißer.

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Ein wenig Konfliktpotenzial wird dann allerdings doch verschenkt, weil Abrams zuletzt die Geduld verliert – für manchen emotionalen Einschlag haben wir mit den Figuren schlicht noch nicht genug Zeit verbracht. So ist eine Reminiszenz an die Mutter aller Plot-Points aus Das Imperium schlägt zurück (The Empire Strikes Back, 1980) – sprich: die überraschende Klärung eines Verwandtschaftsverhältnisses – noch kaum verdaut, als sie schon wieder zu einer noch schockierenderen Konsequenz führt. Und Rey entwickelt ihre gerade erst entdeckten Macht-Skills so atemberaubend schnell, dass sie flugs mit dem so viel besser trainierten Kylo mithalten kann. Was kann da noch kommen, fragt man sich. Und doch führt die finale Begegnung der beiden noch einmal vor, warum Star Wars mit Episode VII wieder zum Leben erwacht: Dass ein Laserschwertduell seine Spannung keiner artistischen Choreografie, sondern einem glaubhaft entwickelten Konflikt verdankt, das haben J.J. Abrams und Lawrence Kasdan besser verstanden als George Lucas.

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Kommentare


george

Achtung Spoiler –––– Es gibt ein durchweg tolles Retrodesign, eine gute neue Darstellerriege und ein paar sehr lustige und auch einige rührend bis mitreissende Momente. Die Regie ist nicht schlecht. Nach der Hälfte des Films mehren sich allerdings die Ausfälle an neuen Ideen dermaßen, dass man sich fragt, warum es nun wieder ein Todesstern sein soll? Warum hat wieder ein Droid geheime Bauplane? Warum gibt es wieder eine Hauptdarstellerin, die auf einem Wüstenplanet zurückgelassen wurde? Warum wieder ein Vater-Sohn-Konflikt? Warum wieder ein böser mit Maske, der schwer zu verstehen ist? Schlimm genug, dass es immer mehr Reboots und Remakes gibt! Nun sind selbst die Sequels Remakes.
Ein paar Szenen waren reines Fremdschämen: General Hux' Ansprache. Kilo Rens' "Konflikt" und Adam Drivers Schauspiel. Hayden Christensen war dagegen eine schauspielerische Offenbarung! George Lucas hatte immer den Mut, etwas neues zu erzählen (mal abgesehen vom Todesstern Nr2 in EVI), keine ausgelatschten Pfade zu nehmen. Das ist hier leider nicht gelungen. Die Ideenlosigkeit spiegelt sich zu guter Letzt in John Williams' Soundtrack wieder, dem leider auch nix essenzielles mehr hierzu eingefallen ist, mal abgesehen von vielleicht Reys Thema, das allerdings auch im nächsten Spielberg (BFG) Verwendung hätte finden können.


Gregor

So viel Retro in einem Sequel - ich kann mich nicht erinnern, das schon mal so einfallslos gesehen haben. Letzlich ... viel Hpye um einen fürchterlich langweiligen Film.


Jedi979

Warum sieht keiner, dass Episode 7 furchtbar war?

Achtung: Spoiler

Eigentlich wollte ich nichts dazu schreiben. Nachdem ich so viele positive Meinungen zu dem Film gelesen habe, befürchte ich, dass es sowieso keinen Sinn hat. Aber ich muss es trotzdem einmal sagen, denn es tun so wenige. Viel zu Wenige.

Ich sage es ganz offen: Ich war entsetzt von Episode 7. Und das bestimmt nicht wegen der Anleihen, die den Film hin und wieder wie ein Remake bekannter Star Wars Szenen wirken lassen. Es ist offensichtlich, dass es weitaus kreativere Ansätze im Star Wars Universum gab. Seien es diverse 80er und 90er Bücher und Comics oder auch Videospiele. Aber ansatzweise ein New Hope Remake geboten zu bekommen ist eigentlich noch okay für mich. Dritter Todesstern, zweite Yavin 4 Basis, dritter Angriff auf den Todesstern, zweites Alderaan, neues Imperium, neuer Imperator etc. stecken kreativ definitiv hinter Mara, Thrawn, Jedi Akademie und co. zurück, sind aber für mich noch akzeptabel, wenn die Story des Films wenigstens stimmen würde. Die stimmt aber nicht. Und zwar geht es in erster Linie um ganz bestimmte Aspekte, die keiner so richtig mit dem nötigen bisschen Schock und Entsetzen zu sehen scheint. Einer davon ist Han Solos Tod durch seinen eigenen Sohn. Ich weiß, ich weiß. In der Generation Games of Thrones ist das ja nicht unübliches und wird als ganz normal angesehen. Aber Star Wars ist nicht Games of Thrones. Star Wars war einmal ein Sci-Fi Märchen der 80er Jahre. Etwas, das sowohl von Kindern als auch Erwachsenen genossen werden konnte. Etwas, worauf man den Namen „Disney“ hätte jederzeit drauf schreiben können. Bei Episode 7 von Abrams steht es allerdings das erste Mal wirklich drauf, nur ist es diesmal nicht drin. Nicht ansatzweise wird dieser Film Disney oder George Lucas alter Saga gerecht.

Gehen wir zurück zu dem Film. Ich liste mal all die Sachen auf, die mir negativ auffallen:

Wir erfahren in dem Film, dass all das, was in der Original Trilogie geschehen ist, sinnlos war. Komplett sinnlos. Die Rebellion hat bei Endor gewonnen? Ja und wofür? Das noch schlimmere Typen kommen und alles wieder von vorne anfängt? Warum haben Han, Leia und Luke bitte versucht das Imperium zu stoppen? Was hatten sie davon? Han und Leia haben - weiß der Teufel warum - ein Satanskind zur Welt gebracht. Eine Erklärung dafür gibt es nicht (wie bei so vielen Sachen in diesem Film). Wir sollen also akzeptieren, dass Han und Leias Kind böse ist, weil... ja, genau... warum? Weil Han und Leia so schlechtes Erbgut haben? Weil Han und Leia sich nicht gut genug drum gekümmert haben? Weil Luke so ein miserabler Lehrmeister ist? Weil Snoke – wer auch immer das ist – so überzeugend ist? Warum zum Teufel ist das Kind böse?! Es liegt kein ersichtlicher Grund vor außer verdammt schlechter Abrams Fanfiktion. Aber nun gut. Dann haben sie ein böses Kind, weil einem ja anscheinend sonst kein besserer Bösewicht einfällt. Sie nennen es auch noch Ben. Was allein schon wieder völlig idiotisch ist. Wenn einer sein Kind Ben genannt hätte, dann wohl Luke (was er im alten Legenden Universum ja auch tut). Han hielt Ben Kenobi für einen alten Spinner. Leia kannte ihn nur als Obi-Wan aus Geschichten von Bail und hat ihn noch nicht mal persönlich getroffen. Aber Ben ist der erste Name, der ihnen für ihr Kind einfällt... Kein Kommentar. Dieses Kind also zerstört Han und Leia Beziehung. Etwas, worauf die Original Trilogie aufgebaut hat, worauf Han und Leias Charakterbogen aufgebaut haben. Harrison Ford hat immer beklagt, dass Han Solo keine Charakterentwicklung hätte. Der Film schafft es seine Charakterentwicklung in einem Schlag völlig zurückzustufen vom verantwortungsbewussten Rebellen General und zukünftigen Ehemann zum unverheirateten Schmuggler. Nur in einer deprimierenderen, abgewrackten, hoffnungsloseren Variante. Leia wird zur verbitterten Generälin, die ihr Kind verloren hat und auch mit allem Anderen abgeschlossen hat. Und Luke? Luke kriegt den aller unlogischsten und idiotischsten Part: Er ist gar nicht da. Er ist nämlich genauso deprimiert und frustriert wie Han und Leia, weil sein aus-irgend-einem-nicht-erklärbaren-Grund böser Neffe seine Akademie zerstört hat. Und dann geht Luke Skywalker ins Exil und gibt sich und die Galaxie auf – der Held der Rebellenallianz, derjenige, der einst sein Training abbrach, um seinen Freunden zur Hilfe zu eilen und niemals aufgegeben hat und fest an sich und seine große Aufgabe geglaubt hat. Dieser Held hat aufgegeben. Ganz davon zu schweigen, dass es eine weitere traurige Entwicklung ist, ist es absolut unglaubwürdig und nur eine schlechte Entschuldigung, dass Abrams und Kasdan anscheinend keinen Plan hatten, wie sie Luke sinnvoll in den Film einbauen. So. Und wer jetzt nicht anfängt zu sehen, dass in dem Film etwas falsch läuft, dem ist nicht mehr zu helfen.

Alle drei ehemaligen Helden sind zu deprimierten Versagern geworden, die allesamt ein dreckiges, elendes Leben geführt haben, nachdem wir sie das letzte Mal fröhlich und glücklich ihren Sieg auf Endor feiern sahen. Ich für meinen Teil bin damit nicht einverstanden. Aus mehreren Gründen. Erstmal ist das eine furchtbare Botschaft: Was soll das denn bitte sagen? Früher einmal sagte die alte Trilogie aus, dass es immer Hoffnung gibt. Die Botschaft war, dass die Helden sich dem Bösen entgegenstellen müssen um am Ende sicherlich über das Böse triumphieren. Episode 7 dagegen zeigt, dass es ein großer Fehler war, überhaupt irgendetwas gegen das Imperium zu unternehmen. Alle drei alten Hauptcharaktere haben als Dank für ihren Mut ein schreckliches Leben erhalten. Die Schlussfolgerung, die man aus Episode 7 ziehen muss, ist, dass Luke besser Feuchtfarmer geworden wäre, Han Solo Schmuggler geblieben und Leia besser fröhlich als Senatorin gelebt hätte, statt sich der Rebellion anzuschließen. Wir haben schließlich 2016. Zahlt sich heutzutage anscheinend nicht mehr aus wie in den 80ern ein Held zu sein.

Das zweite Problem ist, dass Episode 7 das Happy-End von Episode 6 mit Füßen tritt. Wie soll man sich bitte noch Rückkehr der Jedi Ritter anschauen (allein der Titel impliziert ja etwas, was durch Episode 7 gar nicht stattgefunden hat) ohne dass man an all das Furchtbare denkt, was auf die Helden zu kommt? Wie kann man noch in Ordnung damit sein oder sich für Luke, Leia und Han freuen? Und Nein – man muss das Happy-End von Episode 6 nicht zerstören um eine neue Bedrohung oder neue Probleme in der Galaxie auftauchen zu lassen. Neue Konflikte können in der Galaxie immer wieder entstehen, aber dafür muss man nicht alte Geschichten entwürdigen. Timothy Zahn, Kevin J. Anderson und viele andere Autoren der 80er und 90er Jahre haben gezeigt wie es geht, ohne die alte Trilogie zu versauen. Man muss Han, Leia und Luke kein furchtbares Leben geben. All das war absolut nicht notwendig. Und trotzdem hat Abrams es getan. Wenn man nur Mist mit den alten Charakteren baut, sollte man sie gar nicht erst zurückholen. Man kann den Stab auch an die neue Generation überreichen ohne die alte Generation wie Dreck zu behandeln.

Aber das Furchtbarste kam ja erst noch: Han Solo stirbt. Aber nicht durch irgendeinen heroischen Tod oder ähnliches, was man, wenn man Harrison Fords Einstellung zu Solo kennt, ja bereits befürchten konnte. Aber nein, so eine Art Tod wäre ja zu harmlos für das Jahr 2015 – Han stirbt durch seinen Sohn. Diese Tatsache ist so schlimm – selbst wenn es nicht Han Solo wäre, könnte ich es kaum fassen. Da steht ein armer, hilfloser, alter, völlig verzweifelter Vater, der seinem Sohn helfen will, bettelt und fleht diesen an zu Sinnen zu kommen und wird von seinem Sohn gnadenlos und auf hinterhältigste Weise hintergangen und umgebracht. Einem Sohn, der in keinster Weise mehr als interessanter oder cooler Bösewicht angesehen werden kann, sondern einfach nur eine arme, richtig schlimm geisteskranke Figur ist. Dieser psychisch kranke Sohn tötet eine Star Wars Ikone, einen Kindheitshelden. Er hätte genauso gut Mickey Maus umbringen können... Eine furchtbarere Szene als diese Stelle ist kaum vorzustellen. Niemand, NIEMAND kann mir sagen, dass das noch etwas mit dem alten Star Wars zu tun hat. Früher einmal ging es in Star Wars um Hoffnung, um Abenteuer, um Heldentaten und gute, POSITIVE Spiritualität. Star Wars hatte eine märchenhafte Magie, etwas ganz ganz Gutes, was dieses – man kann es nicht genug erwähnen – kinderfreundliche Epos umgab. Es war spaßig, mitreißend und emotional. Aber niemals auf eine fiese Art und Weise, sondern immer mit einem hoffnungsvollen, positiven Unterton. Ein psychisch kranker Sohn, der seinen eigenen, flehenden, besorgten Vater kaltblütig umbringt – der zudem noch unser aller Kindheitsheld Han Solo ist – ist etwas, was nicht in dieses einstige Abenteuer Märchen gehört. Es ist nicht nur schockierend und entsetzend, es ist so „dark“ und „gritty“, dass es schlichtweg widerlich ist. Wo ist der Aufschrei? Wo ist die Kritik? Sind etwa alle Star Wars Fans von damals so sehr durch Games of Thrones und Ähnliches verdorben, dass es keinen mehr auf die Barrikaden bringt? Das sind immerhin Han, Leia und Luke. Die meisten Kinder der 80ger und 90ger wuchsen mit diesen Figuren auf, hatten Spielzeug von ihnen, waren begeistert von ihren Abenteuern und liebten deren Geschichte. Man kann fast sagen, dass Han, Leia und Luke für all die Star Wars Fans doch so etwas sein müssten wie alte Freunde. Und will wirklich jemand sehen wie diese alten Freunde das schlimmste Schicksal überhaupt erleiden? Wie sie leiden und zugrunde gehen und damit die alte Trilogie ihre Magie verliert? Ich kann nicht im Geringsten verstehen wie Abrams – der diese Filme auch als Kind gesehen hat – so etwas mit den alten Figuren tun konnte. Noch weniger verstehe ich, wie es keinen interessiert. Geschweige denn wie dieser Film an Kinder vermarktet werden kann. Es sollte auch mal angemerkt werden, wie sehr die Kinder dadurch abstumpfen werden. Kylo Ren Kostüme werden verkauft und jedes Kind spielt dann den irren Psychopathen, der seinen Vater Han Solo umbringt und denkt, dass es ein toller Bösewicht wäre. Malbücher und Erstlesebücher werden zu dem Film verkauft. Hallo, geht es noch?! Ich bin jetzt über zwanzig und erinnere mich noch daran, wie ich mit fünf Jahren die alte Trilogie sah. Ich fand sogar Das Imperium schlägt zurück anfangs als zu dunkel. Bei Abrams seinem Film wäre ich wahrscheinlich traumatisiert gewesen. Die Kinder von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren...

Aber nun gut. Das ist er also: Der große Episode 7 Film von Abrams. Der übrigens schon im April überall im Internet stand. Trotz der großen Geheimhaltung. Ich – und auch viele andere, besonders in den englischen Foren – hatten bis zum Ende gehofft, dass diese Spoiler nicht stimmen. Luke ist nicht im Film? Nie im Leben, hat man gesagt. Abrams würde die Chance nicht vergeigen, Han, Leia und Luke wiederzuvereinigen. Und doch hat er es getan. Man muss es sich mal vorstellen. Er holt die alten Schauspieler zurück, gibt ihnen aber keine einzige gemeinsame Szene. Sonst haben wir NUR Nostalgie. X-Wings, Sturmtruppen und sogar ein Todesstern (mehr oder weniger). Schon wieder ein Todesstern! Alles da. Aber für die gemeinsame Szene war keine Zeit. Das ist dann wohl zu viele Nostalgie, oder Herr Abrams? Statt der Wiedervereinigung ist Luke gar nicht da. Auch das haben viele bis zum Ende nicht geglaubt. Es gäbe dutzende von Möglichkeiten Luke Skywalker sinnvoll in den Film einzubauen und Abrams und Kasdan degradieren ihn zum Versager, der im Film kein Wort sagt, eine Minute gezeigt wird und irgendwo rumsitzt, statt seinen Freunden zu helfen. Und die Erklärung muss man sich auch wieder einmal selbst basteln. Wo wir schon mal bei Erklärungen sind: Monatelang hat man bei den Spoilern herumgerätselt, wer Rey sein könnte. Lukes Tochter? Han und Leias Tochter? Der Film sollte angeblich Klarheit schaffen. Fehlanzeige. Abrams sieht es anscheinend nicht als notwendig an, irgendetwas in seiner schlechten Fanfiktion zu erklären. Wenn sie tatsächlich Lukes Tochter sein sollte, kann ich nur wieder schreien: WAS?! Wie zum Teufel hat Luke Skywalker sein Kind verloren? Der wahrscheinlich mächtigste Jedi aller Zeiten spürt nicht, dass sein Kind am Leben ist, oder hat anscheinend kein Interesse sich um dieses zu kümmern, weil er ja sooo frustriert ist? Bitte?! Dasselbe gilt übrigens für seinen Neffen. Der Luke Skywalker der alten Filme hätte alles getan, um seinen Neffen wieder zur hellen Seite zu bringen. Egal was dieser getan hat. Er hätte es allein schon für seine Schwester und seinen besten Freund Han Solo getan. Stattdessen lässt er sie alle im Stich und verkriecht sich in einer Höhle. Sieht denn keiner, dass in diesem Film ein Schwachsinn nach dem Nächsten folgt? Aber nun gut. Ob Rey nun Lukes Tochter ist, wird ja nicht gesagt. Ich befürchte aber, dass das der nächste Gipfel des Unlogischen ist, den Abrams den Zuschauern verkaufen möchte. Zurück zu den Spoilern: Dann war da noch der Han Solo Spoiler. Natürlich haben einige fest dran geglaubt, dass der Han Solo Spoiler eine Täuschung wäre. Natürlich – wie bei all den anderen Sachen – war es keine Täuschung. Ich zog seit April in Betracht, dass es stimmen könnte. Zwar las ich von einigen Fans, die ähnlich darüber dachten wie ich, dass es doch niemals wahr sein könnte. Viel zu dunkel, sagten sie. Abrams würde die Spoiler extra ins Internet setzen. Making Starwars ist von ihm dazu beauftragt. Abrams täuscht uns alle, damit wir im Kino überrascht sind. Luke kommt bestimmt und rettet Han. Erneut Fehlanzeige! Der ganze Film war draußen. Und es ist nahezu lächerlich, dass Abrams und Disney monatelang so eine große Geheimhaltung gemacht haben um etwas, was seit April 2015 im Internet steht.

So schlimm, wie die Han Solo Szene dann schließlich im Film war, hab ich es mir trotz Vorwissen ehrlich gesagt nicht einmal vorstellen können. Und alle finden diesen Film gut. Kritisiert wird nur, dass er zu „retro“ wäre. Ich habe auch mal gelesen, dass er zu „lustig“ wäre. Ist klar: gleich zu Beginn des Films wird ein ganzes Dorf grundlos abgeschlachtet, nur weil die böse First Order ja sooo böse ist und der Zuschauer auch bloß merken soll wie böse böse diese (angeblich so komplexen und vielschichtigen) Bösewichte sind. Dann haben wir Leia als gebrochene Frau, die für all ihre Bemühungen das Imperium zu stoppen damit belohnt wurde, dass die Galaxie schlimmer dran ist als zuvor. Ihr Bruder ist abgehauen, ihr Kind böse, aus Kummer und Schmerz hat sie sich von ihrem Mann getrennt und dieser wird auch noch von ihrem Sohn umgebracht. Spätestens als sie kurz danach in der Kontrollzentrale zusammenbricht, kann man doch nur noch den Kopf schütteln und sich fragen, was Abrams der tapferen, niedlichen Prinzessin von damals angetan hat. Als nächsten haben wir den verzweifelten Han, der seinen Sohn retten will und schließlich von seinem Sohn getötet wird, weil der ja auch so böse böse ist. Und dann ist da noch Luke, der mehr oder weniger nicht vorhanden ist und vom Helden der Galaxie zum kompletten Versager wurde – lustiger Film, wirklich. Man hat das Gefühl, Abrams und Kasdan haben sich überlegt „Wieviel Tragik kann man in 2 Stunden unterbringen?“ Oder besser noch: „Um den Film so traurig, schlimm und verzweifelt wie möglich zu machen, müssen wir versuchen alle Charaktere so unlogisch wie möglich agieren zu lassen, denn ansonsten wäre das gar nicht möglich. Wie viel Unlogik kann der Zuschauer verkraften?“. Man kann BB8, Rey und Finn noch so witzige Dialoge und Szenen geben - Das gleicht aber nicht den furchtbar schrecklich traurigen Subplot aus, der im Hintergrund das tragische Schicksal unserer alten Helden behandelt. „Lustig“ ist der Film definitiv nicht. Einer von den Kritikern wollte sogar John Williams Musik kritisieren, die wie immer großartig ist und an dem Film vergeudet wird.

Keiner, kein einziger scheint zu sehen, was wirklich falsch in diesem Film läuft. Wir haben großartige Musik, geniale Spezialeffekte und tolle Bilder. Die Schauspieler, alt und neu, sind auch alle großartig (besonders Daisy Ridley ist wundervoll). Nur leider werden Musik, Spezialeffekte und Schauspieler an ein Skript verschwendet, das einer schlechten, billigen, unlogischen Fanfiktion gleicht, die von jemandem geschrieben wurde, der eine ganz besonders fiese Fantasie hat und mit dieser Star Wars zerstört und George Lucas alte Saga mit Füßen tritt. Eine unwürdigere Fortsetzung für ein zeitloses Märchen hätte es nicht geben können. Ich (und ich bin da sicher nicht alleine) wollte noch einmal ein spaßiges Abenteuer mit Luke, Leia und Han sehen. Leia und Han, die zusammen sind und nach ihrem langen Kampf gegen das Imperium ein glückliches Leben hatten. Ich wollte den Luke von damals sehen. Ein Luke, der etwas erreicht hat. Der eine Jedi Akademie eröffnet hat, der Yodas und Obi-Wans Erbe fortgeführt hat, der tatsächlich im Film anwesend ist und in einer grandiosen Kampfszene zeigt, was er für ein cooler Jedi Meister geworden ist. Und vor allen Dingen wollte ich sehen, wie die Drei ein letztes Mal zusammen sind und es ein einziger Spaß ist sie wieder so zu sehen. Wie früher. Wie sie waren. Helden. Keine abgewrackten Existenzen, für die man nur noch Herzschmerz fühlt. Wir hatten schon eine tragische Trilogie, die es am Ende (Episode 3) völlig übertrieben hat und auch nicht wusste, wann Schluss ist. Nur hat diese Trilogie wenigstens die alte Trilogie nicht kaputtgemacht. Nach Padme, Anakin und Obi-Wan verenden also auch Luke, Leia und Han in Schmerz und Kummer? Star Wars entwickelt sich vom Märchen zur Tragik-Dramaserie. Bedauerlich wie etwas was einmal so positiv war, so negativ werden musste. Luke, Leia und Han hätten am Ende des Films den Stab an die neue Generation weitergeben können und ihnen die neue Bedrohung überlassen können. Dafür müssen sie nicht sterben, sondern man kann sich Hunderte von Gründen ausdenken, wie man die Drei aus zukünftigen Filmen rausschreibt (oder von mir aus können sie ja auch darin in kleineren Rollen auftreten, solange kein Mist mit ihnen gemacht wird). Fertig. Wo war das Problem so etwas umzusetzen? Ich wollte bestimmt kein trauriges Wiedersehen, das ein paar der wichtigsten Filme meiner Kindheit massakriert.

Aber den Leuten gefällt es. Keiner findet es schlimm oder entsetzlich, was aus dieser Geschichte gemacht wurde. Manche scheinen es sogar als besten Star Wars Film anzusehen...

So geht Star Wars zu Grunde. Mit tosendem Applaus.






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