Spring Breakers

Harmony Korine hat eine Girls gone wild-Satire gedreht. Er führt eine ganze Nation vor.

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Spring Breakers ist ein bizarres Machwerk. Pausenlos ergötzt es sich an jungen nackten Frauenkörpern, übernimmt die Ästhetik von Hip-Hop-Videos und deren Logik, dass immer die Frauen um die Männer kreisen, wenn sie sich nicht gerade miteinander amüsieren. Im College wird zwischen Mädchen experimentiert – aber bitte im Modus einer Männer-Fantasie (also in der sehnlichen Erwartung, dass bald ein Mann dazustößt). Harmony Korine hat eine Satire gedreht, bei der die Empathie mit den Protagonistinnen so weit geht, dass sie irgendwann umkippt. „We’ve had the times of our lifes!“, sagte dann auch Darstellerin Vanessa Hudgens bei der Premiere des Films in Venedig, als spielte sie die Parodie ihrer selbst. Über die Rhetorik junger Amerikaner mit beschränktem Wortschatz macht sich Harmony Korine offensiv lustig. In geradezu aufdringlichen Loops lässt er sich Samples der absurd einfältigen Dialoge wiederholen – zunächst die Spaß-Maximen und später die Einsichten.

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„Just pretend it’s a video game or a film.“ Spring Breakers ist natürlich eine Medienschelte, aber eine, die sich der Regression ad infinitum bewusst ist: Was die Bilder der amerikanischen Jugend angeht, stellt sich die Frage nach Henne und Ei nicht mehr. Insofern ist es auch folgerichtig, dass Korine nicht die Ästhetik bricht, sondern sich in ihr suhlt. Und tatsächlich sehen diese Aufnahmen der jungen Mädchen, die für und im Florida-Party-Urlaub zu Gangsterinnen werden, bombastisch aus. Ob Orgien oder Raubüberfälle, Korine und Enter the Void-Kameramann Benoît Debie lassen es weder an Emphase noch an Dynamik vermissen – unterstützt durch den passenden Score von Skrillex und Cliff Martinez und einem Soundtrack, der nicht zuletzt der Inspirationsquelle Britney Spears Reverenz erweist. Es wäre also auch keine Überraschung, wenn sich Spring Breakers schon bald zum Kultfilm mausern würde, denn die Fetischisierung von Partys, Sex und Gewalt, gepaart mit ein wenig postmoderner Satire, könnte in der Hinsicht ziemlich gut ankommen.

Spring Breakers 03

„You’re my motherfucking soulmates“ – Auftritt James Franco. Der spielt einen Drogen- und Waffenhändler namens Alien, der im Gerichtssaal auf Mädchenfang geht und kurzerhand die Kaution stellt für die vier Partygirls (neben Hudgens noch Selena Gomes, Ashley Benson und Rachel Korine), die wegen einer aus dem Ruder gelaufenen Feier im Gefängnis gelandet sind. Dass die Mädels genauso viel Spaß haben an Waffen wie er, führt dann zu einigen wahnwitzigen Szenen, nicht zuletzt dank pinkfarbenen Strumpfmasken. Solchen Höhepunkten steht eine eher schlampige Überlagerung von Partykultur, Religion und Moral gegenüber, die aber zum rohen Charme der Girls gone wild-Exploitation passt. Natürlich kann man so ganz nie schlau werden aus Spring Breakers, und feine Ironie-Sensoren schlagen möglicherweise dort zu häufig aus, wo ein anderes Publikum sich ungefiltert wiederzufinden glauben wird. Ein gewisses Mainstream-Kalkül scheint sich da durchaus Bahn zu brechen, auch weil der Film bei all den wohlgeformten nackten Brüsten letztlich doch auch extrem prüde ist, wenn es etwa darum geht, unter die Gürtellinie zu blicken. Hosen runter, Korine!

Trailer zu „Spring Breakers“


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Kommentare


ulle

Man nehme die gesamte (!) Audio -und Video Ästhetik von Windowlicker (Chris Cunningham) , mische das Ganze mit ein bisschen Spun (Akerlund) dazu eine kräftige Prise Springbreak-Mainstream. Für mich ist der Film ist ein zuweilen sehr langatmiger Mashup, der leider kein Alleinstellungsmerkmal aufweist.






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