SpongeBob Schwammkopf 3D

Blödelei als Subversion. Eine sträflich unterschätzte Zeichentrickserie kehrt auf die große Leinwand zurück.

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Man sollte sich vom internationalen Siegeszug des SpongeBob-Franchises nicht täuschen lassen. So erfolgreich die Animationsserie vom naiv gutherzigen Schwamm aus der Unterwasserstadt Bikini Bottom auch ist: Die Anerkennung, die ihr entgegen gebracht wird, kommt überwiegend von einem sehr jungen Publikum. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass SpongeBob Schwammkopf (SpongeBob SquarePants, seit 1999) keine Scheu davor hat, kindisch zu sein – ganz im Gegenteil. Wenn der Titelheld nicht gerade übereifrig seinem Job als Burgerbrater in der „Krossen Krabbe“ nachgeht, gibt er sich mit seinen besten Freunden Patrick (einem unterbelichteten Seestern) und Sandy (einem texanischen Eichhörnchen, das unter Wasser einen Raumanzug tragen muss) dem kultivierten Nonsens hin. Um stundenlang miteinander zu spielen und sich dabei vor Lachen auf dem Boden zu kringeln, braucht es in der Serie des ehemaligen Meeresbiologen Stephen Hillenburg manchmal nur einen leeren Pappkarton. Dabei zeichnen sich SpongeBobs Stärken besonders im Vergleich mit seinem Nachbarn ab, dem miesepetrigen, bildungsbürgerlichen Tintenfisch Thaddäus: seine Einbildungskraft sowie die Fähigkeit, sich mit scheinbar nichts die Zeit zu vertreiben – ein Konzept, das auch den Machern der Serie nicht fremd ist.

Trügerische Harmlosigkeit

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Das offensichtlichste Anzeichen dafür, dass sich Spongebob Schwammkopf auch an ein älteres Publikum richtet, sind seine spielerisch eingeflochtenen Metaebenen. Auch in Spongebob Schwammkopf 3D (The SpongeBob Movie: Sponge Out of Water), der nach Der SpongeBob-Schwammkopf Film (The SpongeBob SquarePants Movie, 2004) zweiten Kinofilm, wird man immer wieder Zeuge davon, wie die Erzählung auf sich selbst verweist. So werden die Abenteuer der Unterwassergeschöpfe in einer Realfilm-Rahmenhandlung mehrmals von einem bösen Piraten (Antonio Banderas) umgeschrieben. Und wenn die trippelnden Bewegungen von Plankton – dem Serien-Bösewicht, der sein Auge auf die Geheimformel des berühmten Krabbenburgers geworfen hat – von klirrenden Tonwechseln begleitet werden, entlarvt die nächste Einstellung SpongeBob mit einem Mini-Klavier als Urheber dieses Geräuschs. Solche postmodernen Albereien sind bei neueren Animationsserien freilich nichts Neues. Was aber SpongeBob von South Park (seit 1997) oder den Simpsons (seit 1989) unterscheidet, ist seine trügerische Harmlosigkeit. Statt betonter Ironie und ausgestellter Cleverness setzt die Serie auf niedlich verpackten Widerstand.

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Leider steht Paul Tibbits Leinwandadaption unter keinem guten Stern. Es ist immer komisch, wenn Serien ihren Weg ins Kino finden. Meist steht ihnen dabei die Absicht im Weg, den Zuschauern unbedingt etwas Spektakuläres bieten zu müssen, etwas, das den Kinobesuch rechtfertigt.  Spongebob Schwammkopf 3D will, mehr noch als sein Vorgänger, einer Serie Größe verleihen, deren Qualitäten gerade mit ihrem bescheidenen Format zusammenhängen. Die minimalistischen Settings und Alltäglichkeiten weichen einer dystopischen Erzählung vom Untergang Bikini Bottoms, die schließlich auch noch mit 3D aufgemotzt wird. Der Tiefpunkt dieses Strebens nach epischen Ausmaßen ist eine actionreiche Verfolgungsjagd in der realen Welt. Da fühlt man sich für kurze Zeit fast wie in einer profillosen Großproduktion, die ganz auf ihre Effekte ausgerichtet ist. Der Charme der Serie kommt dabei völlig unter die Räder.

Verklebt von rosa Zuckerwatte

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Doch obwohl solche Ambitionen unglückliche Auswirkungen haben, kann man mit Spongebob Schwammkopf 3D seinen Spaß haben. Denn während die Erzählung von Superlativen beschleunigt wird, bleiben sich zumindest die Figuren treu. SpongeBob darf auch diesmal wieder seine anarchische Unbekümmertheit feiern, mit seinen doofen Fragen Thäddaus ein Augenrollen abringen und mit einer Musicaleinlage die Herzen der Zuschauer erobern. Mit gewohnt absurdem Humor zeigt der Film, wie Einfältigkeit als Waffe verstanden werden kann. In einer Szene klettert Plankton in das Hirn des schlafenden Spongebobs, um an die geheime Burgerformel zu kommen. Was er dort findet, ist ein grellbuntes Wunderland voller Regenbögen, tanzender Lollis und singender Blumen. Als Plankton sich hoch traumatisiert aus dieser Welt gerettet hat, ist er noch ganz von rosa Zuckerwatte verklebt. Suspekt ist SpongeBobs unermüdliche Lebensfreude nicht nur dem kleinen, grünen Bösewicht. Vor ein paar Jahren wollten ukrainische Politiker die Serie verbieten lassen, weil ihnen die gelbe Frohnatur mit seiner unbestimmten sexuellen Orientierung und dem Hang zu campigen Gimmicks ein Dorn im Auge war. Solche Nachrichten sorgen natürlich schnell für ein Schmunzeln. Vielleicht haben die übereifrigen Schützer der traditionellen Familie aber einfach erkannt, dass auch hinter einem hysterischen Lachen die Subversion lauern kann.

Trailer zu „SpongeBob Schwammkopf 3D“


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