Spiel ohne Regeln

Adam Sandler und MTV Films produzieren das videocliphafte Remake des Football/Gefängnisfilms Die Kampfmaschine (The Longest Yard, 1974). Knackis gegen Wärter – wer ist härter?

Spiel ohne Regeln

Zum wiederholten Male versucht sich Hollywoodkömodiant Adam Sandler mit Spiel Ohne Regeln (The Longest Yard) im Genre des Sportfilmes. Nach The Waterboy (1999) wendet sich Sandler auch als ausführender Produzent erneut dem Football zu. Er spielt den ehemaligen Starquarterback Paul Crewe, dem es nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn schwer fällt, mit seinem Leben etwas anzufangen. Zudem kann er seinen Ruhestand nicht genießen, denn die Gerüchte, er habe Spiele verschoben, konnte er nie glaubhaft widerlegen. Alkohol, Langeweile, Geldprobleme, Frauengeschichten – eine explosive Mischung: Nach einer Auseinandersetzung mit seiner Freundin setzt Crewe sich alkoholisiert in deren Wagen, und wird prompt von der Polizei angehalten. Das Resultat dieser Spritztour sind drei Jahre Knast. Diese muss Crewe in einem Gefängnis absitzen, das von Regisseur Peter Segal wie eine Mischung der Anstalten aus Mad Max (1979) und Der Wüstenplanet (Dune, 1984) inszeniert wird. Konsequenterweise vermischen sich in Spiel ohne Regeln somit die Genremuster des Sportfilms mit den Versatzstücken des Gefängnisfilms. Crewe muss sich gewalttätiger Wärter und einem politisch-ehrgeizigen Direktor erwehren. Dieser, ein obsessiver Footballfan, der unbedingt den Sieg seiner Wärtermannschaft in einer semiprofessionellen Liga zu seinem politischen Vorteil nutzen will, zwingt Crewe dazu, ein Team aus Knackis zu trainieren. Dieses soll in einem Testspiel gegen die Wärtermannschaft antreten – und verlieren. Crewe, der nicht wirklich eine Wahl hat, geht auf den Handel ein.

Spiel ohne Regeln

Der Film zeigt nun diverse Vorbereitungen der Insassen, eine im wahrsten Sinne schlagfertige Truppe zusammenzubringen. Hilfe bekommt Crewe vom findigen Organisierer Caretaker, gespielt von Chris Rock, und vom ehemaligen Footballprofi Nate Scarborough, dargestellt von Burt Reynolds. Allen genreüblichen Widrigkeiten zum Trotz kann das Match stattfinden. Einem letzten Erpressungsversuch des Direktors, den Spielausgang zu manipulieren, gibt Crewe erst nach. Wird er sich dennoch besinnen, und zum ersten Male in seinem Leben seine eigenen Interessen zu Gunsten der moralischen Anforderungen der Gesellschaft, also seiner Mannschaft, zurückstellen, und das Spiel noch gewinnen?

Diese Frage könnte man als den Subtext eines Films verstehen, der sich allein über seine Schauwerte definiert, und in der eine sehr einfallslos-brave Erzähltechnik nicht über die Aneinanderreihung der abgedroschensten Klischees hinauskommt: Schwarze spielen Basketball, hören Rapmusik und sind wendig und schnell. Die Weißen können keinen Basketball spielen, und sind nicht wendig und schnell. Die durchgehend weißhäutigen Aufseher sind krude, faschistoid-rassistische Fleischberge. Diese Kontraste lotet der Film jedoch keineswegs aus, sondern verharrt in Inszenierung und Erzählduktus in, positiv ausgedrückt, absolut konventionellen Bahnen. Der Regisseur vermag es auch nicht, die an sich interessante Figur des Paul Crewe dem Publikum näher zu bringen. Was diesen Charakter wirklich bewegt, bleibt dem Betrachter rätselhaft. Wie der Film im Übrigen nicht die geringste dramaturgische Anstrengung unternimmt, seine Figuren über die Eindimensionalität von Abziehbildern hinaus darzustellen. Diese Option müsste ein originelles Drehbuch offerieren, doch schon die erste Verfilmung des Scripts aus dem Jahr 1974, mit Burt Reynolds in der Hauptrolle, Regie von Robert Aldrich, bleibt in den Untiefen der Vorlage gefangen und nichts weiter als ein vergessenswertes Starvehikel.

Spiel ohne Regeln

Die Neuverfilmung durch Sandlers Produktionsfirma Happy Madison in Zusammenarbeit mit MTV Films „pimpt“ sozusagen diese auch visuell sehr in ihrer Zeit verhaftete Originalversion des Films auf – mit Rapmusik, dem heutzutage üblichen Kamerafahrtentalmi durch Gefängnisfenster und Schlüssellöcher sowie einigen absolut unnötigen Gewalttätigkeiten. Die Fertigkeiten des Regisseurs beschränken sich darauf, alle spannenden möglichen Diskurse (Ethnienkonflikt und Rassismus, Justizungerechtigkeit, Bewusstseinswerdung des Protagonisten Crewe) zu vermeiden. Sehr viel Mühe gibt sich die Produktion auch nicht, sich von der Vorlage aus dem Jahr 1974 zu entfernen - teilweise sind sogar die Kameraeinstellungen der beiden Versionen absolut identisch. Weshalb für einen Film, der hauptsächlich in engen Zellen und Zimmern sowie auf dem höchst überschaubaren Turf des Sportplatzes spielt, ausgerechnet Kameramann Dean Semler, dieser Meister des freien Raums und des weiten Horizonts (Der mit dem Wolf tanzt, Dances with Wolves, 1990; Wir waren Helden, We were Soldiers, 2002; The Alamo, 2004) verpflichtet wurde, erscheint mysteriös. Die Inszenierung des Footballspiels der Wärter gegen die Sträflinge, das narrative Herzstück des Streifens und eigentlicher dramaturgischer Höhepunkt, kann ebenfalls weder inszenatorisch noch visuell überzeugen. Die von zahllosen ausgezeichneten NFL-Films und von Oliver Stones An jedem verdammten Sonntag (Any Given Sunday, 1999) konditionierte Erwartungshaltung des Betrachters an die filmische Wiedergabe des Spiels wird maßlos enttäuscht. Nicht einmal auf diesem Gebiet kann der Film seine absolute Durchschnittlichkeit verbergen, und verharrt in cliphaften, schlichtweg langweiligen Einstellungen.

Spiel ohne Regeln ist eine einfalls- und konturlose filmische Leichtkost, die man auf dem Weg aus dem Kino heraus bereits am Popcornstand vergessen hat. Aber: Der Film versucht auch nicht, mehr als Unterhaltungsware von der Stange zu sein. Und wie bringt es Roger Ebert so schön auf den Punkt: „There is a sense in which attacking this movie is like kicking a dog for not being better at calculus.“

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