Speed Racer

Alles dreht sich um Geschwindigkeit. Und flugs rast Speed Racer am Publikum vorbei.

Speed Racer

Quasi per Muttermilch wurde Speed Racer (Emile Hirsch) die Leidenschaft für Autorennen verabreicht. Einmal erwachsen, wird er bald der beste Rennfahrer der Welt sein, das ist klar. Der böse Großkapitalist Royalton will ihn unbedingt daran hindern und findet Unterstützung bei Japanern. Die schauen zwar grimmig drein, sind aber nicht alle gemein.

Vom ersten Logo im Vorspann an ist die Welt der Autonarren-Familie Racer in knallbunte Farben getaucht. Ob die „Sixties“ schreiende Flower-Power-Tapete zu Hause oder die futuristischen Rennbahnen, die eins zu eins Videospielen aus den Neunzigern entnommen zu sein scheinen: Ein wild zusammengewürfeltes Potpourri ist entstanden, bei dem nichts Sinn zu ergeben braucht. Unvermittelt stehen hier in einer zeitlich nicht genau bestimmten Zukunft mittelalterlich kostümierte Schurken neben dem vor Coolness strotzenden mysteriösen Racer X (Matthew Fox) – nicht die einzige Anspielung an längst vergangene Tage im Universum der Wachowski-Brüder (The Matrix, 1999).

Speed Racer

Einen modrigen Geruch verbreitet das antiquarisch-postmodern anmutende Farbfest nicht. Gerade in der Genügsamkeit der Effekte liegt ihre Stärke. Animationen und Realfilm-Elemente stehen sperrig nebeneinander, die Ausstattung verbindet wüst altertümliche Knöpfe und Touchscreen-Displays oder analoge Wanduhren mit Hi-Tech, und beim großen Rennen wird schließlich noch durchs frühklassizistische Brandenburger Tor gefahren. Speed Racer basiert auf der japanischen Anime-Serie Mach Go Go Go (1967-1968), die in den USA unter dem Titel „Speed Racer“ lief. In Hinblick auf das Original, die erste im deutschen Fernsehen ausgestrahlte Anime-Serie, lassen sich Zeitkolorit und spielerisches Allerlei vielleicht am einfachsten nachvollziehen. Doch wirklich erklärt werden muss ein fantastischer Kosmos, in dem der beste Fahrer die Bedürfnisse seines Autos zu spüren vermag, ohnehin nicht.

Speed Racer

Angesichts der Sinnfreiheit der protzigen Oberflächenreize stören die mit Bedeutung überladenen, plumpen Dialoge umso mehr. In den viel zu häufigen Passagen, in denen Charakterentwicklung vorgetäuscht und psychologische Motivation behauptet wird, büßt der Film jegliche Dynamik ein und hangelt sich von einer inszenatorischen Mittelmäßigkeit zur nächsten. Für die offenbar anvisierten jungen Zuschauer sollte das allerdings nicht so entscheidend sein. Überhaupt, die Adressierung: Ganz explizit macht es Speed Racer, dass er vor allem ein prä-pubertäres Publikum ansprechen möchte. Denn neben Rennfahrer- und Abenteuerplot drängen sich auch der kleine gefräßige Bruder des Helden und sein Haus-Schimpansen wiederholt völlig unmotiviert in die Geschichte. Der dabei bemühte Humor ist nicht nur wenig amüsant, sondern auch unwahrscheinlich bieder. Dazu kommt noch eine in Anbetracht ihrer Belanglosigkeit unnötig verworrene Story, die die Jüngsten überfordern und die Älteren verärgern dürfte.

Speed Racer

Eine konservative Schlagseite in Figuren und Narration eines amerikanischen Blockbusters zu entdecken, ist kaum eine Erwähnung wert. Speed Racer tut sich auch eher durch seine selbstgefälligen Effekte hervor, die sich einer zusammenhängenden Sinnkonstruktion größtenteils widersetzen. Und wenn zum zwanzigsten Mal die Köpfe von euphorischen Renn-Kommentatoren mittels altmodischer Trickblenden durch das Bild gleiten, könnte man fast verlockt sein, dem Film gar subversives Potenzial zuzuschreiben.

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