Sommersturm
Ein Mädchen verliebt sich in einen Jungen, der in seinen besten Freund verliebt ist, der seine eigene Freundin sehr liebt. Sommersturm erzählt mit einem herausragenden Ensemble junger Schauspieler die Geschichte von Tobi, der sich seinem besten Freund Achim offenbart und gleichzeitig erste Glücksmomente als geouteter Schwuler erlebt. Natürlich ist der autobiographisch inspirierte Film von Marco Kreuzpaintner auch pathetisch - aber er berührt.

Noch für einen Augenblick scheint es als ginge es wie von selbst, in einer Gruppe von Schwulen aufgenommen, das Leben einfach zu genießen. Doch im nächsten Moment wird Tobi (Robert Stadlober) von seiner Freundin Anke (Alicja Bachleda-Curuś) ins Schilf gerufen. Eigentlich sollten sie ja gerade für einen Wettkampf mit ihrer Rudermannschaft trainieren. Anke will ihn. Doch Tobi ist in seinen besten Freund Achim (Kostja Ullmann) verliebt. Sommersturm ist ein Film über das Schwulsein, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und über das Coming-Out. Eigentlich geht es aber um etwas, was alle betrifft: unerwiderte Liebe. Für Tobi ist es sogar schwieriger, damit klar zu kommen, dass sein bester Freund nur Augen für seine Freundin Sandra hat, als sich mit seiner Sexualität auseinander zu setzen und sie zu akzeptieren. Doch auch letzteres birgt das Sommerlager: gegen Tobi und Achims Mannschaft treten die schwulen Ruderer von „Queerschlag Berlin“ an.

Marco Kreuzpaintners zweiter Spielfilm überzeugt vor allem durch die Zeichnung der Charaktere und deren Besetzung. In seiner Darstellung von Schwulen setzt er Stereotypen und Klischees gekonnt ein und demonstriert dabei die Bandbreite des Schwulseins: der muskulöse Fitness-Verliebte, der Einfühlsame, der Schüchterne, und nicht zuletzt auch der Feminine. Auch wenn manch heterosexueller Schauspieler den Homosexuellen etwas überspielt, das Ensemble ist beeindruckend. Neben Robert Stadlober, der sein Können in Sommersturm überwältigend unter Beweis stellt und auch manch plakativ wirkende Symbolik rettet, sind auch seine Spielpartner überzeugend. Bemerkenswert ist vor allem Hanno Koffler, der bereits in Marco Kreuzpaintners erstem Spielfilm Ganz und gar (2003) zu sehen war, in der Rolle eines eher zurückhaltenden Jungen. In Sommersturm füllt Koffler eine ganz andere Figur eindrucksvoll mit Leben: Er ist ein „Heten-Knacker“, der mit allen Mitteln versucht den homophoben Georg (Tristano Casanova – auch diesen Namen sollte man nicht überlesen!) rumzukriegen. Kreuzpaintners differenzierter Blick auf Homosexuelle, anhand dessen er auch mit unseren eigenen Vorstellungen und Assoziationen spielt, ist ein klarer Bonus des Films und erlaubt es ihm das eine oder andere Klischee einzusetzen ohne zu verärgern.

Die Leistung der Schauspieler wird nicht unwesentlich durch die Kameraführung von Daniel Gottschalk unterstützt, dem es gelingt nah an den Figuren zu sein und ihre Emotionen bis zum Zuschauer dringen zu lassen. Auch wenn diese dann schon mal mit aufgesetzt wirkenden Naturaufnahmen visualisiert werden, überzeugen die Bilder größtenteils. Natürlich wünscht man sich als leidenschaftlicher Kinoliebhaber eine weniger konventionelle Kameraführung und Einstellungswahl, das hier aber zu verlangen, würde dem Film nicht gerecht. Denn Sommersturm versteht sich als Mainstream-Film. Dessen Publikum könnte er gefallen, weil er leicht bleibt und doch so vieles behandelt. Bei all den Problemen, die das Coming-Out beinhalten kann, hinterlässt der Film ein wohliges Gefühl. Zu welcher Gruppe gehöre ich? Zu welcher möchte ich gehören? Wie werden meine Freunde damit umgehen? Allein schon der Anspruch dieses Thema „in die Mitte der Gesellschaft“ (Kreuzpaintner, siehe auch Interview) zu bringen, ist lobenswert - gerade wenn man bedenkt, dass in Deutschland nicht nur in Jugendkreisen häufig „schwul“ als Schimpfwort oder als Füllwort verwendet wird. Die Homophobie, die in der Jugendsprache mitschwingt, wird nicht immer klar ausformuliert.

Es scheint so, als ob die Masse meist das Schwulsein - wenn überhaupt - nur toleriert und nicht wirklich akzeptiert. Und deshalb steht Tobi das Schwierigste auch noch bevor, wenn er am Ende des Films alleine vor der Tür seiner Eltern steht und sich auch hier noch einmal akzeptieren lassen muss. Genauso steht auch der Film vor der Aufgabe, den Zuschauer zu überzeugen, sich den Themen dieses Films zu stellen. Wenn man den Trailer sieht, eine phantasielose chronologische Zusammenfassung des Inhalts, scheint dies allerdings nicht sehr wahrscheinlich. Hoffnung in diese Richtung könnte man schon eher entwickeln, wenn man erfährt, dass Sommersturm gerade den Publikumspreis auf dem zweitgrößten Filmfestival Deutschlands, dem Münchner Filmfest, gewonnen hat. Das allein erlaubt aber keine Aussage darüber, ob der Film an den Kinokassen funktionieren wird. Nicht nur weil ein Festivalpublikum nun mal nicht repräsentativ ist, sondern weil dieser Erfolg auch davon abhängt, ob das deutsche Publikum bereit ist, sich mit Homosexualität tatsächlich auseinander zu setzen und nicht nur tolerant genug ist, um über das schwule Team eines allseits bekannten Raumschiffs zu lachen.
Filmkritik von Frédéric Jaeger
Veröffentlicht am 01.09.2004
Kommentare zu Sommersturm
Lutrz 22.12.2004 22:17
alles was ich zu diesem film sagen kann: SPITZE!SUPER! einer der besten gayfilme aus deutscher hand in den letzten jahren; fast klischeefrei, nicht erniedrigend & was ich sehr gut fand, das nicht alle situationen auf "FICKEN" & "AIDS" heruntergeschrumpft werden!
ich freue mich auf die veröffentlichung der dvd , die vorraussichtlich am 28.1.05 erscheinen soll!
myzzie 11.05.2005 15:43
einfach nur toll =)
mehr kann man zu sommersturm nicht sagen!!!
myzzie,
sommerstuermisch.de,
tristano.info,
michael-wiesner.com,
kostja.org
Ela 02.08.2005 13:05
Der Film ist echt der hammer. Wirklich sehr gut
michael 08.11.2005 14:39
Ich finde dass dieser einer der bessten deutschsprachigen gay-filme ist die es derzeit giebt.
Ich finde dass dieser film gerade für noch ungeoutete jugns sehr wichtig sind. dass sie sehen dass es für alle nicht gerde einfach ist sicher zu outen. Aber indem man sich outet zu sich selber steht (auch wenns nicht eifach bis man diesen lebenswichitgen schritt macht)!
Miriam 31.12.2005 16:39
Ich bin erst sehr spät auf den Film "Sommersturm" gestoßen. Dennoch besitze ich jetzt die DVD mit allen Specials und Hintergrundinfos.
Der Audiokommentar ist besonders witzig!!
Mir gefällt dieser -deutsche- Film total gut. Von den Schauspielern, der Kameraführung bis hin zum eigentlichen Thema. Egal wie man ist, durch den Film bekommt man eine gewisse Sicherheit, dass man wirklich nicht allein mit seinen Problemen dasteht...
Vielleicht liest das hier ja noch jemand, ein Jahr später, und nun wünsche ich allen einen guten Rutsch ins Jahr 2006 =)
Babis 11.02.2006 17:36
Der Film ist einfach krass einfach geil... Man kann net aufhöre daran zu denken... Auch für jeden Hetero geeignet ;) War am anfang auch ein bisschen skeptisch als Hetero aber der Film ist soooo emotonial rüber gebracht,dass man die Homosexuellen handlungen ertragen sollte.
weiter so
jule 10.07.2006 22:19
Sommersturm ist einfach nur geil, muss man sehen, sonst verpasst man was
Jessi 23.08.2006 16:50
Hey Leute ich würde den Film auch gern mal sehen, kann man sich den Film noch ausleihen???
Lisa 10.10.2006 18:10
Ich fand den Film auch ziemlich geil.
Ist echt sehenwert. Ja sicher, den kann man eigentlich noch überall ausleihen!
Ich kann ihn auch nur empfehlen!
pauline 13.10.2007 14:37
ich find ihn toll ...>
DEn gibts in jeder Bücherrei xDD
Andy 23.03.2009 14:52
der film ist hammer.
es ist sehr schwer für jungs über dieses thema zu reden, kenne es aus eigener erfahrung.
der film hilft ein schon zu verstehen das schwul sein nichts schlimmes ist.
für mich war u ist mein coming out sehr schwer gewessen und ist es oft bei neuen leuten immer noch.
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Blog: Berlinale im Dialog

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Film-Angaben
Titel: Sommersturm
Deutschland 2004
Laufzeit: 98 Minuten
Regie: Marco Kreuzpaintner
Drehbuch: Thomas Bahmann, Marco Kreuzpaintner
Produktion: Uli Putz, Thomas Wöbke, Jakob Claussen
Darsteller: Robert Stadlober, Kostja Ullmann, Tristano Casanova, Alicja Bachleda Curus, Miriam Morgenstern, Marlon Kittel, Hanno Koffler
Kinostart: 02.09.2004
DVD-Angaben
Titel: Sommersturm
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1)
Untertitel: keine
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 94 Minuten
Extras: Audiokommentar von Marco Kreuzpainter und Robert Stadlober; Biographien, DVD ROM Features mit Web-Link; Dokumentation "Hinter den Kulissen"; Fotogalerie; Making of, Music Clips von Rosenstolz und Nova International; nicht verwendete Szenen; TV Spot; Trailer; verpatzte Szenen
Verleih ab: 04.03.2005
Verkauf ab: 04.03.2005
Copyright Sommersturm
Fotos: © X Verleih AG
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - schon jetzt mit Trailern und Vorab-Infos zu den Filmen! www.critic.de/berlinale/
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