SommerHundeSöhne – Kritik

Auf den ersten Blick ein konventionelles Roadmovie, entpuppt sich SommerHundeSöhne immerhin stellenweise als originelle Momentaufnahme.

SommerHundeSöhne

Wenige junge Schauspieler in Deutschland besitzen sichtbares Potential. Zu diesen zählen zweifelsohne die beiden Hauptdarsteller von SommerHundeSöhne Fabian Busch (23, 1998) und Stipe Erceg (Die fetten Jahre sind vorbei, 2004). Sieht man sie nebeneinander stehen – Busch keine 170 cm groß und fragil, Erceg breitschultrig und 1m87 lang – kann man sich gut vorstellen, welchen Stereotypen sie in einem gemeinsamen Film entsprechen könnten. Zudem wenn in diesem der eine den anderen quasi entführt.

In seinem Debüt gibt Cyril Tuschi beiden Schauspielern gebrochene Figuren zu spielen, die faktisch erwachsen, tatsächlich postpubertär mit der Abwesenheit ihrer Väter versuchen klar zu kommen. Seinem Typus entsprechend spielt Stipe Erceg den wilden zwielichtigen Marc, der das an Asthma leidende Muttersöhnchen Frank, verkörpert von Fabian Busch, zwingt mit ihm auf die Reise nach Marokko zu gehen. Denn Frank hat ein Wohnmobil und Marc nur ein kaputtes Motorrad.

SommerHundeSöhne

Die zwei ach so unterschiedlichen Männer gewöhnen sich im Laufe der Zeit etwas aneinander, über eine Reisebekanntschaft wächst die Freundschaft aber nicht hinaus. Auch bei den angedeuteten inneren Konflikten beider mit sich selbst und ihrer Umgebung, hält sich der Film angenehm zurück. So entwickelt sich das eigentlich als Initiationsgeschichte angelegte Roadmovie mehr zur Momentaufnahme eines Sommers, in dem zwei Jungs und nebenbei noch ein Mädchen und ein Spinner ihren Spaß haben. Tatsächlich entfaltet der Film seine starken Momente dann, wenn er nicht den ausgetretenen Pfaden der konventionellen Entwicklungs-Dramaturgie folgt und inne hält.

Spielereien mit der Sommerlaune versprühenden Musik und einige abstruse Szenen, wie die Verfolgung von Autodieben bis in einen inszenierten Saloonkampf sind die offensichtlichen Höhepunkte von SommerHundeSöhne. Zu sehr leidet der Film als Ganzer allerdings an der Struktur, sprich an der Entwicklung, die das Drehbuch dem Film vorzuschreiben scheint. Es muss schließlich zur virtuellen und physischen Auseinandersetzung mit den Vätern kommen – so sei es. Nur wird an diesen Schritten zu deutlich, dass die Auseinandersetzungen nur Oberfläche sind und der Plot nur Anlass ist eine Atmosphäre aufzubauen. Auf die Geschichte kommt es Tuschi letztlich nicht an. All dies mag sich durch die deutschen Förderbedingungen erklären lassen – zumindest scheint dies aus den Interviews mit dem Regisseur heraus –, für uns als Zuschauer kann das aber nicht relevant sein.

Die Experimentierlaune in Ton und Schnitt und im konsequenten Nichteinhalten der Erwartungen, bestärkt das Gefühl hier hätte etwas Eigenes entstehen können. Den Charakteren kommt man dabei zwar nicht nah, aber immerhin: Der Film gaukelt einem auch keinen Erkenntnisgewinn vor.

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