Smokin’ Aces

Für eine Million Dollar Kopfgeld interessieren sich natürlich viele professionelle Killer – Joe Carnahan lässt sie in Smokin’ Aces alle in einem Hotel aufeinander treffen. Das ergibt eine ziemlich laute und schwarzhumorige Mischung, die allerdings zum Ende hin eine ganz andere Richtung nimmt.

Smokin’ Aces

Buddy „Aces“ Israel (Jeremy Piven), ein zum Möchtegern-Mafiosi aufgestiegener Varieté-Magier, hat sich ein paar Probleme mit den lieben Kollegen eingehandelt und würde gerne untertauchen. Während sein Anwalt noch mit dem FBI über die genauen Bedingungen diskutiert, unter denen Buddy im Zeugenschutzprogramm untertauchen darf, setzt die Mafia ein Kopfgeld von einer Million Dollar auf ihn aus.

So finden sich am Lake Tahoe, wo Buddy in einem Hotel seine letzten Stunden in Freiheit mit Drogen und leicht bekleideten Frauen genießen will, nicht nur die FBI-Agenten Richard Messner (Ryan Reynolds) und Donald Carruthers (Ray Liotta) ein, sondern auch eine ganze Horde von professionellen Menschenjägern und Killern, die nur zu gerne die versprochene Million kassieren möchten.

Smokin’ Aces

Es sind die Ingredienzien einer rabenschwarzen Komödie, die Regisseur Joe Carnahan in Smokin’ Aces zusammenmischt, denn die Logik der Geschichte will natürlich, dass der Mensch für eine solche Geldsumme über so manche Leiche zu steigen bereit ist, zahlreiche sich gegenseitig behindernde Auftragsmörder sorgen allerdings für die absurden Momente, die das Genre dringend erfordert.

Carnahan, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, greift dazu tief in die Stereotypenkiste der Filmgeschichte. Im Hotel treffen mehr oder minder zugleich ein kühl kalkulierender professioneller Attentäter (Tommy Flanagan) und eine Gruppe inzestuös gezeugter, waffenverliebter und mehr als nur ein bisschen wahnsinniger Hinterwäldler ein (Chris Pine, Kevin Durand, Maury Serling); ebenfalls mit im Rennen ist ein äußerst versierter Folterer (Nestor Carbonell), der die hier eher zufällig von ihm umgebrachten Opfer mit äußerster Sorge um ihre Schmerzfreiheit aus dem Leben begleitet sowie ein schwarzes, lesbisches Killerpärchen (Alicia Keys und Taraji Henson), das sich auf Sexappeal und Scharfschützengewehre verlässt.

Smokin’ Aces

Im völligen Durcheinander, das all diese Typen mit Stich-, Hieb- und Schusswaffen anrichten, behält man immerhin, das muss man Carnahan anrechnen, stets einigermaßen den Überblick. Auch spielt der Regisseur recht erfolgreich mit den Sehgewohnheiten und Erwartungen des Publikums. Manch von einem großen Star gespielte Figur hat einen frühen, gewaltsamen Abgang, dafür haben andere, schon längst mehrfach in Stücke geschossen, ihren letzten Atemzug noch lange nicht gemacht.

Mit diesen übermenschlich starken Typen und der letztlich schlicht, aber effektvoll konstruierten Handlung taucht Carnahan natürlich tief in jene Tradition des Exploitationkinos ein, der spätestens Quentin Tarantino mit Pulp Fiction (1994) auch den Weg auf die große Leinwand gebahnt hat. Die professionellen Killer, die hinter „Aces“ Israel her sind, könnten geradewegs jenen pulp genannten Schundromanen entstiegen sein, die auch die Inspiration für Tarantinos kleines Meisterwerk abgaben.

Smokin’ Aces

Nur, und das ist vielleicht eines der Probleme von Smokin’ Aces, ist solches Spiel mit Trash-Elementen natürlich dreizehn Jahre nach Pulp Fiction nicht mehr besonders originell. Da hilft es wenig, dass sich der Film so deutlich auf manchen anderen bezieht: der professionelle Folterknecht etwa wird mit Bildern eingeführt, die in ihrer ganzen Ästhetik unmittelbar auf Eli Roths Hostel (2005) Bezug nehmen, der seinerseits Pulp Fiction die Referenz erweist und mit dem Namen Tarantinos beworben wurde.

Was Smokin’ Aces aber letztlich unbefriedigend macht, ist zunächst einmal, dass dem Drehbuch spätestens nach der Hälfte des Films die Luft und die Ideen ausgehen. Irgendwann braucht es doch mehr als nur leicht abstrus wirkende Situationen und viele, viele Kugeln, um Komik zu erzeugen, und je lauter und penetranter das Blei- und Blutbad wird, je hektischer die zahlreichen Einstellungen mit der Handkamera werden, desto weniger lustig ist das alles, sondern nur noch unnötig brutal.

Es bliebe natürlich noch die Möglichkeit, sich, wenn man das mag, am exzessiven Splatterkino zu delektieren, in das Carnahans Film irgendwann zu kippen scheint. Aber auch da will der Regisseur mit unseren Erwartungen spielen. Carnahan hat vorher, ebenfalls mit Ray Liotta, Narc (2002) gedreht, ein stilistisch sicheres, komplexes Drama, das von den moralischen Dilemmata und persönlichen Nöten von Rauschgiftfahndern handelt. Und ganz am Schluss macht er auch in Smokin’ Aces noch den Dreh zu moralischen Fragen, zu Gut und Böse, richtig und falsch. Das mag auch in pulp-Romanen gerne so sein, ein bemüht moralisches Ende wirkt in einem Film, der sich vorher viel Mühe gegeben hat, mit einer von allen moralischen Skrupeln befreiten Geschichte seinen Spaß zu haben, ziemlich aufgesetzt; und da Carnahan dabei vom Pathos leider die Finger nicht ganz lassen kann, auch noch ein wenig verlogen.

Kommentare


laZee

Ich fand den Film sehr unterhaltsam, unglaublich viele Tote und Geballere, stylische Action (aber nicht so stylisch wie "Domino"), fast zu hektisch, sehr viel Information auf einmal. Sehr abstruse Charaktere, die oft leider zu kurz auftreten, wirkt hier und da ein wenig bemüht. Ein paar schöne Bilder, eine wie ich finde herausragende kurze Kettensägenszene. Alicia Keys ist sehr sexy, aber nur Schmuck. Das Ende kommt irgendwie unausgegoren und nicht sehr befriedigend, aber alles in Allem ein schöner Actionfilm :)


Max Payne

Der Film war gut schönes geballer so wie es sich für einen Mäßigen Action Streifen gehört ! Die Story war auch ganz O.K. !
Der Film ist Lohnenswert aber auch nicht Super Perfekt !
Durschnitt eben !


CranK

Für einen Actionfilm, und als solchen kann man Smokin' Aces wirklich bezeichnen, hat der Film wirklich viel Charakter. Ich konnte irgendwie zu jedem Killer eine Beziehung aufbauen, sowohl beängstigender als auch sympathischer Art. Zum Beispiel der Weltklasse-Folterer der seinem ersten Opfer einen geradezu traumhaft idyllischen Tod gönnt - und das nur weil er dazu gezwungen ist. Oder die Beziehung der Killer-Lesben. :P
Das sind Kleinigkeiten die selbst den Nebencharakteren Seele verleihen. Und das ist auch gut so weil der Film eigentlich keinen wirklichen Hauptcharakter hat. Man folgt allen ihren Weges.
Nicht zu vergessen ist das überraschende Ende, was ich erst beim zweiten mal anschauen vollständig kapiert habe. Denn das geleitet einen doch ziemlich dramatisch in den Abspann.






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