Sie sind ein schöner Mann

Ein einsamer französischer Bauer sucht sich eine Braut in Rumänien. Das könnte ein Sozialdrama werden, oder ein Psychogramm über Vereinsamung und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Es ist aber eine Komödie mit angedeuteten ernsten Untertönen.

Sie sind ein schöner Mann

Grantiger Mann trifft leidenschaftliche Frau. Das ist kein besonders origineller Plot, immerhin aber einer, der oft funktioniert. Zuletzt etwa in Man muss mich nicht lieben (Je ne suis pas là pour être aimé, 2005), in dem ein Gerichtsvollzieher mit all der Gefühlskälte seines Berufsstandes durch ein trauriges Leben stolpert, bis ihn die unerwartete Liebe seiner Tanzschul-Partnerin aufweckt. In Sie sind ein schöner Mann (Je vous trouve très beau), dem Regiedebüt der Schauspielerin Isabelle Mergault (Diva, 1981), ist es ein Bauer, der zu einem neuen Menschen wird.

Sie sind ein schöner Mann

Dieser introvertierte Mann namens Aymé wird gespielt von Michel Blanc, was ein hübsches Echo seiner Rolle in Die Verlobung des Monsieur Hire (Monsieur Hire, 1989) ergibt. Aymé macht sich schon bald nach dem Tod seiner Frau auf die Suche nach einem Ersatz – aus wenig romantischen Gründen. Er sucht schlicht eine Arbeitskraft, weil er – unter anderem – mit der Waschmaschine nicht klarkommt und jemanden braucht, der die Tiere füttert. Nach einer verkürzten Trauerzeit von zehn Tagen wird Aymé Kunde bei einer Heiratsvermittlung. Er ist ein schwerer Fall - ein störrischer Landwirt, der schon seit Jahren nicht mehr gelächelt hat und sich für nichts interessiert. Mozart? Kennt er nicht. Kino? Der letzte Film, den Aymé gesehen hat, war Doktor Schiwago (1965), und den fand er zu lang. Regisseurin Mergault inszeniert die tragikkomischen Szenen im Heiratsinstitut pointensicher, aber man wird das Gefühl nicht los, Ähnliches schon zu oft gesehen zu haben. Das peinliche Schweigen und das unbeholfene Gespräch in einem Warteraum beispielsweise gehört zum Standardrepertoire des Komödienfachs. Ebenso der Gegensatz zwischen groflstädtischer Redegewandheit (die Heiratsvermittlerin) und ländlicher Einfalt (Aymé).

Sie sind ein schöner Mann

Schliefllich wird Aymé nach Rumänien geschickt, wo er unter heiratswilligen osteuropäischen Mädchen wählen soll. Das ist nicht einfach, denn bei einem Termin in einem Luxushotel treten nicht die erhofften Arbeitskräfte auf, sondern aufgetakelte und nach einem reichen Mann aus dem Westen gierende junge Frauen, die alle den auswendig gelernten Satz „Sie sind ein schöner Mann“ halbwegs fehlerfrei in der Fremdsprache herauszubringen versuchen. Auch das hat, bedenkt man die Halbglatze und den missmutigen Blick des Bauern, durchaus Witz. Vor allem aber ist es die Mimik Michel Blancs, die diese und ähnliche Szenen trägt. Aymé nimmt dann aber doch eine mit nach Frankreich, die hübsche Elena (Medeea Marinescu), die natürlich, wie es das Genre verlangt, ihre eigene Agenda hat und vor allem ihre eigene Vergangenheit.

Mit ihren schönen Beinen und ihrem breiten Lächeln bringt Elena das Landleben ganz schön durcheinander, und das Drehbuch entwickelt alle möglichen Komplikationen, die sich in so einer Situation ergeben können. Aus dem ernsten Hintergrund, vor dem sich die Geschichte abspielt, nämlich die Einsamkeit auf dem Land und das zwielichtige Geschäft mit importierten Bräuten, zieht Mergault, die auch das Drehbuch geschrieben hat, soviel Kapital wie es irgend geht im Rahmen einer Komödie. Dabei erreicht sie aber kaum den melancholischen Blick, der den eingangs erwähnten Man muss mich nicht lieben auszeichnete, der neben aller Situationskomik vor allem eine ernste Betrachtung über das Altern war.

Sie sind ein schöner Mann

Mergault behält den leichten Tonfall bei. So kann die arg unwahrscheinliche Liebe zwischen den beiden Protagonisten aufblühen und zu einem Happy End führen. Dessen Inszenierung ist deutlich von Hollywood inspiriert, und da verwundert es auch nicht, dass nach Verleih-Angaben in den USA zurzeit ein Remake des in Frankreich mit vier Millionen Zuschauern sehr erfolgreichen Films vorbereitet wird.

Manches ist vorhersehbar und in jeder Hinsicht konventionell, aber die Geschichte ist zielstrebig und ohne sich zu verzetteln erzählt. Das macht sie zu einer weiteren, angenehm zu schauenden Variation eines alten Topos’.

Kommentare


Martin Zopick

Der Titel klingt ironisch, denn ein schöner Mann ist Hauptdarsteller Michel Blanc (Aymé) eigentlich wirklich nicht. Eher ein verklemmter aber herzensguter, der seine Gefühle nicht zeigen kann. Und ausgerechnet der gerät an die junge, lebenslustige Rumänin (Elena) (unheimlich beeindruckend Medeea Marinescu) aus dem Katalog – spätere Heirat nicht ausgeschlossen.
Der mit viel Wortwitz und amüsanter Situationskomik (Katze in der Waschmaschine) ausgestattete Film packt einen von der ersten Minute an, und die schauspielerische Leistung der beiden Hauptakteure tut ein Übriges, dass man bis an den Rand der ersten verstohlenen Träne gerührt wird. Man verzeiht auch das vorhersehbare zuckersüße Happy End. Die minimalistische Mimik von Michel Blanc kontrastiert zu dem lebhaften Gesichtsausdruck von Medeea Marinescu. In beiden Gesichtern spiegeln sich echte, tiefe Gefühle






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