Shrek der Dritte

Shrek sucht einen Nachfolger für den verstorbenen König des Märchenlandes Weit Weit Weg. Der dritte Teil der Märchenparodie bietet nur wenige Überraschungen.

Shrek der Dritte

Der computeranimierte Trickfilm ist seit Jahren ein großes Versprechen. Befreit von vielen Beschränkungen, denen klassische Cartoonformate unterworfen waren, eröffnet er dem Kino auf einmal eine Welt voller neuer Möglichkeiten: Fotorealistische Techniken – erstmals in größerem Umfang eingesetzt in Final Fantasy – Die Mächte in Dir (Final Fantasy: The Spirits Within, 2001) – sind genauso möglich wie die Darstellung von Ausgeburten der Fantasie ohne jede Verankerung in der empirischen Wirklichkeit. Denn alles, was denk- und programmierbar ist, und diese Kategorien liegen nicht mehr weit auseinander, lässt sich in eine Pixelkombination umrechnen.

Der Animationsfilm als Avantgarde der digitalen Revolution? Hollywoods Antwort auf diese Herausforderung sind sprechende Tiere. Letztes Jahr erreichten unter anderem Ice Age 2 (2006), Ab durch die Hecke (Over the Hedge, 2006) und Jagdfieber (Open Season, 2006) die deutschen Kinos, allesamt kindgerechte Abenteuerfilme um Eichhörnchen, Mammuts, Bären und andere mehr oder weniger putzige Geschöpfe. Die Ambitionen der Filmemacher beschränken sich ausschließlich auf Technisches, also darauf, durch entsprechende Programmierung Figuren, Oberflächen und Bewegungen detailgenau zu animieren, ansonsten sind sowohl Dramaturgie als auch Stilistik dieser Filme bis aufs Haar den Konventionen des herkömmlichen Erzählkinos abgeschaut. Man kann den Studios diese konservative Politik nicht verdenken, schließlich findet sie Zuspruch beim Publikum. Wer jedoch nach ambitionierten animierten Spielfilmen sucht, der wird heute eher bei klassisch gezeichneten Werken fündig, wie beispielsweise dem japanischen Tekkon kinkreet (2007).

Wenn es im knallbunten Allerlei dennoch eine große Ausnahme gibt, ist dies sicherlich die Shrek-Serie (seit 2001). Die Abenteuer um den gutmütigen, aber leider potthässlichen Oger, einen Esel, der sich gerne selbst reden hört und, seit Shrek 2 (2004), einen gestiefelten Kater mit spanischem Akzent gehorchen zwar ebenfalls den Gesetzen des Genres, sind aber mit einer unglaublichen Fülle an absurden Details sowie Bezügen auf die euro-amerikanische Mythengeschichte und Populärkultur aufgeladen. Die Welt dieser Filme scheint bisweilen nur noch aus intertextuellen Verweisen zu bestehen, die kein Außen mehr kennen und in ihrem Zusammenwirken erstaunliche Effekte erzielen.

Shrek der Dritte

Der dritte Teil der Serie beginnt mit dem Tod von Shreks Schwiegervater, König Harold: Sofort beginnt die Suche nach einem geeigneten Thronfolger. Shrek selbst möchte auf keinen Fall die Krone tragen und versucht stattdessen, den jungen Artie, den einzigen weiteren Anwärter, zu dieser Ehre zu überreden. Doch auch Prinz Charming, der Bösewicht aus dem Vorgängerfilm, hat seine Ambitionen noch nicht aufgegeben und plant mit anderen finsteren Gestalten einen Angriff auf das Schloss des Landes Weit Weit Weg, in welchem Shrek und seine Gefährten zu Hause sind.

Wie die beiden ersten Streifen erzählt auch Shrek der Dritte (Shrek the Third) eine Emanzipationsgeschichte. Genauer gesagt gleich mehrere: Artie entwickelt sich vom jugendlichen Loser zum kämpfenden Helden, die ewigen Schurken um Charming und seinen Gehilfen Captain Hook möchten endlich selbst zu Helden werden, und zu guter Letzt proben auch noch die Märchenprinzessinnen den feministischen Aufstand.

Allerdings möchte man Shrek der Dritte – und darin unterscheidet sich das Werk von seinen Vorgängern – dieses Programm nicht einmal unter seinen eigenen Voraussetzungen abkaufen. Der Film wickelt sein Konzept Punkt für Punkt ab, der Handlungsverlauf ist abgesehen von einer amüsanten Parodie auf das Genre der amerikanischen Highschoolkomödien ebenso gemächlich wie vorhersehbar und die neuen Figuren, allen voran Artie, im amerikanischen Original von Justin Timberlake gesprochen, haben dem Franchise nichts Neues hinzuzufügen. Auch Shreks Sidekicks, Esel und Kater, spulen nur ihr übliches Programm ab und versuchen dadurch davon abzulenken, dass sie eigentlich keine Funktion innerhalb des Films mehr besitzen. Für eine 160-Millionen-Dollar-Produktion macht Shrek der Dritte über weite Strecken einen erstaunlich lust- und leblosen Eindruck, wirkt wie eine Pflichtübung, bei der keiner der Beteiligten sich allzu sehr ins Zeug gelegt hat.

Shrek der Dritte

Dennoch finden sich auch in Teil Drei wieder Sequenzen, die völlig aus dem Rest des Films herausfallen und dadurch über dessen oft etwas hölzernes Konzept hinausweisen. So wird beispielsweise die Vorgeschichte des Pfefferkuchenmanns, einer der interessantesten Figuren des Shrek-Universums, in einer gerade einmal einminütigen wilden Montagesequenz aus surrealen Art-Deco Spielereien erzählt, die in ihrer ästhetischen Radikalität noch einmal die immensen Möglichkeiten des Animationsfilms offen legt. Auch die direkten und indirekten, oft recht originellen Zitate aus der Filmgeschichte, von den klappernden Kokosnüssen aus Die Ritter der Kokosnuss (Monthy Phyton and the Holy Grail, 1975) bis zum japanischen Luftangriff in Michael Bays Pearl Harbor (2001), sorgen dafür, dass Shrek der Dritte, zumindest für das etwas ältere Publikum, immer noch deutlich unterhaltsamer ist als ein Großteil der Konkurrenz. Gewisse Ermüdungserscheinungen der Oger-Saga sind jedoch nicht zu übersehen.

 

Kommentare


rollendermeter

Das Kinogeld hätte man sich sparen können. Wurde schon lange nicht mehr so gelangweilt. Selbst die Kinder im Publikum hat es nicht zum Lachen animiert. Der Soundtrack grottenschlecht, gar kein Vergleich zum ersten Teil. Lediglich der m. E. n. imposante Theme, wenn der lila Drache umherfliegt und überraschend die Bösen vertreiben will. Aber hier noch zwei Filmzitate aus Shrek 3: Der Esel kommt am Anfang des Films ins Schlafzimmer von Shrek und seiner Frau und singt: "Good Morning, Good Morning" aus "Singing In The Rain"! Und als die Märchenfiguren Schneewittchen, Aschenputtel und Rapunzel aus dem Kerker ausbrechen wirkte alles nach "Charlies Angel"-Marnier!






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