Shopping Girls - Galerianki

Mit der Freiheit kam der Kapitalismus. Zwei Jahrzehnte nach dem Zerfall des Ostblocks blickt dieses polnische Jugenddrama auf die Schattenseiten einer vom Konsum geprägten Gesellschaft.

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„Kann Sex angenehm sein?“, fragt die etwa 14-jährige Alicja (Anna Karczmarczyk) und fügt hinzu: „Wie es wohl mit jemandem ist, für den man etwas empfindet?“ Alicja ist Teil einer von Konsum, Werbung und Pornografie unter Druck gesetzten Jugend, die sich in Katarzyna Roslaniecs Debütfilm Shopping Girls (Galerianki) so sehr über Mode und Handys definiert, dass Alicja und ihre Freundinnen in die Prostitution abrutschen, um sich solche materiellen Besitztümer leisten zu können. Folgerichtig ist es gerade ein Handy, ein ziemlich klobig-veraltetes, das Alicja anfangs als nerdige Außenseiterin stigmatisiert – und über das Statussymbol eines besseren, schöneren Handys sucht sie den sozialen Aufstieg, der tatsächlich der Beginn eines Abstiegs ist. Eines Abstiegs in den Freundeskreis um die drei populärsten Mädchen der Klasse, die ihre Körper an „Sponsoren“ verkaufen, damit sie teure Klamotten anhäufen können, die sie wie billige Flittchen aussehen lassen.

Roslaniec entwirft dabei ein treffendes, leider jedoch allzu plakatives Bild der polnischen Gesellschaft, die gerade aufgrund der jahrzehntelang zwangsverordneten Askese im real existierenden Sozialismus nun dem totalen Materialismus frönt. „Echte Freunde gibt es nur im Supermarkt“ steht auf einem Plakat vor der Einkaufspassage, ein Werbeclip verspricht dem Konsumenten nicht etwa nur ein Produkt, sondern „Gefühle“.

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Am Rande streift das Jugenddrama auch immer wieder die psychologischen Auswirkungen der Omnipräsenz von Pornografie. Ein mit Lippenstift beschriebener Spiegel fordert auf, „sündig“ zu leben, Alicja fühlt sich in ihrem Körperbild durch Pin-up-Models aus einschlägigen Magazinen gestört und ein gleichaltriger Junge, der in einer Szene zu früh ejakuliert, sieht sich in der Schule massivem Mobbing ausgesetzt, als sein 'Versagen' bekannt wird.

Alicjas Wandlung von der biederen Streberin zur selbstbewussten Femme fatale gerät dabei etwas zu abrupt und überzeichnet. Berichtet ihre Schwester erst noch, dass Alicja „nie Freunde hatte“, so entwickelt sich das langweilige, wenn auch nicht eben hässliche Entlein bald zu einem verführerischen Schwan, der stark geschminkt Jungs in der Disco abschleppt und sich auch gleichgeschlechtlichen Reizen nicht verweigert. Warum die Clique um die proletenhafte Milena (Dagmara Krasowska) sich überhaupt plötzlich für ihre unpopuläre Klassenkameradin interessiert, bleibt ebenso rätselhaft wie die Tatsache, dass Alicja für ihre neuen Freundinnen die eigene Versetzung gefährdet. Als die Freundschaft schließlich wieder zerbricht, endet dies in einer ebenso deplatzierten wie physisch unwahrscheinlichen Catfight-Szene.

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Roslaniecs Film nimmt sich eines bisher wenig beachteten gesellschaftlichen Themas an und untersucht die sozialen Gründe und seelischen Folgen der von Konsumlust motivierten Jugendprostitution. Die inhaltliche Beschäftigung mit diesem Phänomen zählt zu den Stärken des Films – das gleiche gilt für das Porträt einer ersten zarten Liebesbeziehung, die sich zwischen Alicja und Michal (Franciszek Przybylski) entspinnt. Die Unschuld und Unsicherheit ihrer Begegnungen bilden einen intensiven Kontrast zu jener Welt, wie sie sonst in Shopping Girls zu sehen ist – einer Welt, in der Liebe und Sex getrennt sind und wo zwischenmenschliche Kontakte zu Transaktionen mit kaltem Kosten-Nutzen-Kalkül degenerieren.

Von der Inszenierung des aktuellen, brisanten Stoffs kann man indes nicht behaupten, dass sie immer gelingt. Die Regisseurin vertraut allzu sehr auf eine ständige Untermalung durch Rap- und Pop-Musik, um den Zuschauer atmosphärisch in die rundum kapitalistische Welt der jugendlichen Figuren zu transportieren. Zudem fällt eine im Drehbuch vermutlich schockierende Wendung in der filmischen Umsetzung emotional ziemlich flach. Statt von der Last, die sich ab diesem Moment auf ihre schmalen Schultern senkt, erdrückt zu werden, verfährt Alicja buchstäblich nach dem Motto „Mund abwischen und weiter machen!“, was angesichts ihrer auf sich geladenen Schuld eine mit ihrem Charakter inkonsistente Leichtfertigkeit darstellt. Diese Entwicklung der Hauptfigur kauft man – um in konsumistischen Begriffen zu reden – dem ambitionierten, aber letztlich nur sporadisch überzeugenden Film einfach nicht ab.

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Kommentare


Koch

Ein wirklich sehr gut gemachter Film. Ich war total zufrieden. Hier wir aufgeklärt, dass Menschen, die alleine sind, wie Alicja sich schnell von anderen beeinflussen lassen. Selbst Menschen die einen Freundeskreis haben lassen sich schnell beeinflussen, aber in die diesen Film wird deutlich, dass Alicja sich besonderst schnell beeinflussen lässt, da sie niemand hat. Auch wird klar, dass Alicja dazu gehören möchte, egal um welchen Preis. So versucht sie einiges um zu den 'Shopping Girls' zu gehören. Bis schließlich Milena sie mit 'reinzieht'. Schrecklich ist es auch zu sehen, dass sie ihr 1. Mal mit einen alten Mann hat, und nur damit sie ein neues Handy bekommt. Das Handy beschreibt sie zum Anfang, auch als die Außenseiterin. Im Film wird deutlich, dass die Shopping Girls von Nirgends Hilfe bekommen, selbst als das Eine Mädchen von ihnen schwanger wird, zeigt sich hier die 'unterlassene Hilfeleistung' der Eltern. Milena hat niemanden, keinen von den sie abhängig sein kann, nur eben von den Männern. Schrecklich ist mit anzusehen, dass auch Alicja nicht von Zu hause oder woanderst her geholfen wird. Der Film ist ein Aufklärungsfilm, und für all die Jenigen sehenswert, die doch mehr in der 'Einzelheit' leben. Es sollte auch anderen egal sein, ob ein Mädchen/Junge in der Klasse nicht die neuesten Schuhe trägt oder das neueste Handy (Wie in Alicjas Fall) hat.Geklärt wird auch, dass beim Sex nicht immer oder kaum, und schon garnicht beim ersten Mal alles perfekt läuft, wie man es sich vorstellt oder wie es in Medien steht. Dies wird klar, durch den gleichaltrigen Jungen aus Alicjas Klasse, der Alicja sehr toll findet und auch schon etwas länger in sie verliebt ist. Die beiden führen dann auch eine Beziehung, was im Film nicht richtig klar wird. In meinen Augen sind sie aber zusammen. Auch die Beiden, wollten gemeinsam, zu zweit und zum Ersten Mal miteinander schlafen, da dies dann aber scheitert weil der Junge zu früh ejakuliert. Über dies ist Alicja eingschnappt und erzählt es der Milena, diese aber erzählt es weiter und schon am nächsten Morgen weiß die ganze Schule bescheid. In diesen Szenen wird der Mobbing dargestellt, ein ziemlich extremer Mobbing, welcher dann auch bis zu den Tod des Jungen führt. Im Endeffekt, wird sich Alicja klar, was sie falsch gemacht hat. Zum Schluss des Filmes sieht man, wie sie sich abschminkt und ihre tupierten Haare nach unten legt. Hier wird symbolisiert, dass sie ihre 'Maske' ablegt.Im Endeffekt möchte sie wieder sie selbst sein.

Katharina, 14 Jahre.






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