Shooting Dogs

Ausgehend von realen Ereignissen auf einem UN-Stützpunkt in Ruanda erzählt der Film aus der Perspektive zweier Engländer vom Ausbruch des Völkermords an den Tutsis.

Shooting Dogs

Im April 1994 eskalierte in Ruanda das angespannte Verhältnis zwischen den beiden Volksgruppen Hutu und Tutsi und auf die Ermordung des ruandischen Präsidenten folgte eine Welle der Gewalt, die über 500.000 Todesopfer forderte. Im Westen, wo man weniger mit der Vorgeschichte der Ereignisse vertraut war, bestätigten solche Bilder scheinbar das Klischee eines barbarischen Afrikas.

Wie bei jeder größeren Katastrophe war es auch beim Genozid in Ruanda nur eine Frage der Zeit, bis ein Film darüber gemacht wird. Nach Auseinandersetzungen von Raoul Peck (s. Interview) und Robert Favreau sowie  Hotel Ruanda (Hotel Rwanda, 2004) (s. Interview) gibt es mit Shooting Dogs (2005) nun eine neue filmische Aufarbeitung des Massakers. Der schottische Regisseur Michael Caton-Jones (Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell, Basic Instinct 2, 2006); Der Schakal, The Jackal, 1997; Rob Roy, 1995), der eher als unscheinbarer Handwerker bekannt ist, unternimmt ebenso wie aktuell  Der letzte König von Schottland (The Last King of Scotland, 2006) den Versuch, afrikanische Geschichte für ein westliches Publikum aufzubereiten. Dementsprechend wird die Handlung aus der Perspektive einer weißen Identifikationsfigur erzählt, doch im Gegensatz zu Der letzte König von Schottland folgt der Film dabei den historischen Fakten und wählt als Schauplatz das Gelände eines UN-Stützpunkts in Kigali, auf dem sich auch eine Kirche und eine weiterbildende Schule für einheimische Kinder befindet.

Shooting Dogs

Wie in einem Horrorfilm verwandelt sich in der ersten Hälfte von Shooting Dogs die trügerische exotische Idylle schlagartig in ein blutiges Untergangsszenario. Während sich die kommende Katastrophe noch wie ein böses Omen durch scheinbar harmlose Hänseleien unter Kindern zeigt, flüchten schon bald tausende Tutsis auf das UN-Gelände. Pater Christopher (John Hurt) und Lehrer Joe (Hugh Dancy) versuchen dabei, die Lage unter Kontrolle zu halten und sind geschockt, von welcher Seite sich ihnen Ruanda plötzlich präsentiert. Die Isolation der Menschen auf dem UN-Gelände, umringt von Schlächtern, die aggressiv ihre Macheten schwingen, erinnert auch an die Grundkonstellation in George A. Romeros Zombie (Dawn of the Dead, 1978), in dem sich die Figuren in einem Kaufhaus vor einer Horde Zombies verbarrikadieren. Dank dieser Vorraussetzungen funktioniert Shooting Dogs auch über weite Strecken gut auf der Spannungsebene, wechselt seinen Schwerpunkt aber nach der Hälfte, indem er seine Protagonisten in ein moralisches Dilemma führt. Mit dem Befehl zum Abzug der Truppen wird gleichzeitig das Todesurteil der Tutsis auf dem Gelände unterschrieben und Pater Christopher und Joe stehen vor der schwierigen Entscheidung, ob sie ihre Freunde zurücklassen sollen oder selbst mit ihnen in den Tod gehen. Ein Moment, in dem besonders Pater Christophers religiöses Gerede über Hoffnung, Vergebung und Erlösung dem Film einen faden Beigeschmack gibt.

Das grundsätzliche Problem eines auf Tatsachen basierenden Films, der eine verdichtete und dramatisierte Geschichte als eine Art wiedergegebener Realität ausgibt, gestaltet sich bei Shooting Dogs noch weitaus schwieriger. Schließlich handelt es sich um ein Ereignis aus einem sehr unterschiedlichen Kulturkreis, das von außen nachgezeichnet wird. Zwar geht es dem Film vor allem um das Versagen der UN und nicht um die Dämonisierung eines afrikanischen Landes, aber ohne eine afrikanische Perspektive oder näheren Erklärungen zu den Ursachen und Beweggründen des Massakers hat diese Sichtweise unweigerlich etwas Chauvinistisches und Belehrendes. Um eine differenzierte Betrachtung des Genozids geht es dem Film aber ohnehin nicht. Vielmehr ist es ein Appell an die Emotionen des Zuschauers, der als einzige Erkenntnis die enorme Grausamkeit dieses Ereignisses aus dem Film mitnimmt.

Shooting Dogs

Am Ende des Films wird mit Hilfe der Musik noch einmal kräftig auf die Tränendrüse gedrückt, während der Abspann von Fotos Überlebender eingeleitet wird, die bei der Produktion des Films hinter der Kamera mitgewirkt haben. Ein ambitioniertes Vorhaben, das jedoch wie ein penetranter Versuch wirkt, die Authentizität des Gezeigten zu untermauern und auf selbstgefällige Art und Weise die eigene Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft ausstellt.

 

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