Shooter

Der actionreiche Film um ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten zeigt Mark Wahlberg auf den Spuren von Sylvester Stallone: Allein gegen alle kämpft ein Elitesoldat, der alle Tricks kennt, gegen ein korruptes System.

 

Shooter

Bob Lee Swagger ist ein Profi. Er liegt, versteckt auf einem Hügel, hinter seinem Präzisionsgewehr, misst Windrichtung und -geschwindigkeit, dreht an einem kleinen Rädchen, blickt durch das Zielfernrohr, drückt ab - und weit entfernt sackt ein Soldat zusammen. Antoine Fuquas Shooter legt viel Wert auf die detaillierte Beschreibung der Arbeit eines Heckenschützen, an manchen Stellen wirkt das fast, als hätte er keinen Actionstreifen, sondern eine Reportage über einen Beruf drehen wollen. Das führt dazu, dass dem Film eine gewisse Faszination für die Tätigkeit von Scharfschützen anhaftet, die bisweilen in reinen Waffenfetischismus mündet. Und die in manchen Bildern die dunkle Seite des US-amerikanischen Selbstverständnisses heraufbeschwört. Wenn Swagger in Zeitlupe mit einem Maschinengewehr hantiert, ist das nicht - wie zum Beispiel in den Zeitlupen-Gewaltorgien eines Sam Peckinpah - eine Bestandsaufnahme menschlicher Unzulänglichkeit, sondern ein affirmatives Bild, das ebenso aus der Rambo-Reihe (1982-1988) wie aus einem Werbespot für die US-Armee stammen könnte. Besonders im Zusammenhang mit einer anderen Zeitlupeneinstellung, in der Swagger vor der amerikanischen Flagge stolziert. Das ist übrigens auch die Bedeutung des englischen Verbes „to swagger“: stolzieren.

Dieser Swagger, grimmig gespielt von Mark Wahlberg, hat sich in die Einsamkeit der Wildnis zurückgezogen, nachdem sein Partner und Freund bei einem fehlgeschlagenen Einsatz ums Leben gekommen ist. Dort lebt er in einer Blockhütte, liest Verschwörungstheorie-Seiten im Internet und trinkt gemeinsam mit seinem Hund Bier aus derselben Dose. Er wird in seinem selbstgewählten Exil von Colonel Johnson (Danny Glover) aufgesucht, der den ehemaligen Elitesoldaten reaktivieren möchte. Sein Land brauche ihn, sagt Johnson, um ein Attentat auf den Präsidenten zu planen.

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Wie bitte?

Es gebe Hinweise, erklärt der Colonel, dass ein solches kurz bevorstehe, und man benötige den besten Scharfschützen der USA, um herauszufinden, wo und wann der Attentäter höchstwahrscheinlich seinen Schuss abgeben werde. Der zunächst widerwillige Swagger lässt sich dann doch bei seinem Patriotismus packen und nimmt den Auftrag an - und gerät mitten in eine Verschwörung, die ihn zum Gejagten macht.

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Regisseur Fuqua (Training Day, 2001) hat einen temporeichen Actionfilm gedreht, mit einer Reihe von guten Schauspielervorstellungen. Dazu zählt neben Wahlberg vor allem Michael Peña als junger, unerfahrener FBI-Agent, der als einziger an der offiziellen Version zweifelt und zum Verbündeten Swaggers wird. Peña, der kürzlich als Feuerwehrmann in Oliver Stones World Trade Center (2006) neben Nicolas Cage unter den Trümmern der Twin Towers begraben lag, spielt den verunsicherten, aber in seine Intelligenz vertrauenden jungen Mann mit genau dosierter Zurückhaltung. Ned Beatty, der Nebenrollen-Star der siebziger Jahre, gibt einen korrupten Senator und Kate Mara (Brokeback Mountain, 2005) die Frau an der Seite des Helden.

Die Frauenrollen in Shooter haben dabei eine Tendenz zu leichter Bekleidung. Mara wird in ihrem Haus genau in dem Moment überfallen, als sie mit nicht viel mehr als einem Büstenhalter durchs Bild läuft; und eine sehr kurze Einstellung, die lediglich illustrieren soll, wie eine FBI-Agentin ans Telefon geht, zeigt diese in schwarzer Spitzenunterwäsche. Später gibt es noch ein Bild von Mara im BH, an einen Stuhl gefesselt. Das klingt nach bester Sexploitation, aber der Film nimmt sich so ernst, dass solche Szenen in dieser Häufung deplatziert wirken.

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Das Drehbuch von Jonathan Lemkin - nach einem Roman von Stephen Hunter verfasst - gibt sich viel Mühe, eine Art „ehrlichen“ Patriotismus zu konstruieren, der offenbar auch Selbstjustiz einschließt. Der Bezirksstaatsanwalt, der Swagger gegen Ende mehr oder weniger direkt dazu auffordert, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, gehörte eigentlich ins Gruselkabinett reaktionärer Phantasien oder auf die Wunschliste von Waffenlobby und Redneckmilizen. Hier jedoch ist er ein sympathischer Charakter, dem leider lästige Gesetze die Bestrafung der Schuldigen verbieten. Aber dafür hat er ja Swagger.

 

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