Shinobi

Die Ninjas sind wieder da, allerdings ohne Chuck Norris und mutierte Schildkröten. Der aufwändig produzierte japanische Blockbuster Shinobi versucht, an den Erfolg moderner chinesischer Martial-Arts-Streifen anzuschließen.

Shinobi

Oboro (Yukie Nakama) liebt Gennosuke (Joe Odagiri) und Gennosuke liebt Oboro. Leider gehört die junge Oboro zum Iga-Clan während Gennosuke der Anführer der Kouga-Ninjas ist. Als der Shogun Ieyasu (Kazuo Kitamura) erkennt, dass die Ninja-Clans des Landes eine Gefahr für seine Herrschaft darstellen, befiehlt er ihnen, in Wettkämpfen auf Leben und Tod gegeneinander anzutreten. Die Liebe Oboros und Gennosukes scheint unter einem schlechten Stern zu stehen.

Seit Muscle Heat (Masuuruhiito, 2002) gilt Ten Shimoyama als eine der größten Hoffnungen des japanischen Actionkinos. Shinobi ist seine erste größere Produktion und schielt unverhohlen auf den internationalen Markt, der asiatischen Martial-Arts-Filmen in den letzten Jahren so manchen kommerziellen Erfolg bescherte. Nach Kung-Fu (Hero, Ying xiong, 2002) und Muay Thai (Ong bak, 2003) sind jetzt die Ninja-Kämpfer an der Reihe. Diese erlebten auf europäischen und amerikanischen Leinwänden ihre bisher einzige Hochphase in den achtziger Jahren. Filme wie das Chuck-Norris-Vehikel The Octagon (1980), Ninja - Die Killermaschine (Enter the Ninja, 1981) mit Franco Nero oder die American Fighter-Streifen (American Ninja, 1985-1993), die Michael Dudikoff zum Star machten, lösten einen Ninjaboom aus, der spätestens mit dem Erfolg der Fernsehserie Teenage Mutant Ninja Turtels (1987-1996) die Kindezimmer rund um den Globus erreichte.

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Shimoyama gehört zu einer neuen Generation japanischer Mainstreamregisseure, die vor allem durch den Einsatz extravaganter Tricktechnik auf sich aufmerksam macht. Zwar ist der Einsatz digitaler Hilfsmittel inzwischen weltweit unverzichtbar, doch diese werden nicht immer in derselben Weise angewendet. Während in Hollywood meist versucht wird, die Anwendung dieser Computertricks zu verstecken und das Bild wieder zu naturalisieren, stellen viele japanische Regisseure die Andersartigkeit der neuen Technik offen aus. In Filmen wie Takashi Miikes Zebraman (2004) oder Mamoru Oshiis grandiosem Endzeitepos Avalon (2001) werden digitale Effekte nicht nachträglich naturalisiert, ganz im Gegenteil sind die Bruchstellen zwischen den verschiedenen Bildformen Teil der Struktur der Werke. Auch Shimoyamas Horrorfilm Otogiriso (2001), wiewohl weit weniger intelligent aufgebaut als die oben erwähnten Werke, nutzt digitale Färbetechniken in Verbindung mit unterschiedlichen Erzählebenen auf interessante Weise.

Auch Shinobi setzt digitale Techniken exzessiv ein und verzichtet darauf, dieselben zu verstecken. Die zahlreichen Kampfszenen sind bis zum Rand gefüllt mit morphenden Körpern und unwirklich glänzenden Oberflächen, die Krieger beschießen sich mit seltsamen Waffen jeglicher Couleur. Allerdings werden die Effekte nie reflektiert eingesetzt, sondern gehorchen einer rein quantitativen Logik, hierin ist der Film wiederum durchaus mit dem zeitgenössischen amerikanischen Blockbusterkino vergleichbar. Alles blitzt, leuchtet und kracht und spätestens nach der dritten Kampfszene macht sich aufgrund des visuellen und akustischen Overkills auch bei prinzipiell genreaffinen Zuschauern Müdigkeit breit.

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Erschwerend kommt hinzu, dass auch die tendenziell ruhigeren Sequenzen mit einer uninspirierten Hochglanzoptik bebildert werden, die auf die mediale Herkunft des Stoffes verweist – Shinobi ist die Verfilmung einer legendären Videospielserie, die bereits seit den späten achtziger Jahren nicht nur in Japan große Erfolge feiert. Man mag den Transfer dieser Prügelspielserie auf die Leinwand in einer Hinsicht als gelungen bezeichnen: Shimoyamas Streifen übernimmt sowohl die holzschnittartigen Charaktere der Videospielwelt – gekennzeichnet meist ausschließlich durch eine kleine Anzahl quantifizierbarer Attribute – als auch die banalen Plotkonstruktionen, die auf der Spielkonsole nur den Vorwand für die eigentlich entscheidenden Kampfsequenzen darstellen. Allerdings macht das Ergebnis klar, dass die Differenz zwischen den Medien Film und Computerspiel von Regisseuren, die sich an Verfilmungen letzterer versuchen mehr verlangt, als eine möglichst originalgetreue Umsetzung der Optik und der strukturellen Logik des Originals.

Hinter der extravaganten Technik verbirgt sich ein fast klassizistisches Melodram, das auch nicht vor oberflächlichen Anleihen bei Shakespeares Romeo und Julia (Romeo and Juliet) zurückschreckt. Die eigentliche Triebfeder der Handlung ist jedoch dieselbe, die im Mittelpunkt fast aller klassischer Samurai-Filme steht: Die Figuren müssen sich zwischen ihren eigenen Gefühlen, dem japanischen „Ninjō“ und „Giri“, der Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, entscheiden. Jeder der auch nur oberflächlich mit den Genrekonventionen populärer japanischer Erzählformen vertraut ist, weiß bereits zu Beginn, wie der Konflikt enden wird.

Formal füllt Shinobi dieses traditionsreiche Handlungsgerüst mit den Mitteln des zeitgenössischen Überwältigungskinos, dessen formale Struktur sich als eine Ansammlung emotional aufgeladener Zeichen beschreiben lässt, die nicht durch ein sinnvolles Organisationsprinzip, sondern durch reine Quantität auf das Publikum einwirken sollen. Die tragische Liebesgeschichte, neben den aufwändig gestalteten Kämpfen die Hauptattraktion des Films, wird in epischer Breite und ohne Rücksicht auf Verluste präsentiert. Von den pompösen Bildern im Vorspann bis zum süßlichen J-Pop Song im Abspann bietet Shinobi Popcornkino der unschönen Art.

Das moderne japanische Kino gehört zu den vielseitigsten und interessantesten weltweit, und das, obwohl es mit ähnlichen finanziellen Problemen zu kämpfen hat wie die europäischen Kinematografien. Leider ist diese Filmlandschaft in Deutschland außerhalb des DVD-Angebots und einiger kleiner Festivals so gut wie unsichtbar. Umso ärgerlicher, dass nun ausgerechnet ein Film wie Shinobi das japanische Kino auf dem internationalen Märkten repräsentiert.

Kommentare


bignik

ich fand den film nicht so schlecht.zum review:der film hat mit der sega-reihe shinobi nichts zu tun,sondern basiert auf der mangaserie basilisk


The Dreamer

Mir hat der Film überhaupt nicht gefallen, die Charaktere werden zu steril gezeigt, man kann sich mit den Figuren nur schlecht oder garnicht identifizieren.


FiZ

War extrem begeistert von diesem Film. Es ist sehr schön gelungen die Konflikte des alten Japans zu zeigen (Ehre& Tradition versus die privaten Gefühle). Mit dem gleichnamigen Computerspiel hat der Film wenig zu tun (also keine primitive Game verfilmung a la Tomb Raider)
Wer „Hero“ gut fand, wird Shinobi lieben!






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