Shaolin

Mit einigen spektakulären Schlachtensequenzen punktend, aber auch unter der uninspirierten Regie Benny Chans leidend, reiht sich Shaolin ins Mittelfeld des staatstragenden chinesischen Historienblockbuster ein.

Shaolin 02

Am Beginn des 20. Jahrhunderts ist China in Bürgerkriegen zerrissen: Nach dem Fall der Qing-Dynastie im Jahr 1912 tobten grausame Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Warlords durch die junge Republik. General Hou Jie (Andy Lau) zählt zu den rücksichtslosesten Kriegern unter diesen Warlords, und sein erster Auftritt in Benny Chans Shaolin demonstriert nachdrücklich seine Erbarmungslosigkeit angesichts des militärischen Gegners, dessen Anführer sich schwerverletzt in den Tempel der Shaolin-Mönche gerettet hatte – wo er von Hou gleichwohl, ohne Respekt vor der Spiritualität und dem Pazifismus des Ordens, aufgespürt und hingerichtet wird.

Mit dieser Tötung schließt Hou seinen großen Eroberungsfeldzug erfolgreich ab, was diesen, der nebenbei auch noch als liebender Familienvater charakterisiert wird, in gewisser Hinsicht auch zur Ruhe kommen lässt. Fluchtpunkt seiner kompromisslosen Kriegsführung nämlich ist, das macht Shaolin bereits einleitend deutlich, durchaus noch der Frieden als Ziel, der ihm nur durch einen konsequenten militärischen Sieg erreichbar scheint. Anders sieht das freilich sein Schüler und Weggefährte Tsao Man (Nicholas Tse), der die erste Gelegenheit zum Verrat nutzt und fortan eine wahre Schreckensherrschaft errichtet. Nach der Ermordung seiner Tochter verschlägt es Hou halbtot in den Shaolin-Tempel, wo er ein neues Leben beginnt – bis ihn das Schicksal schließlich wieder in die Konfrontation mit Tsao führt.

Shaolin 01

Shaolin reiht sich ein in eine scheinbar unendliche Folge aufwendiger, staatstragender Historienfilme, die das chinesische Kino seit Jahren produziert. Dieses Kino ist weit entfernt von dem spielerischen Zugriff auf die chinesische Geschichte, der etwa die furiosen Historienfilme eines Tsui Hark in der Blütezeit des Hongkong-Kinos in den 1990er Jahren charakterisierte. Fluchtpunkt ist diesen Filmen stets die Einheit des chinesischen Volkes und sein Schutz gegen äußere Einflussnahme und Eroberungsversuche: So werden am Ende auch die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Modellen der (Gewalt-)Herrschaft in den Hintergrund gedrückt durch die Zerstörung des Shaolin-Tempels durch böse, westliche Kaufleute, die das kulturelle Erbe Chinas aufkaufen und über die modernsten Waffen und damit auch die Kontrolle über die innerchinesischen Konflikte verfügen.

Shaolin 03

Diese Form und diese grundsätzliche ideologische Stoßrichtung bricht Shaolin nicht entscheidend auf, stattdessen ordnet er sich ein bisschen unentschieden etwa ins Mittelfeld dieses inzwischen einigermaßen redundant anmutenden Blockbusterformats ein. Auch wenn insbesondere die zweite Hälfte durchaus mit spektakulären, mitreißend choreographierten Schlachtensequenzen punkten kann, leidet der Film doch sehr unter Benny Chans eher uninspirierter Regie. Besondere dramaturgische Begabungen hatte Chan, der bisher vor allem als Regiehandwerker für eine Reihe der mäßigeren Filme Jackie Chans – der hier auch eine kleine, vor allem komödiantisch angelegte Rolle als gutmütig-naiver Koch mit nur einer (zugegeben furiosen) Martial-Arts-Sequenz spielt – aufgefallen ist, bis dato ohnehin noch nie nachgewiesen, was auch die ziellos mäandernde erste Stunde von Shaolin noch einmal bekräftigt. Somit bleibt dieser ein eher zwiespältiges Vergnügen, das zwar augenblicksweise durchaus zu gefallen weiß und einige eindrucksvolle Bewegungskinosequenzen zu bieten hat, aber aus den Konventionen des kommerziell und parteipolitisch auf Linie gebrachten chinesischen Blockbusters nicht herausragen kann.

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