Shadow Dancer

Dancer in the fog.

Shadow Dancer 01

Wie durch einen Nebel schaut man auf die Welt von Shadow Dancer. Ein Reihenhaus in Belfast, ein Pub, ein Büro des MI5: als würde ganz Nordirland Kette rauchen, sich verstecken wollen im Dunst, langsam verschwinden. Die Menschen sieht man oft nur hinter Scheiben, auf denen sich die Schemen einer Welt spiegeln, oder durch kristallenes Glas zweigeteilt. Obendrein spielt Regisseur James Marsh mit Unschärfen, zieht den Fokus langsam nach, watet durch die Luft wie durch weiche Hindernisse zwischen Objektiv und den Objekten.

Wenn in Shadow Dancer die Handlung nach einem kurzen Prolog richtig einsetzt, im Jahre 1993, hat sich der bewaffnete Aufstand der IRA lange verhärtet, ist nur noch das Fossil eines Konflikts. Zu lange schon haben sich Militär, Geheimdienst und Terroristen ineinander festgebissen. Auch wenn in Belfast alles überwacht wird: Niemand in dieser dunstigen Welt hat mehr klare Sicht.

Shadow Dancer

Nach einem dilettantischen Anschlagsversuch in London wird die irische Patriotin Colette McVeigh (Andrea Riseborough) von einem Agenten (Clive Owen) vor die Wahl gestellt: lebenslange Haft oder Spitzeldienst. Er beherrscht sein Geschäft, spielt die Karten der intimen Informationen gut aus, bringt den kleinen Sohn der Bombenlegerin ins Spiel. Sie gibt nach, was soll sie auch entgegensetzen. Die Abmachung klingt wie ein Heiratsantrag: Er wacht, passt auf, beschützt; sie verlässt sich auf ihn.

Es geht um Themen wie Loyalität, Vertrauen, die Last der Vergangenheit. Um Nordirland geht es aber nur am Rande. Die Motive der Familienzwiste, der sich selbst auffressenden Revolutionäre, der geheimdienstlichen Doppelspiele, all das ließe sich auch in anderen Kontexten ohne Verluste ansiedeln.

Shadow Dancer 02

Die Stimmung ist permanent bedrückt. Der Soundtrack besteht aus minimalistischen Soli für Klavier, die Dialoge verhandeln nur das Nötigste. Man schweigt mehr, als dass man redet, taxiert einander lange, stellt mit Blicken immer aufs Neue die Frage, ob man sich noch einmal dazu durchringen kann, dem anderen zu vertrauen. Aber letztlich traut hier niemand niemandem mehr. Wären da nicht die Kinder: Wo immer etwas auf dem Spiel steht, ist ein Kind beteiligt. Sie sind das Mensch gewordene Gewissen der versteinerten Erwachsenen, um ihrer Unschuld willen verstricken sich die Großen immer mehr in Schuld.

Shadow Dancer ist kein schlechter, jedoch ein etwas armer Film. Er entschleunigt alle Geschehnisse und verhandelt die Konflikte auf sehr persönlicher Ebene, was die Filmwelt sehr steril, sehr beispielhaft, sehr hermetisch wirken lässt. Die Figuren haben allesamt so gut wie keine Handlungsmacht, sie folgen nur lethargisch den Automatismen eines Krieges, der sich längst verselbstständigt hat. All das, in Verbindung mit der Absenz überraschender Konfliktkonstellationen und einem eher routiniertem Schauspiel, macht aus Shadow Dancer einen Film, der nicht vollkommen danebengeht, für den man sich aber nur schwer begeistern kann.

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