Sex Tape

Mit einem Heimporno verteidigt ein frustriertes Ehepaar die Gegenwart gegen die Vergangenheit. Regisseur Jake Kasdan versucht sich an einer Komödie für Erwachsene.

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Sex Tape beginnt mit einer verklärenden Reise in die Vergangenheit. Eines wird dabei klar: Jungsein, das ist für den Film zumindest auf sexueller Ebene der Idealzustand. Egal um welche Situation es sich handelt und wo man sich gerade befindet, der Schwanz steht, und die Lust, spontan übereinander herzufallen, ist ohnehin immer gegeben. Warum das so war und nicht mehr so ist, machen die wehmütigen Erinnerungen der Bloggerin Annie (Cameron Diaz) schnell klar: Zum einen ist die Ehe daran schuld, weil sie der Unverbindlichkeit einer Beziehung, dem spielerischen Experimentieren und Gedankenlos-in-den-Tag-hinein-Leben das Endgültige gegenüberstellt. Zum anderen ist man als Familie mit Kindern aber auch in einem Netz aus Verpflichtungen gefangen, in dem kein Platz für spontanen Sex bleibt. Doch irgendwie mag man dieser Rückblende nicht ganz trauen. Das Paar, um das es im restlichen Film geht, wurde digital verjüngt und wirkt auf gruselige Weise künstlich. Cameron Diaz sieht nicht wirklich aus wie Cameron Diaz, ihr Partner Jason Segel dafür wie eine Art Frankensteins Monster, bei dem der jugendliche Kopf auf den erwachsenen Körper verpflanzt wurde. Dann vielleicht doch lieber die triste Gegenwart.

In der Mitte des Bürgertums angekommen

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Im Hinblick auf Jake Kasdans durchaus gelungene Komödie Bad Teacher (2011) ist erst einmal erstaunlich, wie unlustig Sex Tape beginnt. Doch die Ursache dafür ist wohl weniger eine kreative Durststrecke als der Versuch, sich an einem anderen Konzept zu orientieren. Cameron Diaz ist hier eben nicht mehr die fluchende und kiffende Lehrerin, die einfach nicht erwachsen werden will, sondern eine Ehefrau und Mutter, die in der Mitte des Bürgertums angekommen ist. Sex Tape ist eine Komödie für und über Erwachsene, und Kasdan verschiebt dabei – stärker noch als Judd Apatow in seinen letzten Filmen (Immer Ärger mit 40; This is 40, 2012) – den Fokus von albernem Fäkalhumor auf die Lebensrealitäten von Menschen im mittleren Alter. Wie ernst es dem Film mit seinem Thema ist, zeigt er mit den niederschmetternd deprimierenden Versuchen des Paares, nach einer langen Pause endlich wieder Sex zu haben. Die Kinder sind aus dem Haus, die Erwartungen riesengroß und das Resultat natürlich ein einziges Trauerspiel, bei dem Kasdan den Blick partout nicht abwenden will. Selten erzählte ein Mainstreamfilm auf derart ungeschminkte Weise, wie deprimierend Sex sein kann. Immer wieder versuchen es die beiden, probieren unterschiedliche Kostüme, Orte und Stellungen, doch es will einfach nichts werden.

Auf der Suche nach einer würdigen Gegenwart

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Sex Tape lebt vor allem davon, dass er sich zweier Phänomene annimmt, eines zeitlosen und eines aktuellen: Er zeigt die Ehe wie viele andere Filme vor ihm als Lustkiller, hat aber gleichzeitig eine Lösung für das Problem parat: einen Heimporno, der die Nacht nur allein deswegen rettet, weil der Gedanke, beim Sex beobachtet zu werden, erregender ist als alle Versuche, die davor kläglich gescheitert sind. Es läuft also wieder in der Ehe; doch dummerweise ist Jay (Segel) technisch etwas unbedarft und schickt den Film aus Versehen an alle Leute, denen er kürzlich ein Notebook geschenkt hat. Und das sind einige. Wenn sich Jay und Annie anschließend daran versuchen, mit allen Mitteln wieder an die verschenkten Computer zu kommen, gewinnt der Film deutlich an Fahrt. Höhepunkt ist ein Gastauftritt von Rob Lowe, der 1988 selbst einen Sextape-Skandal hatte und nach Liberace – Zuviel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, 2013) bereits zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit sein komisches Talent unter Beweis stellt. Noch deutlicher als Diaz und Segel verkörpert er als spießiger Firmenchef das Dilemma, einer aufregenden Vergangenheit keine würdige Gegenwart entgegensetzen zu können. Während er sein Strohwitwertum mit Koks und dem hämmernden Metal-Sound von Slayer feiert, erinnern in seiner Villa groteske Bilder – auf denen er in die Settings von Disney-Filmen arrangiert wurde – an das angepasste Leben, das er sonst führt.

Je offener, desto prüder

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Leider verspielt Sex Tape einige von seinen Verdiensten wieder mit nicht sehr dezent gesetzter Schleichwerbung. Dass die Vorzüge eines qualitativ hochwertigen Computerherstellers oder einer omnipräsenten Coffeeshop-Kette mit einem betont ironischen Augenzwinkern angepriesen werden, macht die Sache auch nicht besser (davon konnte man sich schon in dem Google-Werbespot Prakti.Com (The Internship, 2013) überzeugen). Allein die Werbung für eine ebenfalls bekannte, kostenlose Porno-Plattform, als deren Chef Jack Black einen Gastauftritt hat, mag man noch als halbwegs subversiv durchgehen lassen. Überhaupt hat Kasdan einen Film gedreht, der für eine Hollywoodkomödie recht freizügig ausfällt, wobei sich ausgerechnet durch den behaupteten offenen Umgang mit Sexualität die Prüderie des Films umso stärker abzeichnet. Aber auch wenn Sex Tape das, was man deutlicher zeigen und sagen könnte, immer wieder umschifft, hat er sein Herz doch am rechten Fleck. Mehr Experimente im Bett heißt die Devise. Und wenn etwas an dem bristanten Amateurvideo anstößig ist, dann nicht, dass Eltern überhaupt so etwas besitzen, sondern einfach, dass Annie und Jay darauf nicht besonders vorteilhaft aussehen.

Trailer zu „Sex Tape“


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