Severance

Sieben Angestellte eines Rüstungskonzerns verirren sich in den Wäldern Osteuropas und begegnen dem Grauen. Christopher Smiths Zweitwerk ist ein effektiver moderner Horrorfilm mit allem was dazugehört.

Severance

Osteuropa war stets ein beliebter Schauplatz für Horrorfilme. Situierten sich früher jedoch die Streifen meist im vormodernen Transylvanien oder vergleichbaren Orten jenseits des Einflussgebietes der westeuropäischen Aufklärung, entdeckt das Genre in diesem Jahr den zeitgenössischen, postkommunistischen Osten, der dem amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zufolge ohnehin das „Neue Europa“ darstellt.

Mit Dracula und Konsorten hat die Welle der neuen, harten Horrorfilme nichts am Hut. Die aktuellen Genrebeiträge orientieren sich weniger an Bram Stoker als an Tobe Hoopers Texas Chainsaw Massacre (1974). Der Blick nach Osteuropa verweist so nicht auf die Mythen der Gothic Novels des 18. Jahrhunderts sondern auf eine Neuausrichtung des Backwood-Horrorfilms der siebziger und achtziger Jahre. Das Grauen wird nun nicht mehr nur in der amerikanischen Provinz zwischen Rednecks und Country-Bars gesucht, sondern auch in den Weiten eines bis vor nicht allzu langer Zeit noch kaum zugänglichen Teiles Europas. Nach dem in einer fiktiven slowakischen Kleinstadt spielenden Hostel (2006) verschlägt es nun die britische Produktion Severance in die wenig erschlossenen Wälder zwischen Ungarn, Serbien und Rumänien.

Severance

Sieben Angestellte des Rüstungskonzerns „Palisade Defense“ machen sich auf in diese Wildnis, um unter Führung des Abteilungsleiters Richard (Tim McInnerny) einige Tage abgeschirmt von der Außenwelt einen „Motivations-Workshop“ in einer abgelegenen Waldhütte zu bestreiten. Als nahe dem Zielort plötzlich ein Baumstamm quer über der Straße liegt und der ungarische Busfahrer die Gruppe kurzerhand am Wegrand stehen lässt, gerät die Situation langsam aber sicher außer Kontrolle. Zwar gelingt es den Palisade-Angestellten, auf einer Abkürzung eine – wenig luxuriöse – Unterkunft zu erreichen und der wenig Autorität ausstrahlende Richard macht sich gleich ans Werk, mit dem „Teambuilding“ anzufangen, doch einigen seiner Mitstreiter ist die Situation alles andere als geheuer. Vor allem Steve (Danny Dyer), der den Osteuropaausflug vor allem für Drogenexperimente zu nutzen gedenkt, ist nur schwer davon zu überzeugen, dass die seltsamen Geräusche und Gestalten, die er um sich herum wahrnimmt tatsächlich nur die Folge der Einnahme halluzinogener Pilze sein sollen.

Der Regisseur Christopher Smith versucht derzeit zusammen mit seinem Kollegen Neil Marshall (Dog Soldiers, 2002; The Descent, 2005) den britischen Horrorfilm zu erneuern und schlägt dabei ähnliche Wege ein wie seine amerikanischen Kollegen um Rob Zombie (Haus der 1000 Leichen, House of 1000 Corpses, 2003; The Devil’s Rejects, 2005) und Eli Roth (Cabin Fever, 2002; Hostel). Die Europäer gehen in Sachen Gewaltdarstellung selten so weit wie Zombie oder Roth, auch Severance ist im Vergleich zur Konkurrenz trotz einiger genussvoll zelebrierter Splattereinlagen eher harmlos. Doch all diese Genrefilmer der neuen Generation eint sowohl die direkte Bezugnahme auf den unbarmherzigen Low-Budget Horror der siebziger Jahre als auch die gezielte Verwendung humorvoller oder satirischer Elemente, die gekonnt - und politisch oft äußerst unkorrekt - mit bluttriefenden Terrorbildern verbunden werden, diesen jedoch nie im Weg stehen.

Severance

In Christopher Smiths eigener Entwicklung ist Severance ein Quantensprung. Sein Erstling Creep (2004), ein urbaner Mutanten-Schocker mit Franka Potente, bot außer solidem Handwerk wenig, vor allem wenig Überraschendes. Severance überzeugt zum einen dramaturgisch. Smith arbeitete vor seiner Karriere als Spielfilmregisseur unter anderem als Drehbuchautor für die britische TV-Legende EastEnders (seit 1985). Auch wenn Severance in einem vollkommen anderen Milieu spielt als diese Working-Class Soap, macht die geschickte und wirkungsvolle Zeichnung der Yuppie-Charaktere und ihrer Beziehungen untereinander deutlich, dass Smith, der auch am Drehbuch des Streifens mitarbeitete, sein beim Fernsehen erworbenes Können im Kino anzuwenden weiß. Außerdem zahlt sich aus, dass der Regisseur sowohl formal als auch inhaltlich deutlich risikofreudiger zu Werke gegangen ist als in Creep. Severance überzeugt durch überdrehte Nebenhandlungen - ein Mitarbeiter feuert einen neuartigen Raketenwerfer auf hinterwäldlerische Bösewichter ab, trifft jedoch stattdessen ein Passagierflugzeug - ebenso wie durch stilistische Spielereien: die Vorgeschichte des Palisade Konzerns etwa wird als expressionistischer Stummfilm präsentiert.

Bewahrt hat sich Smith aus Creep die holzhammerartige Sozialkritik. Stellte der Mutant im Londoner U-Bahn Netz eine unschwer zu entschlüsselnde Allegorie auf die innerstädtische Unterschicht dar, nützt Severance seinen Plot zu einigen naheliegenden Angriffen auf die Waffenindustrie und den Krieg gegen den Terror. Unter anderem zeigt Smith ein fiktives Werbevideo für „Palisade Defense“, das entfernt an die faschistoid-militaristischen Fernsehspots aus Paul Verhoevens Science-Fiction Satiren Robocop (1987) und Starship Troopers (1997) erinnert, ohne dass der Rest des Films diese Vergleiche rechtfertigen würde. Doch auch die banalen politischen Aussagen passen sich hier – anders als im Falle von Creep – harmonisch in einen rundum gelungenen Genrebeitrag ein, der Lust macht auf weitere filmische Streifzüge durch den wilden Osten.

Kommentare


udo

spannender u.kurzweilger film aus dem erweiterten "10-kleine- negerlein-unter-feinden" schema, mit einigen feinen variationen bekannter figuren u.situationen.
empfehlenswert - auch ohne splattereinsatz !


oliver

für echte horror fans ein klasse film mit netten, ironischen szenen die den streifen zum reinen vergnügen werden lassen. unbedingt `reinziehen!


Saskia

Hab den Film gestern nun auch gesehen. War echt spannend! Und dieser Hauch von schwarzem Humor *g* Herrlich xD






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