Serenity - Flucht in neue Welten

Glaube, Liebe, Grazie, diese drei: Joss Whedon macht die Fortsetzung seiner Fernsehserie Firefly zu einer wunderschönen Parabel über die Freiheit und einem Loblied auf die Unterschiedlichkeit der Menschen. Und ein Science-Fiction-Film mit reichlich Action ist Serenity auch noch.

Serenity - Flucht in neue Welten

„You know what the first rule of flying is?“ fragt Raumschiffkapitän Malcolm Reynolds irgendwann sein Gegenüber, und gibt dann selbst die Antwort: „Love.“ Denn nur, wer sein Schiff liebe, könne es sicher führen und spüre rechtzeitig, wenn Gefahr drohe.

Es muss wohl Liebe gewesen sein. Obwohl Joss Whedons Fernsehserie Firefly schon nach elf Folgen abgesetzt worden war, bemühte sich der Erfinder der erfolgreichen Fernsehserien Buffy – Im Bann der Dämonen (Buffy the Vampire Slayer, 1997-2003) und Angel (1999-2004) dennoch und schließlich erfolgreich darum, einen Kinofilm folgen zu lassen. Der Slogan „Can’t stop the signal“, mit dem Serenity – Flucht in neue Welten jetzt beworben wird, ist eine unverhohlene Anspielung darauf, dass es trotz des angeblichen Misserfolgs der Serie zu diesem Film kommen konnte. Whedon versucht, seine Fans nicht zu langweilen und zugleich auch jene Zuschauer anzusprechen, die die Serie nicht kennen – etwa in Ländern wie Deutschland, wo Firefly nicht im Fernsehen zu sehen war und gerade erst auf DVD veröffentlicht wurde.

Serenity - Flucht in neue Welten

Zu diesem Zweck hält sich Serenity mit der Vorgeschichte – dem Bürgerkrieg gegen die „Allianz“, die versucht, anderen Planeten ihre eigenen politischen und kulturellen Vorstellungen in einer Art Pax Americana aufzuzwingen – nur wenige Minuten lang auf, um dann sofort in die Handlung einzusteigen. Der junge Arzt Simon (Sean Maher) befreit seine Schwester aus einem Forschungslabor der Allianz, wo sie wie ein Versuchstier eingesperrt war. Im Labor hat die telepathisch begabte River (Summer Glau) allerdings, ohne sich dessen bewusst zu sein, aus den Gedanken von Anderen Informationen aufgeschnappt, die keinesfalls an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. So heftet sich alsbald ein namenloser Agent der Regierung (Chiwetel Ejiofor) an die Fersen der beiden Flüchtlinge, die sich an Bord des Schiffes Serenity aus dem Staub gemacht haben.

Diesen Agenten, die einzige Hauptfigur, die nicht schon in Firefly zu sehen war, spielt Ejiofor mit atemberaubender Intensität – und damit zugleich fast das restliche Ensemble an die Wand. Seine namenlose Figur ist ein feingeistiger Überzeugungstäter, der so völlig von seiner Vision einer friedlichen Gesellschaft beseelt ist, dass er für dieses Ziel über zahllose Leichen zu gehen bereit ist. Er ist sich völlig der Tatsache bewusst, dass er selbst sich außerhalb seines eigenen moralischen Wertesystems bewegt, sieht jedoch keinen anderen Weg zur Befriedung der Gesellschaft als seine eigene, immer noch von einem Ehrenkodex belebte Rücksichtslosigkeit.

Serenity - Flucht in neue Welten

Ihm gegenüber steht mit dem Kapitän der Serenity Reynolds (Nathan Fillion) ein „browncoat“, ein Veteran des Bürgerkriegs gegen die Allianz, der River dem Agenten zunächst vor allem aus militärischem Ehrgefühl nicht übergeben mag – niemand soll zurückgelassen werden. Konfrontiert mit der unnachgiebigen Grausamkeit seines Opponenten muss sich Reynolds jedoch auf andere Werte besinnen.

In dem Zweikampf der beiden Männer, der sich so entwickelt, geht leider ein wenig der Charme des Ensembles verloren, der die Fernsehserie so sehenswert macht – ein Umstand, der vor allem der Handlungsverdichtung auf zwei Kinostunden geschuldet ist. Gelegentlich scheint daher durch, dass manche Figuren in der Welt von Firefly wohl eine größere Rolle hatten spielen dürfen. Reynolds’ Crew immerhin ist noch viel zu sehen, die einzelnen Figuren – vom aufmüpfigen Jayne (Adam Baldwin) bis zur Vizekapitänin Zoe (Gina Torres) – werden zwar nicht an den Rand gedrängt, treten aber hinter Reynolds zurück.

Serenity - Flucht in neue Welten

Das ist schade, steht es doch ein wenig in Widerspruch zu Whedons ästhetischem wie politischem Programm: Er interessiert sich für die kreativen und ein wenig schmuddeligen Ecken des Universums, in denen eigentlich niemand je putzt. Das zeigt sich äußerlich an Rost und knirschendem Metall, aus dem die Serenity gebaut zu sein scheint, ebenso wie am Staub auf den Straßen der Planeten. Die einzige Stadt, in der die Oberflächen so sauber sind wie das ganze Universum in George Lucas’ Episode III – Die Rache der Sith (Revenge of the Sith, 2005), ist eine von der Allianz geschaffene bedrohliche Geisterstadt. Schicke Laserkanonen sucht man bei Serenity vergebens: der Kapitän schwingt einen gewöhnlichen Revolver, und gerne werden auch Klingen und Fäuste – selten waren Kampfszenen so elegant und zugleich so blutig wie wenn Summer Glaus River die Kontrolle über sich verliert – und vor allem die Zungen eingesetzt: Serenity glänzt mit seinem trockenen Humor.

Das alles macht Serenity zu einer Wohltat, aber dabei bleibt der Film nicht stehen; das Duell zwischen dem Agenten und Reynolds wird auch zu einem Zweikampf der Wertesysteme: hier das friedliche, einebnende Miteinander in totaler Ordnung, für das die Allianz steht, dort das chaotische, gelegentlich so aggressive wie häufig kreative Leben an Bord der Serenity.

Zugleich, und das hebt den Film deutlich von der Massenware des Science-Fiction-Genres ab, verweigert sich Whedon aber einfachen Welterklärungen. Der Glauben des von seiner Mission völlig überzeugten Agenten ist zu stark, seine Motive sind zu nachvollziehbar, als dass er sich einfach diskreditieren ließe. Das macht ihn zu einer starken Figur, einem Glaubenskrieger mit verwerflichen Mitteln, aber edel in seinen Motiven, und in seinem Denken wie in seinen Bewegungen voller Grazie, ganz wie das Mädchen River, dem er nachjagt.

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Kommentare


Skrobi

Die Filmkritik ist treffend und doch möchte ich ergänzen, dass der Film Lust auf mehr machen soll -gerade weil die Figuren um Capt. Raynolds in den Hintergrund treten, erzeugen Sie das Verlangen mehr über Sie zu erfahren. Das kann Jede und Jede, denn wie im Film so besticht die Serie dadurch, dass sie nicht den Klichees folgt. Werder StarTrek Hochtechnisierung noch Star Wars Weltraummärchen sind hier zu finden...

Für mich ein handwerklich sehr guter Film, dem ich aus voller Überzeugung eine Fortsetzung wünsche!


Kratos

Zu meinem Bedauern muss ich sagen dass ich nie in den Genuss kommen konnte die Qualitäten der Serie einzuschätzen, da wie bereitz vom Kritiker erwänt, die Serie hierzulande nie asugestralt wurde. Auch heutzutage ist mir dieses Vergnügen leider verwehrt, dank eines Mangels an dem nötigen Kleingeld. Und da die hiesigen Videotehken diese Serie auch nicht im Programm haben werde ich wohl noch eine längere Zeit darauf warten dürfen. Zu dem Film seigesagt: Auch ohne Kenner der Serie habe ich recht schnell einen Einstieg finden können und konnte mich mit den Figuren identifizieren. Das die Nebencharacktere in den Hintergrund gerutscht sind finde ich gar nicht mal so schlimm. Ich sehe das genauso wie der Komentar von Skroki. Es soll Hunger auf mehr machen. Und zumindest in meinem Fall geht das Konzept voll auf. Vorher nie etwas von der Serie gehört zu haben setzte ich mich nach dem Genus des Filmes an den PC und suchte im Internet nach hinweißen auf die Serie. Mit bereits beschriebenem Ergebnis. Es währ wirklich wünschenswert wenn der Serie noch einmal eine zweite Chance gegeben würde. Vor allem wenn sie in änlicher Tradition wie die erwähnten Erfolgsserien Buffy und Angel gehalten ist. Ich glaube hier ist viel Potenzial welches verschenkt währe wenn die Serie entgültig tot wäre.






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