Sehnsüchtig

Regisseur Paul McGuigan bemüht sich in der Adaption des französischen Films L´Appartement (Lügen der Liebe, Gilles Mimouni 1996) an falscher Stelle um Eigenständigkeit und nimmt der leidenschaftlich-erotischen Vorlage jeglichen Tiefgang. Doch weder als romantische Liebesgeschichte, noch als Märchen und schon gar nicht als Thriller funktioniert sein Film mit den apathisch agierenden Darstellern Josh Hartnett und Diane Krüger.

Sehnsüchtig (Wicker Park)

Wicker Park (Sehnsüchtig) ist ein Remake und gleichzeitig ein Film über die Oberfläche, was ihn vom Original L’Appartement (Lügen der Liebe, Gilles Mimouni 1996) unterscheidet. Andere Filme mit derselben Thematik beschreiben eine Veränderung, ausgelöst beim ersten eintretenden Riss an der Oberfläche. Nicht so Wicker Park, der sich von Anfang bis Ende der Oberfläche verschrieben hat und dessen Figuren stagnieren.

In der Exposition gibt sich Regisseur McGuigan einer Stilübung hin. Verspielt reiht er mehr oder minder innovative Split Screen Variationen und Überblendungen aneinander, bemüht sich gleichzeitig, ein Großstadtpanorama und eine persönliche romantische Atmosphäre zu etablieren. Hell glitzern die Edelsteine und kaum minder funkeln die gläsernen Büro- und Restauranträume. Der Juwelier philosophiert noch: „Man sieht nicht mit den Augen.“ Aha. Ein Film über das Sehen? Ein selbstreflexiver Film? Ein Film über Film? Zumindest wird Federico Fellinis Otto e mezzo (8 ½, 1963) erwähnt. Nun, solche Verweise sind nichts Ungewöhnliches in Hollywoods Star Vehikeln und um ein solches handelt es sich schlichtweg bei Wicker Park.

Genau dieser Umstand erklärt zugleich die Kernunterschiede des Remakes im Vergleich mit dem französischen Original und die Schwächen der amerikanischen Version. Auf den ersten Blick liefert McGuigan über weite Strecken ein erstaunlich eng an der Vorlage orientiertes Remake. Beide Filme strukturieren sich über Rückblenden und Flashbacks. Schon zitierter Beginn wählt fast dieselben Handlungsräume und Einstellungen des Originals. Nur, dass die Kamera eben Josh Hartnett und nicht Vincent Cassel als Fluchtpunkt sucht. Hartnetts Figur Matthew wirkt deplaziert im New Yorker Businessmilieu und an der Seite seiner zukünftigen Frau Rebecca (Jessica Paré). Matt stammt aus Chicago und im Wicker Park hatte er einst romantische Stunden mit der naturschönen Tänzerin Lisa (Diane Krüger) verbracht. Mit dieser räumlichen und metaphorischen Opposition operiert der Film und möchte glauben machen, der junge Mann entscheide sich am Ende für die wahre Liebe.

Sehnsüchtig (Wicker Park)

Dieses Ende verläuft völlig konträr zu dem in L’Appartement, das von verstörender Intensität ist und die erzählte Geschichte als einen Reigen erscheinen lässt. Wicker Park hingegen berichtet hauptsächlich von Josh Hartnett, jenem Darsteller, der in Sofia Coppolas The Virgin Suicides (Das Geheimnis ihres Todes, 1999) so grandios als im wahrsten Sinne des Wortes Frauenmordender Highschool Beau besetzt war. In der Folge etablierte sich der Jungmime vor allem durch zwei Kriegsfilme: Pearl Harbor und Black Hawk Down (beide 2001). In ihnen versinnbildlichte er das Leid der um ihre Söhne betenden Mütter und das Heroentum des entschlossenen amerikanischen Jung-Infanteristen, jenem Spannungsverhältnis, in dem sich alle Werke des Genres befinden. Dieses jungenhafte und scheinbar von seiner Außenwelt unberührte Gesicht vermag auf eine trotzige Weise Unsicherheit und Entschlossenheit zu vereinen, getragen von dem Charme eines Spitzbuben. Deshalb nimmt man Hartnetts Figur Matt auch gerne ab, sie fühle sich bei Geschäftsverhandlungen inmitten millionenschwerer Unternehmer nicht wohl. Matt ist doch nur der gute kreative Geist, dessen sich das Establishment bedient. Doch er hat sich ihm verschlossen, aus Bill wird kein Gates.

Der auf Hartnetts Gesicht gerichtete Kamerablick ist weiblich, bewundernd, fast voyeuristisch. Matt ist schön. Er sieht so gut aus, dass er problemlos fast jede Frau auf den ersten Blick verführen könnte. Mehr scheint er auch nicht zu wollen. Seine Zukünftige ist der Typ Liv Tyler, seine ehemalige romantische Geliebte, die auf einmal spurlos verschwand, war auch nicht von schlechten deutschen Eltern. Er begnügt sich offensichtlich mit genau dem, was die Frauen auch von ihm begehren: der Oberfläche. Das berichtet uns die Kamera, das erzählt uns der Film. Nicht viel mehr.

Sehnsüchtig (Wicker Park)

Nur, dass sich auch noch ein hässliches Entlein (Rose Byrne) in ihn verliebt, das er übersieht. Hübsche lieben nur Hübsche. So weit, so fair. Ein Anti-Märchen also. Nein, das Ende beschwört eine tief empfundene, alles überwindende Liebe zwischen Matt und Lisa. Doch ein Märchen? Aber wieso gelingt es der fiesen hässlichen Gans dann mit List und Tücke dennoch, den Traummann in ihr Bett zu bekommen?

Für ein modernes Märchen hat sich McGuigan nicht nur den falschen Stoff ausgesucht, sondern diesen auch noch falsch interpretiert und inszeniert. Ihm fehlt die erzählerische Bravour des kantigeren und düsteren Originals und entleiht ihm auch noch die hier unpassenden Elemente des Thrillergenres. Die tiefgehende Liebesgeschichte scheitert an Josh Hartnett und Diane Krüger, deren Spiel an keiner Stelle erklärt, warum sie sich nun eigentlich lieben und was an ihnen so liebenswert ist. Eine Liebe für die der Regisseur auch keine Bilder findet.
Wären wir also wieder am Ausgangspunkt: Wicker Park erzählt nicht nur von der Oberfläche, er bleibt auch an solcher.

 

Trailer zu „Sehnsüchtig“


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Kommentare


Andreas Wurmann

danke für diese Kritik...habe im Internet recherchiert, das ich nach ca. 40 Min. Film eigenltich auch genau dieser Meinung war und dann erstaunt war, dass bei Amazon etc. doch einige Leute den Film loben...hmmm, ne definitiv kein Salz in der Suppe, bin am aussortieren.






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