Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Steve Carell ist mal wieder unterwegs in Sachen Liebe, während nebenbei die Welt untergeht.

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Egal ob in Kathedralen oder Kinos – seit jeher sorgt das Ende der Welt für vollbesetzte Sitzreihen und hat von Michael Bays prototypischem Blockbuster Armageddon – Das jüngste Gericht (Armageddon, 1998) bis hin zu Lars von Triers mystisch aufgeladenem Melancholia (2011) die unterschiedlichsten Blüten getrieben. Der Gedanke, dass unser Dasein jederzeit durch eine höhere Macht beendet werden könnte, scheint auch in unserem vermeintlich aufgeklärten Zeitalter noch eine gewisse Anziehungskraft zu verströmen. Ein Thema, das in der Geschichte des Kinos eine noch stärkere Rezeption erfuhr, ist die – gleichermaßen unsterbliche – Liebe. Eigentlich also gar keine schlechte Idee, beides in einem Film zu kombinieren.

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Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (Seeking a Friend for the End of the World, 2012) versucht genau das und beginnt da, wo archetypische Katastrophenfilme ihren dramatischen Wendepunkt haben: Ein Asteroid rast auf die Erde zu, die letzte Hoffnung, eine Rettungsmission im All, ist gescheitert. Die Menschheit hat noch genau 21 Tage bis zu ihrem Ende. Mitten am Vorabend der Apokalypse wird der Versicherungsangestellte Dodge (Steve Carell) von seiner Frau (Nancy Carell) verlassen, während seine Freunde in heroingeschwängerten Orgien der Selbstzerstörung frönen und Martinis an ihre Kinder ausschenken. Als ein Brief von Olivia, Dodges Freundin aus High-School-Zeiten, auftaucht, in dem sie ihm schreibt, dass er ihre große Liebe gewesen sei, begibt er sich auf die Suche nach ihr. Mit dabei sind Dodges quirlig-verträumte Nachbarin Penny (Keira Knightley), die den letzten Flug zu ihrer Familie nach England verpasst hat, und ein herrenloser Hund.

Zumindest am Anfang des Films schlägt Regisseurin und Drehbuchautorin Lorena Scafaria aus dem Sujet schwarzhumorige Funken und zeigt, wie sich der Alltag der Menschen im Angesicht des Weltuntergangs in einen einzigen Slapstick verwandelt. So fährt Dodge weiterhin zur Arbeit und verkauft Versicherungen gegen die Apokalypse, derweil andere Menschen dem puren Hedonismus verfallen, sich von Auftragsmördern erschießen lassen oder ihre Jungfräulichkeit öffentlich per Aushang feilbieten.

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Dabei hangelt sich der Film zunächst von Szene zu Szene, die für sich genommen durchaus Unterhaltungswert haben. Neben einer Begegnung mit einem seltsamen Trucker oder einem trotz des Weltuntergangs pflichtbewussten Polizisten sticht besonders eine Szene in einem Diner-Restaurant hervor, in dem das komplette Personal auf Ecstasy zu sein scheint und Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt seine schrillsten Momente hat. Doch nach etwa der Hälfte der Spielzeit wirkt es so, als ob der Regisseurin die Ideen ausgegangen wären, und die Handlung bewegt sich in Richtung einer klischeebeladenen Romantic Comedy. Auch wenn sich Knightley und Carell alle Mühe geben, entsteht zwischen ihren Figuren kein glaubhaftes Knistern. Während des ganzen Films ändert sich wenig an der fast gleichgültigen Art, mit der die beiden ihren Roadtrip bestreiten. Von gelegentlichen Krisen und versöhnlichen Momenten einmal abgesehen, fehlen einfach die Emotionen, die angesichts des drohenden Endes angebracht wären.

Hinzu kommt, dass es Lorene Scafaria als Drehbuchautorin zwar gelingt, unterhaltsame Episoden zu erschaffen, sie diese als Regisseurin jedoch nicht schlüssig verbinden kann. So hätte der Kontrast von der von Unruhen geschüttelten Metropole zur seltsam entvölkerten Vorstadt, in der nach wie vor der Rasen gemäht wird, ein ironischer Kommentar auf bürgerliche Spießigkeiten sein können. Allerdings bleiben Pointen wie diese vom Gesamtbild des Films isolierte Lacher, die untereinander im Drehbuch keine Brücken schlagen.

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Grundsätzlich lässt sich nichts daran aussetzen, dass die Beziehung von Dodge und Penny in der zweiten Filmhälfte in den Vordergrund gestellt wird. Allerdings geschieht das wenig schlüssig. Nicht nur hat Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt wenig mit der vom Trailer beworbenen Endzeit-Comedy zu tun, der Film kann sich überhaupt nicht entscheiden, was er sein will und verharrt zu sehr bei Oberflächlichkeiten – wie etwa dem erwähnten Hund, der als pelziger Putzigkeitsgarant süß zwischen Fahrer- und Beifahrersitz in die Kamera blickt und ansonsten absolut keine Funktion einnimmt. Die Apokalypse auf der einen Seite und die Lovestory auf der anderen könnten eigentlich eine gute Grundlage für einen interessanten Film bieten. Stattdessen weiß man nicht, welcher Aspekt zuerst da war und welcher den anderen ausschmücken soll, und bekommt das Gefühl, dass auch die Regisseurin diese Frage nicht beantworten kann.

Trailer zu „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“


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