Scream 4

Kevin Williamson und Wes Craven kehren 15 Jahre nach den ersten Morden nach Woodsboro zurück.

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„How meta can you get?“ Die ersten drei Scream-Filme (1996–2000) hatten, jeder für sich, im Grunde alles an Metabetrachtung aus dem Genre des Slasherfilms herausgeholt, was sich in einem Streifen unterbringen ließ, der zugleich ganz zum Genre gehörte. Jugendliche Filmgeeks erklärten ihren meist besser aussehenden Klassenkameraden die Regeln, die die Überlebenschancen in solchen Filmen maximierten („Kein Sex! Sag niemals: Ich komme gleich wieder!“), oder wie sich die Regeln in den Sequels verändern. Cravens Scream war damit einer der wichtigsten Horrorfilme seines Jahrzehnts, indem er eine seit Halloween (1978) allzu oft wiederholte Formel – den Teenieslasher – mit ironischen, selbstbewussten und in den Spielregeln des Horrorkinos bewanderten Protagonisten wiederholte.

Der Scream-Reihe jetzt ein spät nachgeschobenes Sequel zu schenken ist freilich ein wagemutiges Unterfangen, denn die Ingredienzien dieses Franchise sind inzwischen ihrerseits Allgemeingut im Horrorfilm geworden, andere Moden sind durchs Land gezogen, ironischer Splatter ebenso wie die neue französische Härte. „I hate all that torture porn“, stöhnt dann auch ganz zu Anfang eine etwas entnervte Horrorfilmzuschauerin;  in Scream 4 schaut man sich lieber die mittlerweile sieben Filme der Stab-Reihe an, der innerfilmischen Verfilmung der Ereignisse aus Scream (wir erinnern uns: In Scream 2 wurde der erste Stab-Streifen gezeigt, Scream 3 spielt auf dem Filmset von Stab 3).

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In der Tat, wie meta soll es denn noch werden? Autor Kevin Williamson und Regisseur Wes Craven lassen auch die jungen Protagonisten ihres neuen Films fortwährend von anderen Filmen sprechen, aber es geht dabei dann doch nicht mehr hauptsächlich um den ironischen und wissenden Blick auf die Regeln des Spiels. Scream 4 ist stattdessen eine dann auch wieder hochgradig reflektierte Rückkehr zum Slasher als dem ursprünglichen, ganz direkten Schrecken („There’s something real about a guy with a knife“, wie eine der Figuren sagt) unter den Bedingungen der medialen Gegenwart.

Auffallend ist nämlich vor allem die weitgehende Abwesenheit der traditionellen Medien in diesem Film. Zwar sind vor allem am Anfang und am Ende einige Fernsehteams und -reporter zu sehen, aber für die eigentlichen Nachrichten kommen sie zu spät; als Sheriff Dewey (David Arquette) noch zögert, mit den Informationen zu den ersten Morden an die Öffentlichkeit zu gehen, herrscht ihn seine Frau, Ex-Reporterin Gale (Courteney Cox), an: „It’s all over the internet!“

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Und in der Tat bekommen die Schüler hier ihre Nachrichten fast in Echtzeit übers Handy oder den Computer, sie philosophieren darüber, ob ein Serienmörder der Gegenwart eher ein Facebook- oder ein Twitterphänomen wäre, und einen Stimmenverzerrer, der sie klingen lässt wie den Mörder „Ghost Face“ aus den Filmen, haben sie sich längst als App auf ihr Smartphone geladen. Anders als aber etwa George A. Romero, der die Medienproduktion durch digitale Geräte in Diary of the Dead (2007) sich nicht nur zu eigen machte, sondern auch sehr kritisch beäugte, umarmen Williamson und Craven die schöne neue Informationswelt, verwenden sie für die Konstruktion ihres Slashers und bleiben in ihren eigenen Mitteln dann doch fast konventionell.

Und so gibt es hier auch keine elaboriert dargestellten Morde zu sehen, keine quälenden Folterszenen und Blutfontänen; stattdessen inszeniert Craven fast traditionell und brav, aber hochgradig effektiv und spannend. Er muss nicht allzu viel falsche Schreckmomente und ähnliche Spielereien einbauen, weil er reichlich Personal in den Film eingebaut hat, das in hoher Stückzahl und rascher Abfolge dem neuen Mörder zum Opfer fällt.

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Auch Sidney Prescott (Neve Campbell) ist wieder in Woodsboro, sie kehrt zum Jahrestag der ersten Morde zurück, um ihr Buch vorzustellen, eine Art Selbsthilferatgeber für Verzweifelte – ach, eine so unironische Geste in so gänzlich altmodisch gedruckter Form. In den ersten drei Filmen war sie Ziel und Zentrum der Handlung, jetzt ist Sidneys Rolle fast randständig, sie taucht immer wieder einmal auf, hat aber zunächst scheinbar kaum Bedeutung für die Entwicklung der Ereignisse, als sei es tatsächlich Zufall, dass sie genau zum Beginn der Bluttaten in der Stadt eingetroffen ist. Sie wohnt bei ihrer Tante (Mary McDonnell) und deren Tochter Jill (Emma Roberts), die mit ihren Freundinnen Kirby (Hayden Panettiere) und Olivia (Marielle Jaffe) auch mit zu den ersten Zielen des Mörders gehört.

Aber ist ihre Tante wirklich so harmlos? „Ich habe auch Narben!“, beschwert sie sich einmal; nicht nur die berühmte Sidney Prescott habe leiden müssen, aber nur sie sei gefeiert worden: So legt das Drehbuch allerhand Fährten aus, die darauf deuten lassen, wer hier ein Interesse an den neuen Morden haben könnte. Aber, so viel sei gewarnt: Den meisten dieser Spuren kann man nicht vertrauen, und wer gerade noch als Mörder in Frage kam, ist oft schon wenige Minuten später tot. Craven und Williamson spielen gekonnt mit den popkulturell versierten Erwartungen des Publikums und machen dann am Ende etwas daraus, was man fast nicht erwartet hätte oder allenfalls von diesem Paar: Sie stricken daraus einen so reflektierten wie originellen und dabei ganz traditioneller Horrorkunst verpflichteten Slasher.

Trailer zu „Scream 4“


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Kommentare


Carlos Mexico

Have you seen Craven film My Soul to Take? I do not think so.


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Scream Fans auf der ganzen Welt haben hohe Erwartungen and den vierten Teil der Scream-Sage, der sogar zum ersten Teil einer weiteren Triologie werden soll. Trotzdem kann der durchaus gelungene Film nicht hundertprozentig überzeugen. So bin ich hingegen vieler Meinungen wenig von der Anfangssequenz überzeugt. Der "Film im Film" Ausschnitt zu Beginn des Films (Kristen Bell und Anna Paquin) sorgt mehr für Verwirrung als für Spannung. Vielleicht ist dies aber auch genau das was Drehbuchautor Kevin Williamson damit erreichen wollte. Sicherlich müssen in eine Neuauflage, die der Startschuss für eine weitere Triologie ist, viele neue Charaktere eingeführt werden, was jedoch in einem unglaublichen Tempo passiert, sodass sich dem Zuschauer kaum Gelegenheit bietet die einzelnen Figuren näher kennenzulernen. Gerade im Bezug zu den vorherigen Teilen (Wir erinnern uns an Cotton Weary, der zuerst in zwei Teilen "gezüchtet" wurde, bis er schließlich in der Anfagssequenz von Scream 3 ermordet wird.) ist dies eher als Schwäche auszulegen. So sind zum Schluss nahezu alle neu eingefügten Darsteller tot, was zwar dem Slasher-Film Fan gefällt, Scream Fans aber, im Bezug auf die kommende Triologie eher entäuschen dürfte. So zieht sich der Film, ohne vieler nennenswerter Ereignisse bis zum Finale hin. Dieses bietet zwar für den Großteil der Kinobesucher eine Überraschung, etwas erfahrenere Zuschauer werden eher weniger von der Auflösung des Killers überrascht sein. So ist im Moment, indem "der Killer", in Gedanken versunken Charlie das Messer in die Brust rammt schon fast vorhersehbar, (Wir erinnern uns an Billy Loomis und Stuart Macher.) was sicherlich auch vielen Scream-Fans als Anspielung auf den ersten Teil gefallen wird, meiner Meinung nach nach dem Film wieder an Spannung nimmt. Alles in allem zieht der Film leider zu schnell an einem vorbei und ist vielmehr als gelunger Anfang für eine neue Horrorfilmreihe zu sehen als eine Fortsetzung der Scream-Saga.


Schaeuffelchen

Ich war überrascht, erneut Namen wie Neve Campbell, Courtney Cox und Patrick Arquette in der Darstellerliste des vierten Scream-Teils zu sehen. Allein das hat mich neugierig gemacht, obwohl ich schon zuvor, spätestens nach dem zweiten Teil der Reihe, vom Fieber gepackt war und gerne dabei zugesehen habe, wie Ghostface frei nach dem "10 kleine Negerlein"-Prinzip alle Freunde, Verwandten, Mitschüler und Kommilitonen von Sidney Prescott nacheinander abstach. Scream 4 bietet in der Hinsicht nichts Neues - wieder geht es darum, irgendwie dem Killer zu entfliehen, auch, wenn das meist ziemlich hoffnungslos und vergeblich abläuft. Es ist schon äußerst dumm, das Schlafzimmerfenster sperrangelweit offen stehen zu lassen, wenn draußen ein Killer herumläuft. Aber diese Art von Dummheit kennt der Zuschauer ja bereits aus den ersten drei Scream-Teilen, und wem das zu dumm und vorhersehbar war, der dürfte sich den Weg ins Kino für diesen Teil ohnehin gespart haben. Die Stärke von Scream 4 liegt vor allem darin, dass sich der Film wunderbar selber zitiert und parodiert, dass sich die Darsteller nicht allzu ernst nehmen (allen voran Coutney Cox und Patrick Arquette) und dass auch fast ein Jahrzehnt nach dem ersten Scream-Teil keine großen technischen Veränderungen, Special Effects oder andere Anpassungen an die derzeitige Kinolandschaft stattgefunden haben. Wer Scream 1 mochte, der mochte automatisch auch Scream 2 und 3 und wird Scream 4 ebenso gut finden. Wer schon mit dem ersten Teil wenig anfangen konnte, der wird auch den neuen nicht mögen. Mir gefällt dieser vierte Teil einer Filmreihe deutlich besser als der vierte Teil der "Fluch der Karibik"-Saga. Gut gemacht.


Franz Neumeier

ich finde die filme einfach nur saugeil, anders kann man das nicht ausdrücken ich wurde in teil1 vom scream "fieber" gepackt und es hat mich in teil4 auch nicht mehr losgelassen. Der Film ist wunderbar inszeniert und ein schockeffect jagt den nächsten.Kurz: es hat einfach alles gepasst und das zählt. ;)


Ghostface

Ich habe bereits jeden Scream teil mehrmals gesehen und finde Scream 4 am bsten von allen. Wer die ersten 3 schon gesehen hat wird Scream 4lieben ich empfehle diesen film weiter 10/10 Punkte!






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