Scoop

Woody Allen scheint sich in Europa wohlzufühlen. Nachdem seine Filme jahrzehntelang New York treu blieben, ist Scoop bereits seine zweite Arbeit in Folge, die sich in der britischen High Society situiert.

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Woody Allens letztes Werk Match Point (2005) erzählte eine hoch ambitionierte Geschichte nach Motiven Dostojevskys, begleitet von Verdis Opernarien. Sein neuer Film schaltet ein paar Gänge zurück: in der harmlosen Krimikomödie Scoop spielt der Amerikaner den alternden Zauberer Splendini, der seine ewig gleichen Kunststücke mit den ewig gleichen Floskeln unter die Leute zu bringen versucht. Ganz ohne Hochkultur geht es bei Allen auch 2006 nicht: die Musik stammt überwiegend von Tschaykovsky. Auf der Handlungsebene orientiert sich Scoop jedoch eher an Hollywood, genauer gesagt an Politthrillern wie John Frankenheimers Botschafter der Angst (The Manchurian Candidate, 1965) oder Alan J. Pakulas Die Unbestechlichen (All the President’s Men, 1976).

Die junge amerikanische Reporterin Sondra Pransky (Scarlett Johansson) möchte in Großbritannien Karriere machen, allerdings landet sie mit den Objekten ihrer Recherche regelmäßig im Bett, was für investigativen Journalismus nicht in jedem Fall nutzbringend ist. Als die kürzlich verstorbene Reporterlegende Joe Strombel (Ian McShane) ihr aus dem Jenseits den Hinweis zukommen lässt, der Aristokrat und aufstrebende Jungpolitiker Peter Lyman (Hugh Jackman) sei für eine Mordserie an Prostituierten verantwortlich, erkennt sie die Chance ihres Lebens. Sie schleicht sich gemeinsam mit ihrer Zufallsbekanntschaft Splendini in die High-Society ein. Doch leider ist auch Lyman ein extrem gut aussehender junger Mann.

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Das Tempo stimmt. Auch Woody Allens 36. Kinospielfilm ist in technischer Hinsicht über jeden Zweifel erhaben. In der ersten halben Stunde wechselt der Film ebenso virtuos wie geschmeidig die Schauplätze, teilweise gar die Realitätsebenen, im Minutentakt und nachdem Splendini den Film an sich gerissen hat – Scoop ist letztlich natürlich vor allem ein Woody-Vehikel – fließen die pointenreichen Dialoge in bester Screwball-Tradition. Böswillige Zeitgenossen mögen eine Analogie zwischen Allens Filmfigur und seiner Rolle als Regisseur ziehen: wie Splendini seine Zuschauer jeden Abend mit den gleichen Scherzen unterhält, bietet auch Scoop für Woodykundige bis auf das immer noch recht ungewohnte Setting wenig Neues. Eine solide, intelligente Komödie mit einigen großartigen Momenten – man achte auf Ian McShanes Auftritt im Jenseits – ist Allen dennoch gelungen

Seit seiner leicht theatralisch inszenierten Abkehr vom amerikanischen Filmgeschäft dreht die lebende Regielegende in Europa. Wie Match Point ist auch Scoop in Großbritannien produziert. Das Europa Allens wird in beiden Werken von ehrwürdigen, ebenso intriganten wie snobistischen Adelsgeschlechtern dominiert, die in bombastischen Villen – wenn nicht gar Schlössern – zwischen Fünfuhrtee und exquisitem Nachtmahl teuflische Intrigen schmieden. Das „alte Europa“ eben, wie es älter nicht sein könnte.

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Man möchte es der lebenden Regielegende nicht übel nehmen, dass sie an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den kulturellen Unterschieden zwischen den USA und Großbritannien gar nicht interessiert ist. Im Gegenteil, die Unbekümmertheit, mit der Allen sich sein eigenes England herbeifantasiert, macht einen guten Teil des Charmes von Scoop aus. Letzten Endes findet der Regisseur die einzige wirkliche Differenz im Straßenverkehr; mit dem britischen Linksverkehr kommt Splendini einfach nicht zurecht.

Überhaupt fällt eine gewisse Indifferenz gegenüber dem eigenen Sujet auf, die sich auch auf den wenig folgerichtigen Plot – über welchen sich die Charaktere am Ende selbst lustig machen - und die eigene Filmpersona ausdehnt: Splendini trägt zwar alle Attribute einer typischen Woody-Figur, doch das unverzichtbare Pech bei den Frauen wird ebenso nebenbei abgehandelt wie der jüdische Glaube, der nur noch einige Lacher im Vorübergehen wert ist. Vor allem in Liebesangelegenheiten scheint sich Allen nicht mehr allzu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: Scarlett Johansson zögert keine Sekunde, den alternden Magier als ihren Vater vorzustellen.

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Man mag in dieser Nonchalance Zeichen für Altersmüdigkeit erblicken. In der Tat erscheint Scoop, gerade im Vergleich zum überraschend originellen und perfekt konstruierten Vorgänger, oft ein wenig zu mechanisch und beliebig. Überambitioniert ist Scoop sicher nicht. Woody Allen hat sich damit begnügt, einen kleinen Gutelaunefilm mit wunderbarem Cast und schönen Dialogen zu drehen. Und letzten Endes – ist das natürlich auch gut so.

Kommentare


Ursula.ungersböck

Leider verlorene Zeit !Das schwächste Script ein greiser Woody Allen der maximal in einer Nebenrolle a la Alfred Hitchcock auftreten sollte .
Scarlett Johanson schwächster Film .Nach diesem Film werden viele Match Point Fans Woody Allen nur mehr hinter der Kamera aktzeptieren . Schade um die Möglichkeiten mit diesen tollen Schauspielern und Budget . Fazit ist Scoop eine anspruchslose Krimikomödie wo kein Charakter zum anderen passt .


Marie-Antoinette

tja, jene, die von woody allens filmen nur match point gesehen haben, und nun glauben, sie könnten mitreden, werden von scoop natürlich begeistert sein. aber der woody allen, der scoop geschaffen hat ist der wahre woody allen und man sollte aus einem guten film nicht schließen, dass auch der regisseur gut ist und dann vom nächsten film behaupten, es sei sein schwächster überhaupt.






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