Schwere Jungs

Nach Wer früher stirbt, ist länger tot begibt sich Marcus H. Rosenmüller auf eine Reise in die Vergangenheit. Die olympischen Winterspiele werden zum Schauplatz eines jahrzehntelangen Konkurrenzkampfes.

Schwere Jungs

Der Sieg der deutschen Bobmannschaft unter der Führung von Anderl Ostler bei den olympischen Winterspielen 1952 in Oslo löste in ihrer Heimat eine Welle der Begeisterung aus. Für Deutschland waren es die ersten olympischen Spiele nach dem zweiten Weltkrieg und der unerwartete Sieg führte, ähnlich wie zwei Jahre später in weitaus größerem Maße der Fußballweltmeistertitel in Bern, zu einer Wiederbelebung des nationalen Selbstbewusstseins. Marcus H. Rosenmüller, der mit Wer früher stirbt, ist länger tot (2006) letztes Jahr bereits einen Publikumserfolg verzeichnen konnte, nimmt dieses sportliche Ereignis als Inspiration für die Geschichte über einen verbissenen Konkurrenzkampf.

Schon in den dreißiger Jahren gipfelt die Feindschaft zwischen den beiden Halbwüchsigen Gamser und Dorfler in einem Schlittenrennen, aus dem Dorfler als Gewinner hervorgeht. Sechzehn Jahre später hat sich an dem angespannten Verhältnis nicht viel geändert. Während Dorfler gerade Weltmeister im Viererbob geworden ist, wird sein Gegenspieler immer noch mit der damaligen Niederlage gehänselt. Doch irgendwann hat auch Gamser genug und will gemeinsam mit seiner Truppe von damals den alten Konkurrenten in Oslo schlagen.

Schwere Jungs

Wie ein sportliches Ereignis für das krisengebeutelte Nachkriegsdeutschland zum Lichtblick wird, gab es bereits in Sönke Wortmanns Wunder von Bern (2003) zu sehen. Anders als Wortmann nimmt Rosenmüller den olympischen Sieg jedoch nicht zum Anlass für ein sentimentales Drama, sondern erzählt seine Geschichte in Form einer Komödie. Dem bayrischen Lokalkolorit seines Erstlings bleibt er dabei treu und siedelt die Handlung mit nostalgischer Ausstattung im Garmisch der fünfziger Jahre an. Der Einsatz der bayrischen Sprache wirkt dabei, wie so häufig bei dem Übertragen von Dialekten in Drehbuchform, meist konstruiert und auswendig gelernt. Verstärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass über die Hälfte der Besetzung des Bayrischen nicht mächtig ist.

Die Geschichte lebt von dem klassischen Motiv einer Gruppe vermeintlicher Verlierer, die sich fest vornimmt einmal zu gewinnen. Wie man es von einer Komödie gewohnt ist, werden den tollpatschigen Helden dabei allerlei Hindernisse in den Weg gelegt, die sie mehr oder weniger bewältigen. Der durch Verwechslungen und Slapstickeinlagen erzeugte Humor wirkt dabei etwas verstaubt und erinnert eher an die deutsche Komödie aus den sechziger Jahren als an zeitgenössische Arbeiten. Mit der Ankunft in Oslo wird auch Bastian Pastewka als penetrant auf Lacher angelegter Herr von Hase eingeführt, der die beiden verfeindeten deutschen Mannschaften der Öffentlichkeit in einem guten Licht präsentieren soll. Eine Aufgabe, die durch eine Reihe von Missverständnissen und kleinen Katastrophen erheblich erschwert wird. Nachdem Herr von Hase Gamser und seine Mannschaft in einer scheinbar verfänglichen Situation vorfindet, wird ein lahmer Witz losgetreten, der sich durch den restlichen Film zieht und durch mehrfaches Wiederholen auch nicht lustiger wird.

Schwere Jungs

Dabei schneidet der Film trotz der Leichtigkeit seiner Inszenierung zunächst auch ernstere Themen an. Rosenmüller gibt zumindest ansatzweise ein Gefühl für die sozialen Umstände der damaligen Zeit, weil die Feindschaft zwischen Gamser und Dorfler nicht nur auf einer Niederlage beruht sondern auch Ausdruck verschiedener Gesellschaftsschichten ist. Der mit seiner Frau am Existenzminimum lebende Schreiner Gamser ist dem gut situierten Bobweltmeister Dorfler nicht nur im Ansehen unterlegen, sondern auch finanziell abhängig von ihm. Durch die Verniedlichung von Vergangenheit, die der Film betreibt, geraten solche Realitäten aber schnell in den Hintergrund oder werden, wie zu Beginn des Films die Herrschaft der Nazis, völlig ignoriert.

Sieht man vom nostalgischen Flair von Schwere Jungs ab, lässt sich durchaus eine Parallele zur aktuellen Lage ziehen, die dem Film auch an der Kinokasse zu Gute kommen könnte. Ähnlich wie bei den olympischen Spielen in Oslo, war auch die WM in jüngster Vergangenheit Auslöser für ein neu gewonnenes Nationalgefühl in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Im Film geht die Liebe zum Vaterland sogar so weit, dass der Konkurrenzkampf, der den gesamten Film über den Hauptkonflikt bildet, am Ende plötzlich über den Haufen geworfen wird, um eine völlig neue Richtung einzuschlagen.

Das der Komödie immanente subversive Potenzial scheint in Schwere Jungs zwar in Szenen sichtbar zu werden, in denen athletische Körper nicht mehr Vorraussetzung für einen sportlichen Wettkampf sind und sich der wahre Sportsgeist stattdessen durch Maßlosigkeit in jeder Beziehung ausdrückt, unter der Last der abgedroschenen Kalauer und aufgesetzt wirkenden patriotischen Schlusswendung werden diese Ansätze aber schnell erdrückt. Mit Helden, die nur auf den ersten Blick unkonventionell sind, bleibt der Film letztendlich nicht mehr als eine gewöhnliche Komödie mit etwas reaktionärem Humor.

Trailer zu „Schwere Jungs“


Trailer ansehen (1)

Kommentare


John R.

That´s another lousy movie from a German director who gets 5.300.000 Euro from the State. No real comedy, no good drama. Confused and superficial. Some laughs at dialect-effect jokes but definitely not funny and not moving at all. Script imitates the classical Hollywood formula without understanding its principles. Good thing: there were only 10 people in the audience. Good luck to the filmmakers. Sincerely. J.R.


Monica J.

Well - better than lots of Hollywood crap. Maybe it needs a certain mentality to understand the story and its jokes. I liked it!


brooklyn

In the mood for a great feel good movie? Go and watch "Schwere Jungs"!


Sam

mia hod da fuim sauguat gfoin, aber ned füa ´d saupreissn, wei de ham koan humor!


Tom

Mir hat der Film gut gefallen, ist gelungen. spaßig locker was willst du mehr


xeme

englischsprachige kritik zu einem deutschen film??? --armselig!


Franziska

I find der Film ist echt super!!! De Preißn gfoid er ja ned, aba de habn a an schlechtn Humor!


Norbert

Kauziger Film mit urigen Typen. Schade, dass solche Filme im Hollywood Rausch einfach untergehen.


Bäda aus Brandstätt

I hob den Film heid gseng. Desweng hod mi de Kritik interessiert. Aber i stai a fest, das´n da Kritiker ned vostandn hod. Von wegen Komödie. Des war bluadiga Ernst. Sche, dass so guad ausganga is. Da Film hod a bissl an Charme vom Erich Kästner.

Mei Resüme: Pfundig, i werdn weida empfehln.


KK

Was für eine armseelige Kritik eines ob seines mangelnden Einfühlungsvermögens bemittleidenswerten Kritikers.
Bei diesem frustgeladenen Statement quillt der Neid des vermeintlich verkannten Genies aus allen Ritzen.
Aber wie heißt es so schön: Noch nie wurde einem Kritiker ein Denkmal gesetzt - wohl aber vielen, die kritisiert wurden.


Der Tegernseer

Lieber Michael Kienzl, ich denke bei Ihrer Kritik haben Sie etwas daneben gegriffen, oder haben Sie den Film nicht verstanden?
Ich habe seit langem nicht mehr so viel gelacht wie in diesem Film und musste an meine Kindheit
zurückdenken, denn diese Art des Miteinander ist Wirklichkeit.
Ebenso sollte erwähnt werden, dass es in diesem Film nicht nur um Humor geht, sonder ein tieferer Sinn dahinter steht.
Dabei geht es um Sieg und Niederlage, Freundschaft und Feindschaft, Liebe und Hass sowie um verzeihen und auf einander zugehen.
All das haben Sie Herr Kienzl wohl übersehen oder nicht verstanden. Nun ja, wie schon vorher jemand schrieb, ist es kein in USA produzierter Film, jedoch könne wir stolz sein, solche Filme zu haben.

Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass jeder der diesen Film noch nicht gesehen hat, ihn ansehen sollte, denn er ist einfach nur "super" gemacht.


Christel

Auch als Saupreißin (?) habe ich viel gelacht.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.