Schwedisch für Fortgeschrittene

Zwei ungleiche Freundinnen brechen in das von Männern dominierte Genre des Buddy-Movies ein. Und auch sonst hat die schwedische Feel Good-Komödie wenig übrig für das vermeintlich starke Geschlecht.

Schwedisch für Fortgeschrittene

So überholt und sexistisch es auch sein mag, heutzutage noch mit Etiketten wie „Frauenfilm“ zu operieren, es erscheint zumindest dann legitim, falls das jeweilige Werk ähnlich grobschlächtig eine Trennlinie zwischen Männern und Frauen zieht. Die vom Verleih als „Sex in the City im Schwedenlook“ vermarktete Komödie Schwedisch für Fortgeschrittene (Heartbreak Hotel) ist ein Frauenfilm und hat als solcher nur wenig übrig für den gemeinen Mann. Wenn er nicht fremd geht und sich gerade mit einer Jüngeren vergnügt, tritt er als Spaßbremse oder Besserwisser auf den Plan. Höchstens für einen One Night Stand und einen unverbindlichen Flirt eignet er sich noch.

Regisseur und Autor Colin Nutley zeichnet von den Männern ein über weite Strecken erbärmliches Bild. Verantwortung scheint für sie ein Fremdwort zu sein, ihre ganze Aufmerksamkeit gilt vielmehr dem eigenen Ego. Das beste Beispiel hierfür ist Henrik (Johan Rabaeus), der mit seinem profunden Halbwissen gerne im Mittelpunkt steht und sich ansonsten in seiner Ehe den einen oder anderen Fehltritt leistet. Kein Wunder, dass seine selbstbewusste Frau Elisabeth (Helena Bergström) die Scheidung eingereicht hat. Die praktizierende Gynäkologin steht auch beruflich auf eigenen Beinen. Über eine Serie von Zufällen lernt sie die zurückhaltende, spröde Gudrun (Maria Lundqvist) kennen. Wenngleich ihre erste Begegnung wenig glücklich verläuft, entwickelt sich zwischen den ungleichen Frauen eine echte Freundschaft. Gemeinsam ziehen sie um die Häuser, haben sie Spaß beim Tanzen und Flirten in ihrer Stammdiskothek. Gudrun blüht dank Elizabeths Schützenhilfe richtig auf.

Schwedisch für Fortgeschrittene

Die Konstellation deutet es bereits an: Schwedisch für Fortgeschrittene ist das weibliche Pendant zum männerdominierten Genre des Buddy-Movies. Man nehme zwei gegensätzliche Charaktere, und lasse sie unter möglichst skurrilen Umständen aufeinander prallen. Der üblichen Dramaturgie folgend müssen sich beide „Buddies“ zunächst mit Verachtung und Argwohn begegnen. Meist ein Schlüsselerlebnis – in diesem Fall ist es Gudruns Besuch in Elizabeths Praxis – läutet dann jedoch die Phase einer graduellen Annäherung ein, bis aus den einstigen Kontrahenten schlussendlich enge Freunde geworden sind. Insofern vertraut Nutley auf ein bewährtes Konzept.

Natürlich entstammen auch die beiden Protagonistinnen bekannten Klischees. Gudruns Wandlung von der grauen Maus des Duos zur selbstbewussten Party-Gängerin ist nicht immer glaubwürdig, sondern folgt einer eher schlichten Dramaturgie. Und Elisabeth steht stellvertretend für die moderne Selfmade-Karrieristin, die sich in Wahrheit nach Zweisamkeit und einem als spießig postulierten Leben sehnt. Der große Unterschied zu den männlichen Nebenfiguren wie Henrik, der – selbst auf jugendlich gestylt – jüngeren Frauen hinterherläuft, liegt in der eindeutigen Sympathieverteilung. Henrik und auch Gundruns Mann Åke (Claes Månsson) scheinen allein dafür verantwortlich, dass sich ihre Frauen so und nicht anders verhalten.

Schwedisch für Fortgeschrittene

Die simple Sichtweise in Bezug auf den omnipräsenten Vollidiot namens Mann ist umso ärgerlicher, als dass die Geschichte ansonsten durchaus intelligent mit Rollenbildern spielt. Am einträglichsten weil unterhaltsamsten ist der von Nutley vorgenommene Rollenwechsel zwischen Mutter und Tochter. Während Gudrun mit Anfang Vierzig die postpubertäre Sturm und Drang-Zeit nochmals – oder vielleicht zum ersten Mal – durchlebt, sorgt sich ihre Tochter (Erica Braun) um den Ruf ihrer Mutter, wenn diese stark alkoholisiert auf der Tanzfläche alle Hemmungen zu verlieren scheint. In die anschließende lautstarke Aussprache mischt sich auch Elizabeth ein, was das Chaos auf der Damentoilette komplettiert.

Nutleys Frauen-Duo nimmt, einmal losgelassen, auf nichts und niemand mehr Rücksicht. Zu schwedischen Pop-Nummern und mehr oder weniger bekannten Stimmungs-Hits erobern sie die Tanzfläche. Laut, extrovertiert, mitunter vulgär geben sich Elizabeth und Gudrun und genauso fällt der Humor in Schwedisch für Fortgeschrittene aus. Feinsinnige Ironie stellt da eher die Ausnahme dar, dafür dominieren derbe Zoten und Schenkelklopfer. Erst in der letzten Viertelstunde setzt ein merklicher Stimmungsumschwung ein, der nicht recht zum übrigen Film passen will. Plötzlich ist der Lärm der Diskothek verschwunden, wenn Nutley versucht, seinen Film auf eine dramatische Ebene zu hieven. Aber konsequent zeigt er sich darin nicht. Die allerletzte Szene – eine Anspielung an Thelma & Louise (1991) – vollzieht eher wieder eine Rolle rückwärts, was den Abschluss reichlich unfertig erscheinen lässt.

Schwedisch für Fortgeschrittene

Dass solche Drehbuchentscheidungen nicht stärker ins Gewicht fallen, ist vor allem den beiden Hauptdarstellerinnen Helena Bergström und Maria Lundqvist zu verdanken. Lundqvist verkörpert glaubhaft den Wandel der biederen Hausfrau Gudrun zur Party-Königin, was von ihr eine Balance zwischen Zurücknahme und exaltierten Posen verlangt. Bergström hat es da um einiges leichter. Die Ehefrau von Regisseur Nutley darf vom ersten Auftritt an Vollgas geben – passend zur Kernaussage des Films. Dieser steht für die Aufforderung, mit dem Älterwerden nicht in die Falle einer schleichenden Monotonie zu tappen sondern die Lust auf das Leben immer wieder neu zu entdecken. Das sympathische Credo richtet sich dabei grundsätzlich an beide Geschlechter. Ob die eher ungeschickt dargestellten Männer allerdings überhaupt noch gewillt sind, dieses auch zu hören, steht auf einem anderen Blatt.

 

Trailer zu „Schwedisch für Fortgeschrittene“


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Kommentare


Solros

Hej där!

Ich sah mir heute den überaus witzigen Film an und muss gestehen, ..hätte nicht gedacht, dass er so gut sein würde! Selbstverständlich, ....als Mann bringt man wenig Verständins dem Geschehen gegenüber auf, doch wir Frauen können wohl so ziemlich das Meiste nachvollziehen und weshalb sollte man einen Film, der Frauen in Vordergrung stellt, Frauen, die auf der einen Seite ein Verhalten aufweisen, das man normalerweise von Männern kennt, auf der anderen Seite diese ihren Weg selbstbewusst und entschlossen durchs Leben gehen, vor allem als Frau nicht genießen?! Schade fand ich nur, dass, meiner Meinung nach, zu wenige schwedische Lieder gespielt wurden, ansonsten ist der Film einfach sehenswert, denn ich war nicht die einzige, die sich die Tränen vom Lachen wegwischen musste! Wir Frauen, und es waren viele, amüsierten uns küstlich! Fazit: empfehlenswert!

Ha det bra!


claudsch

euda sind die jz lesbisch oda was???? ich checks ur nicht.. HILFEE!!

looool


Iris

Hey ich fand den Film großartig.....jetzt suche ich die Filmmusik..weiß jemand wie ich an dise komme??

Ich kann diesen Film echt empfehlen, am besten mit der besten Freundin ;-)))

Iris


Shane

ja ich such auch die filmmusik..die war echt supa!!! also wenn ihr wissts wie die heißt, wie ich die ganzen songs bekomme: bitte melden..okai


stella61

Dieser Film ist wirklich ein Highlight!
Die beiden Hauptdarstellerinnen hatte man nach dem Film richtig in`s Herz geschlossen


Reinhard

Finde den Film Klasse. Einfach gelungen. Jetzt suche ich auch die Filmmusik, sprich. alle gespielten Songs!


Regina Schütze

ich habe diesen film jetzt schon das zweite mal gesehen und finde ihn toll. Noch toller finde ich die filmmusik, vorallem beim Filmabspann. dies wurde zweistimmig gesungen und weiß nicht, wie ich an den Titel kommen könnte.






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