Schwarze Schafe

Die Münchner mal richtig schocken: Schwarze Schafe ist eine energiegeladene Low-Budget-Komödie über Berlin und seine schrägen Bewohner, in der sich bekannte Schauspieler die Klinke in die Hand geben.

Schwarze Schafe

Erstmal sind die Sympathiepunkte zu nennen, die Schwarze Schafe schon wegen seiner Produktionsgeschichte verliehen werden müssen: Ohne Fördergelder gedreht, auch ohne Gagen, dafür mit viel Enthusiasmus. Der Schweizer Regisseur Oliver Rihs, der seit sieben Jahre in Berlin lebt, wollte ein Porträt seiner Wahlheimat schaffen und animierte mehrere befreundete Autoren dazu, Berlin-Geschichten vom unteren Ende der sozialen Leiter zu schreiben, die er selbst dann in ein Drehbuch goss. Dazu kommt das schmutzige Schwarzweiß, versehen mit einigen Farbklecksern, wie sie schon Francis Ford Coppola in Rumble Fish (1983) oder Akira Kurosawa in Zwischen Himmel und Hölle (Tengoku to jigoku, 1963) verwendet haben.

Die Entscheidung, in Schwarzweiß zu drehen, wurde nach Rihs’ Angaben auch zur Schonung des Publikums gefällt, das von den verschiedenen Körperflüssigkeiten, die in jeder der fünf Episoden eine erhebliche Rolle spielen, sonst abgelenkt zu werden drohte. „Der Zuschauer soll nicht kotzen, er soll lachen“, meint Rihs. In der Tat sind Dinge wie Kot, Mageninhalt oder Blut ohne Farbe angenehmer anzusehen.

Schwarze Schafe

Man merkt es schon, Schwarze Schafe ist nichts für zart Besaitete. Die fünf Geschichten, die laut Selbstverständnis der Macher nur an einem Ort wie Berlin spielen können, überbieten sich in kalkulierter Geschmacklosigkeit. Höhepunkt des Willens zum Zuschauer-Schock ist eine Inzestszene zwischen einem Satanisten und seiner im Koma liegenden Oma. Das hört sich schlimmer an, als es ist, denn die Episode mit den beiden Trotteln, die unbedingt den Teufel anbeten wollen (Kirk Kirchberger und Daniel Zillmann), aber nicht so recht wissen, wie, beinhaltet einige sehr gelungenen Momente. Die anderen Protagonisten sind ebenfalls ziemlich durchgedreht und auf die ein oder andere Weise mehr oder weniger Berlin-typisch. Robert Stadlober und Tom Schilling spielen zwei Kiffer, die sich dampfplaudernd nach alternativen Lebensformen umsehen und in einer Agentur für Arbeit ohne Geld landen, in der es dann doch irgendwie auch ganz schön kapitalistisch zugeht, weil nämlich jeder jeden ausnutzt. Auf einem Ausflugsdampfer spielt die Geschichte um Charlotte (Jule Böwe) und ihren versoffenen Freund Peter (Milan Peschel). Letzterer pöbelt ordentlich rum und kotzt einer arroganten Münchnerin aufs Kleid. Vorher hat er ihr und ihrem Mann noch grölend klargemacht: „Hier ist Feindesland“, als Münchner hat man im wilden Berlin halt nichts zu lachen. Dann sind da noch der Trickbetrüger Boris, der einer Vogue-Redakteurin hinterher steigt, und drei türkische Jugendliche im Hormonstau (Eralp Uzun, Oktay Özdemir, Richard Hanschmann), die sich mit komischer Entschlossenheit auf eine Odyssee begeben, auf der Suche nach einem Fick. In den Kitkat-Club kommen sie erst gar nicht rein, für eine Hure fehlt das Geld, und zwischendurch gibt es immer wieder mal eine Abreibung. Auf der komödiantischen Ebene funktioniert diese Episode am besten, weil sie wunderbar von der Diskrepanz zwischen dem coolen, aber unsagbar dämlichen Auftreten und den ständigen Rückschlägen lebt. Man könnte das als schmutzige Version des Migrantenhumors bezeichnen, wie ihn im Fernsehen der Komiker Kaya Yanar geprägt hat.

Schwarze Schafe

Schwarze Schafe ist stilistisch und inhaltlich angelehnt an die Slacker-Filme der neunziger Jahre, aber ohne die pointierten Dialoge des frühen Kevin Smith (Clerks, 1994), dafür mit mehr optischen Spielereien und temporeichem Schnitt, der den ansonsten auseinander fallenden einzelnen Teilen so etwas wie ein Korsett gibt. Dass der Film letzten Endes nicht funktioniert, liegt vor allem an den klischeehaften Figuren, deren Schrägheit sehr entworfen wirkt. Weil sie als kleine Teile eines mit fünf Geschichten überladenen Films zu wenig Zeit haben, sich zu entwickeln, bleiben sie trotz der guten Schauspieler nicht glaubwürdig. Und dass jede einzelne Episode in einen ekligen Höhepunkt münden muss, ist schlicht pubertär. Da hilft dann auch kein Schwarzweiß mehr.

 

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