Schrei, wenn du kannst

Wie in seinem Debütfilm fokussiert Chabrol in seinem zweiten Film Schrei, wenn du kannst das Lebensgefühl der jungen Franzosen. Hier spielt die Geschichte im wohlhabenden Studentenmilieu von Paris.

Schrei, wenn du kannst

Chabrols erste Filme Die Enttäuschten (Le beau Serge, 1958) und Schrei, wenn du kannst (Les cousins, 1959) werden aufgrund ihrer Thematik und ihrer fast zeitgleichen Veröffentlichung häufig als Zwillingspaar gesehen. In der Tat spiegeln sich die Geschichten auf allen Ebenen, angefangen von den Schauspielern Jean-Claude Brialy und Gérard Blain, die auch hier wieder die männlichen Protagonisten spielen, über das Thema des Kontrastes zwischen Hauptstadt und Provinz bis zum für den Regisseur typischen ironischen Erzählton. Jedoch hat Schrei, wenn du kannst den größeren und beständigeren Erfolg als sein Bruderfilm. Zusammen mit seinem Drehbuchautoren Paul Gégauff liefert Claude Chabrol eine zynische Beschreibung der studentischen Bohème von Paris. Paul (Jean-Claude Brialy) beherbergt seinen Cousin Charles (Gérard Blain), der zum Studieren aus der Provinz in die Hauptstadt kam. Die beiden wohnen in der Wohnung von Pauls Onkel, die mit Jagdwaffen und -trophäen sowie mit Zinnsoldaten vollgestopft ist. Während sich das Landei Charles mit übertriebenem Eifer in das Studium stürzt, lässt sich der dekadente Paul im neurotischen Müßiggang treiben.

Schrei, wenn du kannst

Chabrol und Gégauff liefern mit ihrem Film eine Antwort auf die künstlich schablonenhafte Darstellung der Pariser jeunesse dorée der 1950er Jahre, wie sie Marcel Carné in seinem Film Die sich selbst betrügen (Les Tricheurs, 1958) gezeichnet hat. Schrei, wenn du kannst trifft in der Darstellung der gepflegten studentischen Langeweile hingegen den richtigen Ton. Seine Autoren stützen sich in vielen Details auf Erinnerungen an ihre eigene Studienzeit an der juristischen Fakultät, darunter das ausufernde Fest in Pauls Apartment, die Figur des älteren Schmarotzers Clovis (Claude Cerval) sowie die wagnerhafte Rezitierung eines Goethegedichts im Kerzenschein. Brialy und insbesondere Cerval tragen in ihrem Spiel bewusst dick auf, und diese Überzeichnung passt in der Tat recht gut zu ihren parodistischen, in permanenter Selbstinszenierung stehenden Figuren. Die Ironie des Films macht aus ihm ein Manifest zweiten Grades, das jegliche politische Interpretation ins Leere laufen lässt. Insbesondere wurde der deutlich ironische Diskurs der Figuren in der umstrittenen karnevalesken „Nazi“-Szene häufig fälschlicherweise direkt den Autoren Chabrol und Gégauff untergeschoben.

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