Rushmore

Rushmore ist Name einer Eliteschule und gleichzeitig eines skurill-absurden Universums, in dem sich der phantasierte phantasierende Max Fischer gegenüber einbrechenden Realitäten behaupten muss. Dies kulminiert in dem Theaterstück Heaven and Hell, einer irrsinnigen Mixtur aus Platoon, Apocalypse Now und „Best of Sidney Lumet“. Eine Liebeserklärung an das Kino, wie der gesamte Film.

Rushmore

Max (Jason Schwartzmann) lebt an seiner Privatschule Rushmore ein aus Filmzitaten bestehendes Erwachsenenleben. Zu wichtigen Treffen verabredet er sich auf Parkhausdächern, wo er für seine Gesprächspartner Sandwiches bereithält. Verliebt er sich in eine Frau, bastelt er an der Verwirklichung ihres Lebenstraumes, sei dies auch ein überdimensionales Aquarium. Sollte sein Leben tatsächlich einmal nicht dem Stile eines Hollywood-Drehbuchs entsprechen, dann ändert er es schlichterdings; so avanciert sein Vater in der Öffentlichkeit schnell mal vom einfachen Barbier zum Chefarzt. Aufgrund dieses Erfindungsreichtums wurde Max überhaupt in Rushmore aufgenommen, wo er es sich auch nicht nehmen lässt, über ein Dutzend Clubs zu leiten. Sein liebstes Kind ist die Theatergruppe, an deren Spitze er als Regisseur und Hauptdarsteller vornehmlich Lumet-Stoffe in Szene setzt. Dummerweise leiden seine ohnehin nicht berauschenden schulischen Leistungen unter den diversen Sonderaktivitäten, so dass ihm schließlich der Rauswurf droht. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt entdeckt er in der neuen gebildeten britischen Biologielehrerin Miss Cross (Olivia Williams) nicht nur eine Seelenverwandte, sondern vor allem die Liebe seines Lebens.

Herman Blume (Bill Murray) ist der Gegenentwurf zu Max: Ein erwachsener, reicher, unabhängiger Unternehmer, der eigentlich nur eines möchte: seinen infantilen Wünschen nachgeben und dieser Welt entfliehen. Anderson hält dies exemplarisch in einer sensationellen Sequenz fest: Blume ist Teil aber doch nur Randfigur der Geburtstagsfeier seiner pubertierenden Söhne, Klassenkameraden von Max. Aus Hermans Augen fängt Anderson in beinahe beiläufigen Bildern das im Klischee erstarrte Techtelmechtel seiner Gattin mit einem Tennislehrer und das Treiben des leicht debilen Nachwuchses ein. Herman steigt auf den Sprungturm und taucht unter Wasser, wo er sich ein Refugium sucht. Doch, und hier bricht sich Andersons Ironie Bahn, auch dort findet er keine Ruhe: ein Spielkamerad stört.

Rushmore

In der Folge werden die beiden binären Oppositionen Max und Herman zunächst zu Freunden im Leid, doch die Verbindung der beiden Außenseiter entwickelt sich zu einer aberwitzigen Rivalität, als auch Herman sich für Miss Cross erwärmt.

Die Rolle des Herman stellt den Wendepunkt im schauspielerischen Schaffen Bill Murrays dar, der die Figur des melancholischen, skurrilen und auf die Zuschauer witzig wirkenden Mannes in der Midlife Crisis in Sofia Coppolas Lost in Translation (2002) und aktuell Wes Andersons Die Tiefseetaucher (The Life Aquatic with Steve Zissou, 2004) weiterentwickelte.

In Rushmore entfaltet Anderson das erste Mal sein ganzes filmisches Repertoire. In seinem zweiten Langspielfilm funktioniert der Humor immer über eine außergewöhnliche Bildgestaltung, selten über den reinen Dialog. Oft erzeugen Details, Aktionen oder Dekors im Bildhintergrund erst die Pointe. Sensationell sind die Sets, auf denen Absurdes und Melancholisches auf eine völlig individuelle Weise kombiniert werden. Der junge Regisseur und sein Koautor Owen Wilson sprühen vor Ideen, die auf der Leinwand tatsächlich einen eigenen, phantastischen Kosmos entstehen lassen. Im Jahr 1999 hieß dieser Kosmos Rushmore, den zu besuchen sich jederzeit lohnt.

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