Run, Fatboy, Run

Wer bereits glaubte, eine romantische Komödie müsse zwangsläufig verkitscht und rührselig sein, dem beweisen die Macher dieser amerikanisch-britischen Co-Produktion das Gegenteil.

Run, Fatboy, Run

Die Braut, die sich nicht traut (Runaway Bride, 1999) war gestern, heute ist es der Bräutigam, der kurz vor dem Gang an den Traualter Muffensausen bekommt, weil er sich einbildet, er sei nicht gut genug für die Herzallerliebste. Ein solcher Rollenwechsel leitet das Regie-Debüt von Ex-Friends (1994-2004)-Ensemblemitglied David Schwimmer ein. Simon Pegg, spätestens seit Shaun of the Dead (2004) und Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis (Hot Fuzz, 2007) Großbritanniens neue Comedy-Hoffnung, spielt darin den sympathischen Loser Dennis. Dieser glaubt, dass es besser wäre seiner großen Liebe Libby (Thandie Newton) lieber nur das Fest als gleich das ganze Leben zu versauen, weil er als einfacher Wachmann in einem Geschäft für Damenmoden ihr keinen außergewöhnlichen Lebensstil bieten kann.

Natürlich wird Dennis seine Entscheidung bereuen, schließlich liebt Dennis Libby noch immer. Und weil die beiden ein Kind zusammen haben, sehen sie sich weiter regelmäßig. So vergehen die Jahre, ohne dass Dennis seinem Ziel, Libby zurückzugewinnen, wirklich näher käme. Erst als er Whit (Hank Azaria) begegnet, Libbys neuem Freund, kehrt in ihm der Ehrgeiz zurück. Zwar ist Whit all das, was Dennis gerade nicht ist – redegewandt, smart, geschäftstüchtig, sportlich, um nur das Wichtigste aufzuzählen –, doch davon lässt dieser sich nicht beirren. Um Libby endgültig zu beweisen, dass er sich geändert hat, dass er nicht länger antriebslos mit seiner Loser-Clique abhängt, fasst er einen für seine Verhältnisse geradezu wagemutigen Entschluss: Er will bei einem bevorstehenden Charity-Marathon an den Start gehen.

Run, Fatboy, Run

„Lauf, Dennis, Lauf!“ will man Peggs trotteligem und deshalb so sympathischen Jedermann fortwährend entgegenschreien. Weil dieser jede noch so gut gemeinte Anfeuerung vermutlich aber nicht hören dürfte, schlüpfen im Film Dennis’ indischer Vermieter Mr. Ghoshdashtidar (Harish Patel) und sein bester Kumpel Gordon (Dylan Moran) stellvertretend in die Rolle des Motivators. Zugleich schrauben sie als spaßige Sidekicks, wie sie heutzutage praktisch zum Inventar jeder Romantic Comedy gehören, den Unterhaltungswert über allerlei Zoten und derbe Späße nach oben.

Dass Run, Fatboy, Run wie dem Presseheft zu entnehmen ist, ursprünglich als eher platte Schenkelklopfer-Komödie angelegt war, ehe Pegg und Schwimmer Michael Ian Blacks Skript überarbeiteten, wird in manchen Augenblicken immer noch überdeutlich. In einer Szene, die selbst die für ihre anzüglichen, grafischen Pointen gefürchteten Brüder Peter und Bobby Farrelly (Verrückt nach Mary; There’s something about Mary, 1998) nicht besser hätten inszenieren können, landen hier auch schon mal unangenehme Körpersäfte im Gesicht des besten Freundes.

Run, Fatboy, Run

Glücklicherweise hat Schwimmers erster Kinofilm noch mehr zu bieten. Dabei wird es dem Kinozuschauer herzlich egal sein, dass die meisten Meriten allerdings Simon Pegg zuzuschreiben sein dürften. Denn erst durch sein Mitwirken vor und hinter der Kamera – das zeigt sich bei einem Vergleich mit Peggs früheren Drehbüchern beispielsweise zu Shaun of the Dead und Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis – weicht Run, Fatboy, Run in den entscheidenden Momenten vom vorgezeichneten Weg einer romantischen Komödie „Made in Hollywood“ ab. Nicht nur, dass der Humor erkennbar britisch, sprich trocken und mitunter reichlich respektlos daherkommt, auch verfällt der Film zu keiner Zeit in den klebrig-süßen Duktus vieler amerikanischer Pendants.

Selbst wenn der Film seinen Schauplatz London mit all dessen Wahrzeichen, vom Ufer der Themse über St. Paul’s Cathedral bis zur Millennium Bridge, nicht derart exzessiv ausleuchten würde, gäbe es kaum ein Vertun, wohin man das Herz von Run, Fatboy, Run verorten müsste. Es schlägt für die Insel und ihre Menschen, für ihre liebenswert verschrobene Art, ihre Fähigkeit zur erbarmungslosen Selbstironie und die Größe, selbst unvorstellbare Peinlichkeiten mit Würde ertragen zu können. Bezeichnenderweise ist Dennis’ Gegenspieler ein eitler Amerikaner, karrierebewusst und von sich mehr als überzeugt.

Weil man bekanntermaßen mit dem Underdog fiebert, hat Pegg die Sympathien auf seiner Seite. Seine Figur scheint inspiriert von jenen etwas anderen „Helden“ des Alltags, wie man sie auch in Nick Hornbys Romanen immer wieder antrifft. Schlecht bezahlt, notorisch träge und bisweilen faul, benötigen sie manchmal einen gut gemeinten Fußtritt, um in die Gänge zu kommen. Aber wenn letztlich die Frau ihrer Träume auf sie wartet, sollte das jede Anstrengung wert sein.

Trailer zu „Run, Fatboy, Run“


Trailer ansehen (1)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.