Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin

Ein Autor findet eine eigenwillige Methode um seine Schreibblockade zu überwinden.

Ruby Sparks 01

Ruby Sparks ist ein Schriftsteller-Film, eine Romanze und ein Hollywood-Beitrag mit ein wenig Independent-Flair in der Figurenzeichnung. Das neue Werk der Little Miss Sunshine-Regisseure, basierend auf dem Drehbuch der Darstellerin Zoe Kazan, möchte die Imaginationskraft feiern. Es ist ein fantastischer Stoff, denn Autor-Wunderkind Calvin (Paul Dano) überwindet seine lange Schreibblockade durch die Erfindung von Ruby Sparks, seinem Traummädchen (oder genauer: einem Mädchen, das seinen Hund Scotty mag, wie er ist) – und dann steht sie plötzlich vor ihm. Kazan hat aber auch einen Film geschrieben, der die Grenzen der Vorstellungskraft in den Blick nimmt: Denn obwohl alles, was Calvin über Ruby in seine Schreibmaschine tippt, Wirklichkeit wird, können sie einfach nicht miteinander glücklich werden. Nebenbei steckt Ruby Sparks auch die Grenzen des Independent-Kinos ab und positioniert sich selbst eindeutig im Mainstream. Der eigenbrötlerische Schriftsteller wünscht sich eine komplexe Frau, eine mit sogenannten quirks, von denen im Independentsektor immer die Rede ist, wenn Figuren als originell durchgehen sollen. Doch alles bleibt offen, es lebe die Projektion! Ruby hat nämlich gar keine Eigenheiten, jedenfalls keine auffälligen. Sie ist Künstlerin, zeichnet, versteht sich mit allen, ist offen für jeden Schabernack, kocht gut und gerne. Das Seltsamste an ihr ist womöglich, dass sie F. Scott Fitzgerald nicht kennt. Kazans Drehbuch sorgt dafür, dass nichts zu konkret wird, dass sich immer alle wiederfinden können in den Figuren. Von wegen Independent. Und Calvin, dessen Perspektive der Film einnimmt, bleibt auch zu jeder Zeit ungenaue Künstler-Persona. Worin sich eigentlich sein Genie ausdrückt, das ihm allseits attestiert wird, muss offen bleiben. Wahrscheinlich ist das ein allgemeines Problem: Erfolgsgeschichten funktionieren besser abstrakt denn konkret. So bleibt diese jedenfalls austauschbar. Davon bleibt unberührt, dass Ruby Sparks in der Behauptung vom Anderssein es durchaus vermag, eine sympathische Fantasie für Einzelgänger zu spinnen. Wer sich darin wiederfindet, ist nicht allein.

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