Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit

Reiche Liberalisierungsgewinnler lassen sich Prunkvillen von armen Bauarbeitern errichten. Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit macht sich auf die Suche nach dem neuen Russland.

Rubljovka

Seit dem Zusammenbruch des ehemaligen Ostblocks hat der Kapitalismus auch in Russland Einzug gehalten. Und zwar nicht die klassische europäische Variante inklusive zumindest rudimentärer sozialer Absicherung und proklamierter Solidarität zwischen Arm und Reich, sondern eine ungleich härtere, erbarmungslosere Variante. Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit versucht, ein Bild zu finden für das gegenwärtige Russland und seinen neuen Geldadel.

Fündig wird die Regisseurin Irene Langemann gut 30 Kilometer außerhalb Moskaus. Hier verläuft die titelgebende Straße Rubljovka. Bereits in der Sovietzeit entwickelte sich deren Umgebung zu einem Domizil sozialistischer Funktionäre. Heute steigen die Grundstückspreise ins Unermessliche. Die Gewinner der Liberalisierung seit den frühen 90er Jahren haben hier ihr Zuhause gefunden.

Rubljovka

Diesen Gewinnern liegt nichts daran, ihren Reichtum zu verstecken oder durch kostspielige, aber nur von Kennern zu würdigende Hobbies wie Kunstsammlungen zu sublimieren. Rubljovka-Anwohner zeigen was sie haben und legen ihr Vermögen in Pelzmänteln, Schmuck und natürlich in ihren prunkvollen Villen an.

Es geht Langemann mehr um das Lebensgefühl der neuen Eliten als um eine Analyse der gesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungen. So kommen in dem Film auch hauptsächlich die neuen portraitierten Neureichen selbst zu Wort. Auf einen Off-Kommentar, der zusätzlichen Kontext liefern oder einzelne Aussagen relativieren könnte, verzichtet der Film vollständig. Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit von der Faszination für das eigene Thema oft überwältigt wird und die nötige Distanzierung auf der Streck bleibt. Immer wieder ergeht sich der Film in von dezent modernistischer Musik unterlegten Montagesequenzen, die den für mitteleuropäischen Geschmack reichlich ordinär wirkenden Prunk und Glanz in Bilder fassen, dabei aber letztlich recht wenig zeigen und noch weniger aussagen.

Die komplexe gesellschaftliche Struktur des gegenwärtigen Russlands scheint am ehesten noch in den Momenten des Films durch, in welchen der Fokus auf andere Bevölkerungsgruppen übergeht. Im letzten Drittel beispielsweise rücken immer wieder Bauarbeiter ins Zentrum, die aus den ehemaligen Satelitenstaaten der UdSSR jeden Sommer anreisen, in überfüllten, heruntergekommenen Baracken wohnen und die Paläste der neuen Millionäre errichten um im Winter ihre Familien in der Heimat versorgen zu können.

Was das Nebeneinander dieser unterschiedlichen Lebenswelten jedoch für das neue Russland mittel- oder langfristig bedeuten könnte, darüber bringt Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit wenig neue Erkenntnisse. Der einzige, der in Langemanns Film über Politik redet, ist ein kaum zehnjähriger Junge.

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