Rubbeldiekatz

Detlevs Bucks Komödie Rubbeldiekatz sucht leichte Gags und steckt Matthias Schweighöfer in ein Frauenkostüm, das diesem überraschend gut steht.

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Laut Detlev Buck ist der Ausdruck Rubbeldiekatz jüdischen Ursprungs: „Das Geld von jüdischen Kaufleuten war in ein Katzenfell eingenäht, und wenn man ein schnelles Geschäft macht, dann rubbelt man die Katze, das Katzenfell.“ Zwar kann man, wenn man es darauf anlegt, durchaus ein paar Verbindungen zwischen dem Titel des Films und seinem Inhalt finden. So sucht der kaum bekannte Theaterschauspieler Alexander Honk (Matthias Schweighöfer) zwar nicht das schnelle Geld, aber zumindest den schnellen Erfolg, weshalb er sich bei einer amerikanischen Großproduktion, einem Drama über die Nazi-Zeit, für die weibliche Hauptrolle bewirbt. Außerdem hat die Familie Honk (Jürgen Honk: Detlev Buck; Basti Honk: Maximilian Brückner) eine Katze, die „Rubbel“ heißt.

Aber mehr Sinn ergibt es, den Titel Rubbeldiekatz auf die Produktion des Films insgesamt zu beziehen. Das beginnt bei der Besetzung von Matthias Schweighöfer, der zwar vielen auf den Geist geht, bei anderen Teilen des Publikums aber immer wieder eine regelrechte Massenhysterie auszulösen scheint. Es setzt sich fort beim Engagement von Anika Decker als Drehbuchautorin, die schon für die Bücher der einspielstarken Til-Schweiger-Komödien Keinohrhasen (2007) und Zweiohrküken (2009) verantwortlich war. Dazu kommt, dass die Story des Films im Kern Sidney Pollacks Tootsie (1982) kopiert und damit risikoarm in den Pfaden eines Travestie-Klassikers wandeln kann. Und schließlich gibt es als weitere sichere Bank noch eine dicke Portion Gags über Nazis im Allgemeinen und den „Führer“ im Besonderen.

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Doch bei allen berechtigten Zweifeln ob dieser Zutaten: Dem Film gelingt es, der Tootsie-Konstellation auch unter den rauen Bedingungen des deutschen Komödienalltags funktionierende Pointen abzugewinnen – und er gibt Matthias Schweighöfer dabei Gelegenheit, ganz überraschende Seiten zu zeigen.

Zwar lebt der Schauspieler Alexander Honk nicht in New York, sondern in Berlin, er ist auch nur halb so alt wie Dustin Hoffman in Tootsie, und an dessen Charisma kommt er auch nicht heran. Aber als er, wie sein amerikanisches Pendant, die große weibliche Hauptrolle ergattert, da ist eben doch für die nötigen Turbulenzen gesorgt: Die Tarnung muss bis zum Ende halten. Und die Frauen, vor allem Honks hübsche Drehpartnerin Sarah (hier: Alexandra Maria Lara, pendelnd zwischen Jet-Set-Zicke und romantischer bester Freundin), sind bald so zutraulich, dass es brenzlig wird.

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Der Soundtrack ist abwechslungsreich, und die schönen, bösen Spitzen gegen die glatten Egozentriker am Filmset verleihen Rubbeldiekatz eine angenehme, freche Selbstironie. Vor allem aber: Matthias Schweighöfer, dessen Leinwand-Persona sich in vielen seiner Rollen vor allem aus seiner selbstgewissen „Icke“- und „Supi“-Rhethorik speist, erscheint als Alexandra Honk plötzlich ganz selbstlos, schüchtern und zurückhaltend. Dass der Schauspieler Schweighöfer in der Lage ist, solche Charaktereigenschaften so gut abzurufen, war nicht ohne Weiteres zu erwarten.

Allerdings kann dieser Charme nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Rubbeldiekatz die Seichtigkeit regiert. Wenn der glücklose Schauspieler Honk schon einen Tag vor Drehbeginn seine spätere Filmpartnerin Sarah ganz zufällig beim Pinkeln im Park aufgabelt und, nach ein paar kurzen verächtlichen Bemerkungen ihrerseits, wenig später die Nacht mit ihr verbringt, dann macht diese lieblose Konstruktion gleich zu Beginn die Kluft zu Pollacks Klassiker schmerzhaft deutlich. Darauf folgen regelmäßige Scherze, die sich in vergangenen Komödien von Schweiger und Schweighöfer bewährt haben und deren Humor sich vornehmlich auf den Funktionen menschlicher Körperöffnungen gründet.

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Nach den zwei ernsthaften Stoffen Knallhart (2006) und Same Same But Different (2009) ist Detlev Bucks Rückkehr ins Komödienfach also eine kleine Enttäuschung.  So kann man sich nur wünschen, dass das Katzenrubbeln seinen Zweck erfüllt und dem Regisseur Zeit und Muße für einen wieder etwas originellen Film gibt.

Trailer zu „Rubbeldiekatz“


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