Ronal der Barbar

Kommen ein Spargeltarzan, ein metrosexueller Elf, eine Kriegerin und ein hardrockaffiner Barde in eine Bar …

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Manche Filme erobern sich einen schon besonders weichgeklopften Platz im eigenen Herzen allein dadurch, dass sie ein besonders skurriles Inventar an Personen versammeln. Ronal der Barbar (Ronal barbaren, 2011) bemüht sich sehr darum, auf dieser Ebene zu punkten: Sein Held ist ein schwächlicher Barbar, der den anderen Mitgliedern seines Stamms gerade mal bis zur Brustwarze reicht und schon aus physischen Gründen keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Und auf seinem Abenteuer begleiten ihn ein zwischen Metrosexualität und lebensuntüchtiger Tuntenhaftigkeit changierender Elf, dessen vielgepriesene Qualitäten als Spurensucher und Pfadfinder mehr auf glücklichen Zufällen denn auf Kompetenz beruhen, eine Kriegerin, die dem Mann versprochen ist, der sie als Erster im Kampf besiegen wird, und ein Barde, der geradewegs der Garage einer Möchtegern-Metalband der 1980er Jahre entsprungen sein könnte.

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Unterwegs sind diese vier Figuren durch eine Welt, die mit Stereotypen des Schwert- und Amazonenfilms bevölkert ist: In jeder Bar gibt es körperlich auszutragende Händel, immer lauert irgendwo ein gezücktes Breitschwert, und am Ende eines Kampfes bleiben reichlich Leichname zurück, denen Gliedmaße im Mund stecken und Schwerter im Popo. Das ist gewiss nicht jedermanns Humor, und genießbar wird das Ganze auch nur durch eine Umsetzung in überzeichneter Animation, die entfernt an die Gummifiguren der Aardman-Studios erinnert.

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Die dänischen Filmemacher Kresten Vestbjerg Andersen, Philip Einstein Lipski und Thorbjørn Christoffersen haben Ronal der Barbar allerdings komplett am Computer entwickelt; daraus ist ein Film entstanden, der es an Detailreichtum und Realismus gar nicht erst mit den großen Vorbildern Pixar oder Dreamworks Animation aufzunehmen versucht, sondern aus den Nöten Tugenden macht. Die Figuren sind überzeichnet, aber völlig stimmig, die Oberflächen nicht auf Detail, sondern auf Wirkung hin entwickelt.

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Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen und erreicht vor allem seine komödiantischen Ziele mit Leichtigkeit. Die Regisseure haben angemerkt, dass sie durch Bilder von Heavy-Metal-Bands der 1980er Jahre wie etwa Manowar zu dem Filmprojekt inspiriert wurden; und in der Tat findet sich diese Inspiration, ironisch gebrochen, in Bild und Ton von Ronal der Barbar wieder. In Verbindung mit den Fantasy- und Mythenwelten, auf die sich seinerzeit die Metalbands gerade der pompösen Ausprägung gerne bezogen, wird daraus eine gekonnte Parodie jenes Genres, für das archetypisch John Milius’ Conan der Barbar (Conan the Barbarian, 1982) steht, und noch mehr sein Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger.

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Ronal der Barbar macht dazu Anleihen in Namen und Gestus des Originals und dreht dann die Geschichte vom Kopf auf die Füße, indem aus dem Stamm der mächtigen Barbaren ein zwar fast unbesiegbarer, aber eben auch ziemlich arroganter Haufen wird. Damit nimmt der Film natürlich auch die Geschlechter- und Körperbilder ins Visier: Die stets leicht beschürzten Männer- und Frauen bieten selbst in der Animation noch Schauwerte, die aber sogleich dadurch unterlaufen werden, dass die Figuren sich ständig in Pose werfen und die Schönheit ihrer Körper immer wieder selbstverliebt im Spiegel überprüfen. Alles ist Inszenierung und stellt das auch aus, im Glitzern eines Schwertes wie in sukzessive aufbrennenden Feuerfontänen: Schon allein mit solchen Tricks wird dem Pathos der Heldenerzählung die Ernsthaftigkeit ausgetrieben.

Dass alle großen Inszenierungen und Themen immer gleich wieder auf den Boden heruntergeholt werden, wendet Ronal der Barbar auch einigermaßen konsequent auf seine eigenen Mittel an. So beziehen sich große Teile des Humors aus einer eher pubertär anmutenden Sexualisierung von Situationen und Körperteilen – da aber genau dies meist rasch wiederum kommentiert und thematisiert wird, entsteht nie der Eindruck, der Film nehme sich selbst besonders ernst.

Das ist im Grunde nur bei dem ganz unheldenhaften, widerwilligen Protagonisten anders. Indem Ronal der Barbar dann doch auf ein klassisches Erzählmuster zurückgreift (und deshalb auch in der zweiten Hälfte beträchtlich an subversiver Kraft verliert), wird die Geschichte vom ungebrochenen Heldenmythos zur Story von unerwartetem Heldentum. Ronal ist am Schluss eben doch der Mann mit Schwert und Braut, wie es das Happy End verlangt. Nur kann man darüber eigentlich nicht böse sein.

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